Carmen in Zeiten der Corona Pandemie [Alleetheater Hamburg]

Halten wir ein paar Dinge fest, die ich in meiner Meinung nicht umstoßen kann. Die galten vor der Pandemie und die gelten auch jetzt noch.

  1. Live ist es immer besser Künstler kennen zu lernen und zu erleben. Es ist immer besser dann, deren Qualitäten im Spiel und im Interagieren mit den Kollegen zu sehen. IMMER. PUNKT. AUS. BASTA.
  2. Ich habe durch Konzerte mehr die Chance neue Künstler kennen zu lernen und meinen musikalischen Horizont zu erweitern als von Musik auf Scheibe.
  3. Ich habe mit dem Phänomen Großveranstaltungen zu mögen bereits in meinen frühen Teenagerjahren aufgehört. Rock am Ring und das ein oder andere Stadionrockkonzert einer Jugendsünde haben da gereicht. Ich brauche das nicht. Das waren mir damals schon zu viele Menschen auf einem Fleck. Intimere Stimmung und interessantere Setlists gibt es im Club. Da probieren sich Künstler aus. Oder eben auch in der Kammeroper, wo man liebevoller und gewagter in den Inszenierungen gegen den Strich bürstet.
Felipe Knabe & Ljuban Živanović (Foto: Dr. Joachim Flügel)

“Carmen” ist die erste neue Inszenierung des Alleetheaters in der Erwachsenensparte der Saison 2020/2021. Das bekannte Stück musste Corona-konform zurecht gestutzt werden. Das heißt kleines Ensemble auf der Bühne und im Orchester Mosh Pit. Dazu wurden in dem kleinen Haus die Stuhlreihen ausgedünnt und man wird als Gast auf die Plätze nach Plan verwiesen. Also beim Kauf eines Tickets, bekommt man eine Zusage für die Preiskategorie und dann wird hygienegerecht Tetris auf den Stuhlreihen gespielt. Das klingt komisch, ist aber so und das ist auch sehr gut gelöst. Zudem wird im Publikumsraum ordentlich frische Luft durchgewälzt und auch wenn ich kurzzeitig bei der B-Premiere einen Panikanfall hatte mit kaltem Schweiß auf der Stirn und ich für 4 Arien den Raum verlassen musste, ist das alles sehr überzeugend vorbereitet und organisiert. Es gibt nur so viele Tickets zum Verkauf, wie in der Pause Menschen Platz haben sich an die zugewiesenen Tische sich hinzusetzen. Man wird am Platz aufmerksam und zügig bedient.

Worum geht es in der modernen Inszenierung von Carmen?! Wir befinden uns im Sevilla 2020 unter Coronabedingungen. Carmen ist eine Bitch, die Männer verwirrt. Yussef versucht sein Geschäft mit Würde am Leben zu halten und er hatte sich in Carmen verguckt, die ist aber mittlerweile an einem anderen Mann interessiert und gelangweilt von Yussef, der zudem auch noch eine andere Dame Micaela heiraten soll nach Mutters Wunsch … und dann ist da auch noch Escamillo, der Typ, der mit Carmen krumme Geschäfte macht. Und am Ende ist einer tot. Wie es halt so in einer guten Oper so passiert. Es ist eine sehr moderne Inszenierung. Die Story spielt in Sevilla mit Yussef als Souvenirshopbesitzer. Carmen und Escamillo kommen als überhebliche Weiße daher. Micaela und Yussef haben Migrationshintergrund. Die Menschen tragen Masken auf der Bühne. Alle Personen im Stück sind alle ein bisschen außer Kontrolle. Der Pandemie, der aktuellen soziopolitischen Situationen geschuldet?! Es ist ein absolut überzeugender Frontalhieb auf die jetzige Weltlage.

Titus Witt & Ljuban Živanović (Foto: Dr. Joachim Flügel)


Die Solisten sind allesamt fantastisch. Ich bin immer wieder überrascht, welche Goldkehlchen da auf der Bühne stehen und wie ausdrucksstark auf der Bühne auch schauspielerisch agiert wird. Die kleine Bühne wird so groß ausgefüllt, dass es ein absoluter Spaß ist, dem zu folgen. Wer kann, sollte sich unbedingt in das Theater begeben. Für diesen Sonntag soll es auch noch Karten geben.

Kultur tut Not. Und der kritische Blick auf die heutige Zeit ebenso wie auch gute Musik. Ach ja … Musik. Der Orchestergraben ist in nicht Pandemiezeiten mit bis zu 8 Musikern gefüllt. Aufgrund von Covid19 können da nur 3 sitzen und ein Dirigent agieren. Der Rest der Musik kommt vom vorproduzierten Tape. Das ist auch mal was Neues für das Alleethater und funktioniert fantastisch.
Bizets Musik ist catchy und ohrwurmtauglich. Das Arrangement für die Alleetheaterinszenierung ist wie gewohnt aufs Wesentliche und Prägnante sehr pointiert von Ettore Prandi zusammengezaubert. Die Regie hat Alfonso Romero Mora gemacht und bisher habe ich all seine Arbeiten gefeiert. Bühne und Kostüme sind von Lisa Überbacher.

Mehr Infos zum Alleetheater und zu den Tickets für Carmen & mehr Stücken des Hauses.

KOMPROMAT [I LIKE TRAINS]

Sie haben es getan! Jawohl! Nach 8 Jahren … endlich wieder ein neues Album. I like trains – meine heiß und innig geliebte Haus- und Hofkapelle aus Leeds, die vormals bekannt waren für wundervolle Moritaten im Postrockgewand (wo am Ende gefühlt 219 Leute stilvoll dem Leben abhanden kamen), sind mit einer Menge neuer Ideen und einer Menge aufgestauter politischer & gesellschaftskritischer Unzufriedenheit ins Studio gegangen. Heraus gekommen dabei ist “Kompromat”. Ein Album mit 9 Songs knapp 45 Minuten Spielzeit, die richtig auf Krawall gebürstet sind. Es ist eher Punk als Rock, was nach dem Post kommt. Mr T meinte, dass der Sprechgesang von Dave Martin ihn an Lou Reed erinnern würde. Die reudigen schrägen Gitarrentöne tun ihr Übriges.

  • A Steady Hand – ist ein scheinbar abgehacktes Monstrum, was sich um eine sehr von sich eingenommene Person dreht, die im Mittelpunkt steht. Eine Überheblichkeit, die sich in den Wiederholungen verstärkt. Dazu noch die Worte “take a long hard look at yourself in the mirror / and tell me the first thing / that comes into your head / I am the President / I am the president / I am the president / I am the overfed bigoted” … wer den Bezug zu einer real existierenden Person nicht versteht, den kann ich dann nicht verstehen.
  • Desire is a Mess – knallt in genau die selbe Kerbe, ein Individuum, was sich ins Rampenlicht stellt und von Selbstüberschätzung alles klein macht. Das Staccattogewitter geht weiter und die kleinen kurzen Wortfetzen machen die Übersteuerung in den Worten noch härter / unerträglicher für das Wohlbefinden. Aber es passt unmissverständlich.
  • Dig In – startet mit zwei Riffs, die einem sofort an Joy Division und auch The Knack erinnern. In Dig In geht es irgendwie um das Planen von Dingen und das Timing manches Mal doch das Wichtigste ist. Wir als Plebejer können aber gar nichts machen, wenn politische Entscheidungen gemacht werden. Wir sind Spielball der Geschichte und nun ja, schön wäre es, dann tief in sich zu gehen und zu resümieren, ob man Entscheidungen, die man mal getroffen hatte (Beispiel in einer demokratischen Wahl), immer die Richtigen waren. Das Timing für solche Entscheidungen ist eben alles. Wir sind dann abhängig von den Entscheidungen. Wir hängen am Seil und sinken gemeinsam ins Schlamassel … sehr optimistisches Stück Musik.
  • PRISM – ist mein Lieblingsstück auf dem Album. Es ist ein kleines musikalisches Juwel. Spätestens an der Stelle des Albums weiß man, dass I LIKE TRAINS eben doch immer noch die selben I LIKE TRAINS sind, wie man sie vorher schon kannte. Aber hier merkt man, dass sie gar nicht sooo viel geändert haben an der Musik. Der Gesang ist etwas härter geworden und der emsig stetig Layer über Layer aufgebaute Gitarrenteppich ist ein bisschen nach hinten gerückt. Der Gesang und die Lyrics stehen bei KOMPROMAT im Vordergrund. Ab PRISM rücken die Gitarren mit teils schrägen Untertönen, die ich sehr mag in den Fokus. PRISM ist einfach nur superschön. “My heart is strong and hell will freeze / before you hear a word from me / before you hear a word.” Das Lied gibt Hoffnung und Lebensmut in jedwede Richtung.
  • Patience Is A Virtue – Allein für den Gitarrenquietscher am Ende des Songs liebe ich das Stück. Das ist richtig gegen den Strich gebürstet. Merci. Ach ja, danke für diese Frage: “How can I concentrate with all this noise?” … also ich beantworte mal für mich: “Natürlich gar nicht. Ich kann mich in heutigen Zeiten ganz schlecht konzentrieren. Es ist ganz arg schrecklich. Ich bin schlapp von allem. Der politischen Lage, dem Dauerzustand emotionaler Erschöpfung, die scheinbar ein gesellschaftliches Problem dieser Tage ist.
  • A Man of Conviction – Dieses Lied ist so eine Art Demutsbekundung. Pass auf, ich bin jetzt hier, ich hab es gesehen, dass die Situation in der wir uns befinden, auf uns zu kam, aber ich kann halt daran nichts ändern. Damit muss man erst mal klarkommen. Aber Demut auf solch poetisch musikalisch stimmige Art zu hören, ist umwerfend.
  • New Geography – Das Lied ist noch melodiöser als das Stück davor und schlägt noch weiter in diese Demut / Stillstandskerbe rein. Das ist ganz schön (im wahrsten Sinne des Wortes) frustrierend.
  • The Truth – Das Lied befasst sich mit der Wahrheit und der Wahrheitsfindung. Mit der Definition von Wahrheit. “The Truth is ready when you are.” In Wahrheit und Truth lässt die lange Auflistung in dem vom Anfang des Album wiederkehrenden Staccato im Gesang unangenehme und unzufriedene Stimmung wieder aufleben. Man kann eben nicht in Demut und Stagnation leben. Das bringt einen auch nicht weiter. Ich mag den nebenher Basssound, der das Lied bestimmt, sehr.
  • Eyes to the left (feat. Anika) – Dieser Song ist das Resümee des Albums. Die Erkenntnis, man wird mit modernen Medien überwacht, man hat mit eigenen Entscheidungen und sei es Fehlentscheidungen inkompetenten Menschen zu Machtpositionen verholfen. Es ist keine Zeit sich in Gram zu suhlen, denn das ändert nichts. Aber dieser Song, der mit “alarmähnelnden Keyboardsounds” beginnt, wird in der Mitte von der Bass / Gitarrenwand überrumpelt und einem wird die Frage übergebraten, ob man sich mit all den News ernsthaft auseinandergesetzt hat oder nicht. Tue was oder bleib da, wo Du jetzt stehst. Hoffnungslos in einem komischen Machtgefüge, was sich um Wahrheit und Lüge, Selbstüberschätzung, Populismus und Co. sich dreht.

Das Album ist echt harter Tobak, textlich. Es erschließt sich nicht beim ersten Mal. Da ist man von dem Sound überrumpelt und man denkt sich: Oh weia, da hatte aber jemand so richtig schlechte Laune. Vor allem wenn man Artist und Repertoire aus dem Backkatalog kennt (und liebt). Je öfter man das Album hört, findet man immer weniger Kanten. Meine Interpretationen mögen höchstwahrscheinlich viel zu weit gehen, aber das ist mir vollkommen egal. Es sind ja meine Interpretationen. Die Songtexte lassen zu vielen Interpretationen und Deutungen massig Spielraum. Eins ist klar, dass Unzufriedenheit herrscht und dass diese Unzufriedenheit unbedingt vertont werden musste. Ich war sehr glücklich, die Gitarrenwand immer noch hören zu können und ich hätte sehr große Lust dieses Album im Ganzen irgendwann mal nach der Pandemie live zu sehen. Aber The Truth is: “Das kann noch etwas dauern.” Ebenso die Veröffentlichung der analogen Tonträger, denn die können erst Ende September verschickt werden. Die Produktion dessen hat sich dank Pandemie verzögert.

Nichts desto trotz über Bandcamp kann man sich das Album schon digital käuflich erwerben.

Irgendetwas fehlt … ein Lamento über ein fehlendes Familienfest

Es ist Donnerstag. Der Donnerstag vor dem Pfingstwochenende. Mir fehlt was. Okay, mag sein, dass mir auch die vielen anderen Abende seit Ende März fehlen, die mit Konzerten geblockt waren, um Freunde, Musiker, Bekannte, Barkumpels, strahlende Augen, zappelnde Beine, neue Zufallskontakte kennen zu lernen, aber dass dieses kommende Wochenende so ablaufen wird, wie es ablaufen wird, ist schon bitter. Ich freu mich, einerseits, dass das Wave Gotik Treffen abgesagt ist, weil es ein absoluter Super Gau gewesen wäre es in jedweder Form zu Zeiten der Covid 19 Pandemie durch zu führen, aber andererseits vermisse ich die Menschen, die ich tatsächlich, wenn dann nur einmal im Jahr sehe.

Whispers in the Shadow im Felsenkeller, WGT 2009

Meine allerersten Wave Gotik Treffen Besuche habe ich, damals, als es noch ging, mit Tagestickets bestritten. Grund dafür war, dass ich einfach keine Kohle hatte. Bis 2013 habe ich auch immer nur privat bei Freunden und Bekannten übernachtet. Unter anderem in einem Studentenwohnheim in Lößnig, oder auch bei meiner Freundin Ro in der Nähe der Eisenbahnstraße (wohooo) oder bei Muttis Freundin Bärbel in der Nähe des Hauptbahnhofs. Ich habe immer Unterschlupf bekommen, was ich sehr schön fand, aber Geld reichte immer nur für das Ticket und tatsächlich bis zu meinem ersten regelmäßigen Einkommen in Hamburg (ab 2010) für maximal 150 Euro das Wochenende. Ich möchte soviel Armut nicht mehr erleben, aber ich muss sagen, dass ich tatsächlich zu Zeiten, wo ich die größte Zeit allein beim WGT herumströmerte, die meisten Konzerte erlebt habe, die größte Vielfalt an Bands mir antat.

Ich ging zu Kapellen, die lustige Namen trugen, um dann hinterher festzustellen, dass das Zeug gar nicht so meins ist. Ich hatte ja keine Ahnung. Ich war auch kein abgebrühter Clubgänger, testete aber alles aus. When we were young war und ist mein Gewinner. Alles was ich wusste und wo mein Gothhorizont sich bewegte, waren Gothmetalbands, sämtliche Spielarten von schnöden VierviertelGothRockbands, die heutzutage nur noch altbacken und langweilig klingen ( “BossaNova Rhythmus” ) und am Anfang meiner gruftig werdenden Phase hörte ich auch noch eine Menge an Tröteninferno in Kombination mit Paganmetal. Ich hatte noch nicht wirklich gefunden, wo ich mich wohl fühlte. Eins war jedoch klar, dass bis auf weniger Ausnahmen, die Musik handgemacht sein musste. Das die Herren ihrer Schöpfung bevorzugt Baritonlage im Gesang haben mussten. Growlen und Shouten zwischendurch war okay, aber singen, find ich nach wie vor sehr geil. Frauenstimmen fand ich schon immer sehr anstrengend im Goth. Meistens waren und sind es Sopranstimmen, die unausgereift sind und das gepaart mit äußerst klischeebehafteten Texten, geht einfach gar nicht. However. Das Wave Gotik Treffen war für mich anfangs ein riesengroßer Pool an Musik und Kunst, die ich uneingeschränkt entdecken durfte und wo mir keiner blöd kam.

Beauty of Gemina @ Parkbühne, WGT 2011

Ich bin einer dieser Goten, die sich nicht schminkt, weil ich es einfach nicht kann und deswegen auch nicht mag. Das höchste aller Gefühle ist vielleicht ein schwarzer Kajal, den ich falsch benutze und was schief aussieht, aufgrund meiner bezaubernden schrägen Optik. Ich bin auch keine Fashion Ikone und dadurch bin ich vielleicht sogar mehr Goth, als all die Leute, die für teuer Geld Sachen kaufen, die nicht lange halten. Ich habe irgendwann angefangen nur noch schwarze Sackos, weiße Blusen und schwarze Hosen mit Lederhalbschuhen zu tragen, weil ich in anderen Klamotten einfach nicht passte. Versucht mal ein Kleidchen von der Stange zu finden, was so geschnitten ist, dass es Frauen ohne Oberweite tragen können. Ich erinnere mich, dass ich zudem 2009 / 2010 das sportliche Gewicht von 42kg zeitweise hatte. Verteilt auf 1,70m. Es gab nichts für mich, wo ich gut darinnen aussah. Ich musste immer improvisieren und tat dies so gut ich konnte mit meinen eigenen Mitteln. Zwiebellook for the world.

Für mich war das WGT nie ein Schaulaufen. Bei mir gab es und gibt es nichts zum Schaulaufen. Erst mit Mr T habe ich schickere Sachen im Schrank und auf der Stange hängen. Er hat einfach zu großen Spaß daran mir Sachen zu nähen und meinen traurigen Kleiderschrank aufzurüsten. Wobei ich da mittlerweile auch meinen Stil gefunden habe. Ohne dem Gehrock geh ich nicht mehr vor die Tür. Sollte ich einen Rock tragen, was durchaus passiert, trage ich immer Strumpfhosen (mit Motiv), die über bunte Leggings gezogen sind. dazu schwarze Lederschuhe (bis diese auseinander fallen).

I LIKE TRAINS @ Altes Landratsamt, WGT 2o13

Bands, die mich nachhaltig geprägt und die ich auf dem WGT kennen lernen durfte, waren I LIKE TRAINS, mit den Jungs aus Yorkshire wurde ich warm mit jedweder Form von Postrock. Ab und an entwickele ich jetzt auch Postpostrockdepressionen, wenn ich lange keinen Postrock mehr live erlebt habe. Den Zugang zu Postpunk und Batcave und Deathrock habe ich auch nur dank des WGTs bekommen. Ohne diesem Wochenende wäre mir die Musik nie zugänglich geworden. In den Tiefen von Ostsachsen war ich froh, wenn ich die Gassenhauer kennenlernen durfte und ab und an die üblichen Musikpostillen im Laden erhaschen konnte, die ich alle nicht mehr lese.

Peter Murphy 2009 @Agra Halle, WGT 2009

Ich vermisse die Freunde von Übersee und die Freunde auf der anderen Seite des Kanals, die ich teils vor der Beziehung mit Mr T kannte und mit Mr T, noch um Weiten festigte. Ich vermisse es ungemein, gute Gespräche zu haben. Unvergesslich ist die harte Ansprache von Shaz am Donnerstag Abend 2017 an der Hotelbar, dass ich mir einen anderen Job suchen sollte und einen anderen Arzt und, dass sie im kommenden Jahr mich nicht mehr in dem Zustand so erleben mag. Ich tat mein Bestes. Einen Monat später hatte ich gekündigt und einen neuen Arzt und im Jahr darauf ging es mir zwar auch doof, aber anders doof. Ich vermisse den Input nach dem Motto “Woanders ist auch Scheiße”. Es relativiert sich alles, wenn man zum WGT seine Freunde trifft und es sind mittlerweile sehr viele. Ich habe ab 2013 eingeführt, dass ich beispielsweise nur noch Menschen bei Facebook adde, mit denen ich mindestens ein Getränk geteilt habe oder ich sie mindestens einmal umarmt habe und oder analog gesprochen habe. Ich habe sonst keine Erinnerungen mehr an die Herren und Damen der Schöpfung und ich möchte das nur reale mir freundlich zugewandte Menschen mit mir im Kontakt sind. Ich bin da eigen. Die meisten der neuen Freunde sind tatsächlich stets nach dem WGT dazugekommen. Jedes Jahr aufs Neue.

Ich vermisse Euch. Ich vermisse zwar auch die Livemusik, aber am meisten vermisse ich die Menschen, die dahinter und davor stehen. Ich kann es kaum erwarten, dass es bald wieder weiter geht. Voraussetzung dafür ist, dass sich alle (ich wiederhole ALLE – auch Aluhutträger und Verschwörungstheoretiker) an die Hygiene- und Abstandsregeln halten, dass Covid 19 in Schach gehalten wird bis ein Impfstoff da ist und man sich dann auch gefälligst impfen lässt.

Als Alternative zum Nicht stattfindenden WGT gibt es an diesem Wochenende so einiges, was dem WGT Besucher musikalisch tangieren könnte:

  • DarkStreamFestival Streamlink & Infoseite vom 28. Mai bis 1. Juni ab 17 Uhr
  • Isolation #11 DJ Abend mit DJ Cyberpagan a.k.a. Oliver Krapp link am 28. Mai ab 20 Uhr
  • Online Musik Festival Infoseite vom 29. Mai bis 1. Juni
  • Igor Levit spielt Eric Satie “Vexations” 20h Stream Info am 30. Mai 8 Uhr morgens
  • Stay At Home – Virtual Metal Fest Info vom 29. – 30. Mai

Wer noch mehr Alternativen hat, kann sie mir gern in den Kommentaren weiterleiten und ich werde dies hier noch einfügen.

Bis dahin #StayAtHome und clever geklaut von Oliver Krapp #HomeDancingIsKillingCovid19

P.S.: Und falls es noch mal einer wirklich wissen will. Das WGT ist für den Goten genauso eine Emokiste wie für den Metaller das W:O:A … ich trauere jetzt schon mit den ganzen internationalen Metalfreaks symbolisch mit, die darauf in diesem Jahr verzichten müssen.

IV. Glowing Ember Festival im Logo, Hamburg

Was macht man in solch aufgeregten Zeiten wie jetzt? Frau geht zu einem gepflegten Metalabend ins Logo und schaut sich 5 Kapellen an, die man vorher noch nie auf dem Zettel hatte. (Es wird auch vermutlich das vorerst letzte Festival für ne Weile für mich sein.) Das war zumindest der Plan von Mr T und mir gewesen. Die ursprüngliche Idee war anders für den Abend, aber die wäre mit Bands gewesen, die kein echtes Schlagzeug gehabt hätten und eigentlich wollten wir auch zum Konzert hin- und zurück laufen, was wir dann auch taten.

Das Glowing Ember Festival hatte 5 Bands auf der Bill, wobei “For reasons unknown” nicht auftraten, aufgrund von Krankheit.

CHAINREACTION

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In der Blurb der Facebookseite von Chain Reaction steht “Melodic Thrash Metal” … Ich habe keine Ahnung von den ganzen Untergenres im Metal. Ich weiß nur eins, dass ich Metal vor allem von Zeit zu Zeit mag, weil es nach vorn drückt, Bass und Schlagzeug großartig im besten Falle harmonieren. Doch da war schon das Problem beim Set der Jungs aus Hamburg. Der Schlagzeuger war an dem Abend krank und die Schlagzeugtracks waren von Band (also Halbplayback) gespielt. Dies tat aber der Performance wenig Abbruch. Auf der Bühne stand eine Band, wenn auch unvollständig. Meine Kurznotiz auf dem Handy sagte:

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“Sänger ohne Puste / ohne Schlagzeug / Bass geil / Gitarre gut”

Mit dem Sänger sprach ich nach dem Set und sprach noch mal über die Stimme. Er meinte, dass er noch genug Stimme gehabt hätte, aber die Mischung aus shouten, growlen, schreien und singen, tat meinen Stimmbändern stellvertretend ganz schön weh. Der Sänger versprach, an seiner Stimme weiter zu arbeiten. Das freut mich, denn in der Band steckt Potential. Sie waren sehr unterhaltsam. Die Songauswahl war stimmig. Und aus der Notsituation ohne Schlagzeuger auf der Bühne haben sie echt das Beste gemacht.

GUN CALLED BRITNEY

IMG_8483Die zweite Band war eine Zusammenwürflung von Musikern, die scheinbar alle einzeln auf der Bühne agierten. Wie sie selbst sagten, gab es sie seit einem Jahr. Sie wirkten allesamt sehr überambitioniert und irgendwie diesen Hardrock / Glammy touch Rock fand ich schon immer schrecklich. Ich mochte weder die Performance, noch die zu leicht entflammbaren Maiden, die vor der Bühne ganz extatisch schlechte Fotos machten … während des gesamten Sets der Band. Ich sag mal so, ein bisschen weniger Attitüde und ein bisschen mehr miteinander musizieren auf der Bühne als einzeln das Ding runterschrubben mit allen Clichés, die man bedienen kann, hätte dem Ganzen gut getan. Für die, die auf so etwas stehen, hätte da was für die Zukunft zum Gucken gewesen sein können. Für mich war es sicher das letzte Mal.

[SOON]

IMG_8578Soon standen schon seit Ewigkeiten auf dem Zettel von mir und endlich hatte ich die Gelegenheit die Jungs zu sehen. Ich wurde nicht enttäuscht. Mr T meinte, dass er die Performance der drei Herren betont lässig fand. Ja, drei Herren, die ordentlich Lärm mit Gitarre, Schlagzeug und Gesang machten. IMG_8606Mr T war so entzückt, dass er zweimal alles am Merch kaufte. Es gab einen schönen Rundumschlag aus 5 Alben mit betonter Aufmerksamkeit zum neuen Output “better days”, welches sehr schön ist. Ich mochte den entspannten Schlagzeuger. Ich mag es, Schlagzeugern beim Arbeiten zuzuschauen und bin immer einerseits fasziniert und andererseits neidvollen Blickes, wenn es so mühelos aussieht, was da hinter der Schießbude passiert. Hier war das genauso. Chapeaux und gerne mehr davon. Irgendwann an irgendeinem Ort dieser Welt. Bei den drei Jungs habe ich auch das Gefühl gehabt, dass sie eine Gang auf der Bühne sind. Das war nichts zusammen gewürfeltes. Sie wollen einfach nur Spielen. Die Stimme hielt fantastisch und der Sound im Logo stimmte.

EVE OF ALANA

IMG_8628Diese Band bestehend aus drei Musikern, wovon die Lady am Schlagzeug sitzt, hat mich umgehauen. Das präzise Schlagwerk der Dame hat mich gefesselt. In meinen Handynotizen habe ich vermerkt, dass die Band sehr oft Linkin Park gehört hat, aber dass sie deutlich härter klingen, was dem ganzen Genre gut tut. Auf deren Facebookseite stehen andere Einflüsse wie Deftones beispielsweise, aber das macht auch Sinn. Auf Dauer ist die Musik jedoch nichts für mich, ich mag es mehr dunkler, langsamer, doomiger, blackmetallischer, aber für einen Abend ist das toll. Das Lichtkonzept und die Kompaktheit der Songs waren überzeugend. Ich fand es auch großartig, dass sie eine Zugabe spielten, die die Schlagzeugerin aufgrund von “Unsicherheit” nicht spielen wollte. Eine Unsicherheit war nicht zu hören. Gar nicht. Aber eine Frage hätte ich noch: Warum hat der Bassist sich so verkleidet / geschminkt? Ich hätte das die Band nach der Show fragen sollen, habe dies aber verpasst. Mmmh, vielleicht beim nächsten Mal, denn das schrie irgendwie nach Wiederholung.

Was kann ich sonst noch sagen … auch wenn es in jetzigen Zeiten dank Sars-cov2 Pandemie (WHO hat Pandemie gesagt) es nicht empfehlenswert mehr ist auf Konzerte zu gehen, aber habt ein Auge und Ohr offen für lokale Bands und Künstler. Unterstützt sie, so weit ihr könnt. Allein durch das Kaufen von Kunst, Musik, Büchern und Weitersagen und Empfehlen werden Künstler unterstützt.

Weitere Infos zu den gesehenen Künstlern:

 

 

 

Lamento … [warum ich nichts lese… oder “Doom & Gloom” ]

Zum Lesen braucht man Augenlicht und am besten welches, mit dem man fokussiert Buchstaben lesen kann. Ich kann das zeitweise, aber nicht über lange Strecken am Tag. Warum, weshalb, das weiß ich leider nicht. Ich habe seit meinem letzten Posting hier auf dem Blog nur zwei Bücher beendet zu lesen.

Das waren

Buch Nr 17: “Über den Feldern” Hrsg. Horst Lauinger (erschienen im Manesse Verlag)  – die Anthologie mit Kurzprosa über den ersten Weltkrieg von Literaten der ganzen Welt. Dies ist ein unfassbar gutes Buch. Es zeigt die Brutalität, Traurigkeit, Hoffnung, Überlebenswille, Liebe in Zeiten des Krieges. Es werden so viele Facetten des Krieges aufgezeigt, dass es einem beim Lesen teils recht schwindlich wird und die Tränen kommen manchmal echt ungeplant.

Buch Nr. 18: “Telex aus Kuba” von Rachel Kushner … endlich habe ich dieses Buch gelesen. Irgendwie schon fast ein moderner Klassiker, der sich um die kubanische Revolution um die Machtergreifung von Fidel Castro und Absetzung von Batista sich dreht. Das faszinierende an dem Buch sind die vielen Blickwinkel der Charaktere. Alle Seiten der Geschichte wurden beleuchtet und zugegeben … die amerikanischen Zuckerrohrplantagenbesitzer kommen dabei nicht gut weg. Ich habe nur mit dem Buch kämpfen müssen, da die Schrift echt arg klein (aktuell) für mich ist und ich wie oben schon geschrieben, mich nur sehr kurzzeitig auf Schrift konzentrieren kann.

Neu hinzu gekommen in meinen Bücherschrank sind

Neu Nr 12: Lyonel Feininger “The Kinder Kids” (geschenkt bekommen)
Neu Nr 13: Richard Flanagan “Tod auf dem Fluss” (ausgeliehen)
Neu Nr 14: Jin Yong “Legends of the Condor Heroes 1 – A hero born” (geschenkt bekommen)
Neu Nr 15: Jade Will (Hrsg) “New Baltic Poetry”
Neu Nr 16: Miguel Torga “Weinlese”
Neu Nr 17: Anton Tammsaare “The Misadventures of the new satan”
Neu Nr 18: Doris Kareva “Shape of time”
Neu Nr 19: Kai Aareleid “Burning Cities”

Was ich davon als erstes lesen sollte, könnt ihr mir gern in den Kommentaren schreiben. Ich glaub aber tendenziell, dass ich erstmal die Lyrikbände mir vornehme. Da kann ich eher mal beim Lesen Pausen einlegen. Als Roman lese ich derzeit aber noch weiter Sandemose “Ein Flüchtling kreuzt seine Spur” und bevor ich diesen Roman nicht ausgelesen habe, werde ich auch nichts Neues in epischer Länge starten. Das schaffe ich gerade nicht. Leider.

Musikalisch hatte ich auch zwischenzeitlich wieder Sachen live gesehen. Die habe ich dann auch wirklich gesehen (wenn auch verschwommen). Aber Musik im Blur ist manchmal ganz schön (in der ersten Reihe). Übrigens Bühnennebel hilft dabei nicht wirklich das Seherlebnis zu verbessern.

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Am 24. Januar sah ich auf der MS Stubnitz hier in Hamburg WISBORG im Vorprogramm von Eden weint im Grab. WISBORG waren zauberhaft, da sie jetzt mit nem echten (und vor allem guten) Schlagzeuger auf der Bühne stehen. Das macht die Songs authentischer, dynamischer und das gesamte Gefüge auf der Bühne ist wie ein steiler Rohdiamant, der noch schöner werden mag. Bitte aber nicht blank poliert. Es soll ruhig grantig, rauh, und kantig bleiben. Sehr schön fand ich, dass bei diesem Konzert tatsächlich mal das Equipment ganz blieb.

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Am 8. Februar gab es im Hafenklang A PROJECTION / WIRES & LIGHTS / ON THE FLOOR live zu erleben. Dieses Paket war sehr gelungen, wobei ich doch ganz stark bei On the Floor das Liveschlagwerk vermisste. Das Hafenklang wurde zu einem recht warmen Fleckchen Erde. Ich habe zeitweise nach Luft gesucht (und nur vor der Tür des Clubs gefunden). Dies hat aber dem Konzert keinen Abbruch getan. Es war richtig gut. Wires & Lights haben durchaus Livequalitäten. Hätte ich die Band zuerst live gesehen, dann hätte ich deren Konserve auch gekauft, aber ich kannte das Studiowerk bereits davor und fand es etwas lang und weilig. Live waren die Jungs super. A Projection sind immer wieder ein Augen- und Ohrenschmaus. Sehr putzig find ich den “exaltierten” Tanzstil des Sängers. Das hat was.

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Alcest beglückte ganz Hamburg (zumindest den ganzen Grünspan) am 11. Februar) zusammen mit Kaelan Mikla und Birds in Row. Ganz ehrlich, von mir aus hätten Neige und Kumpanen noch länger spielen können. Die Musik hat mich über den darauf folgenden Mittwoch getragen (am Donnerstag “fiel” ich dann am freien Arbeitstag körperlich zusammen). Alcest haben ihr neuestes Werk Spiritual Instinct live vorgestellt und dazwischen den ein oder anderen Hit hineingestreut. Ich fand das Publikum auch sehr interessant. Es waren keine Ausfälle dabei, aber so bunt (in schwarz) gemischt habe ich es selten bisher so friedlich erlebt. Kaelan Mikla sind 3 isländische Ladies, die sehr interessante Musik auf die Bühne stellen, aber für mich ist es auf Dauer echt anstrengend gewesen. Birds in Row werde ich nur in Erinnerung behalten als undefinierbaren Lärm, sorry, das ging gar nicht.

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Am 20. Februar bin ich zusammen mit Mr T nach Tallinn geflogen, um die 20th year anniversary show von Swallow the sun zu sehen. An einem Abend zwei Shows. Dabei wurde mit Kammerorchester das 2. Album der Songs of the North komplett gespielt und im zweiten Teil des Abends wurde es laut und schwer mit den most favourites der vergangenen 20 Jahre. Ich war und bin immer noch hin und weg von diesem Abend und ich freu mich schon jetzt auf die heute in Helsinki aufgenommene Show auf DVD. (Zumindest erzählte mir Juha nach dem Konzert, dass das Konzert im Tavastia mit 10 Kameras aufgenommen wird). Seufz.

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Alles in allem kann ich sagen, auch wenn ich wenig bis gar nicht gelesen habe, so waren die letzten Wochen keinesfalls ereignisarm. Ich schaue etwas verschwommen in die Zukunft und btw lass mich von diversen Virusinfektionen, die sich etwas epidemiös verbreiten nicht aus dem Konzept bringen. Panik ist hier nicht angebracht, denn ich kann mir dies nicht leisten. Ich bin immer Risikogruppe für alle Infektionen. Die erfolgreichsten und gesundesten dabei sind die der Literatur und der Musik mit Leidenschaft.

 

Montagsauslese 3/2020

In der letzten Woche habe ich definitiv mehr gelesen als in der Woche zuvor. Aber musikalisch war es trotz alledem für mich gewesen.

83105023_3266430236700566_601252772414750720_oIch war beim Konzert von THE FOREIGN RESORT im Goldenen Salon am Donnerstag. Das war großer Spaß. Es war mein Geburtstagsgeschenk von Freunden gewesen und es hat sich wirklich richtig gelohnt.  Ich freu mich jetzt schon auf das “Dark Skies over Witten” im März, bei denen ich die dänischen Jungs wieder sehen kann. Dieses Mal dann mit meiner besten Kumpeline Lyd.

Was ein Konzert von The Foreign Resort stets ausmacht?! Diese Jungs haben Bock auf der Bühne zu stehen. Sie machen Späße. Ihre Musik langweilt nicht. Zu keiner Sekunde UND ja, es ist halt feinster reudiges Gitarrengeschrammel mit wundervollem echten Schlagwerk.

Am Samstag war ich mit Mr T in der Staatsoper und habe eine Aufführung des Hamburg Balletts gesehen. Es standen die “Bernstein Dances” auf dem Plan.

Eine Hommage auf den Musiker Leonard Bernstein. Mit seiner Musik und eben Tanz. Es war ein sehr schöner bunter Abend. Und ich kam zur Erkenntnis, dass ich vielleicht doch noch mal irgendwann mir Candide komplett anschauen sollte. Und West Side Story ist sowieso toll. Ich fand die beiden Sänger großartig und der Fakt, dass Marc Bouchkov an der Violine war und Sascha Trusch tanzte, war noch viel besser.

Gelesen in der letzten Woche: Da war Musik drin. DIe Bücher steckten voll Poesie und in einer Menge der Bücher wurde sich mit dem Tod beschäftigt.

Nr 11: RICARDO S. AMORIM “Wolves who were men”: Dies ist die Moonspell Biografie. Sie ist unfassbar emotional und bewegend geschrieben. Irgendwie leidet man als Leser ganz schön mit den Musikern und den “Auf und Abs” in der Bandgeschichte mit. Einerseits kann es einem schon das Herz zerreißen, andererseits muss man lachen. Das schöne an der Bandbiografie ist, dass man dieses Buch auch lesen kann, ohne Fan der Band zu sein oder Spezialist im Metalgebiet zu sein. Denn es geht hier vor allem sehr um Menschliche Dinge. Und komische Dinge im Musikbusiness gibt es in jedem “Genre”. Ich kann das Buch nur empfehlen.

Nr 12: CRAIG DYER “The Devil in me & in all the rest”: Craig Dyer ist Sänger der Band “The Underground Youth”. Dieses Buch ist ein Band mit Poetry und Lyrics. Ich habe sie gemocht, aber das, was ich an Poesie immer sehr mag bzw. mir wünsche, ist die Melodie der Worte oder richtige Emotionalität, die mich bewegt. Dies hat mit den meisten der Stücke nicht funktioniert. Ich weiß nicht warum dies so war. Dies wird aber die Liebe zur Musik von The Underground Youth nicht schmälern.

IMG_8134Nr 13: AL BERTO “Salsugem – Salz” & Nr 14: AL BERTO “Garten der Flammen”: Die zwei Bände sind gefüllt mit Gedichten von Al Berto (1948 – 1997), einem portugiesischem Autoren, Vertreter des Surrealismus. Die Gedichte befassen sich sehr mit seinen Gefühlen, dem Tod, der Liebe. Mit Salz konnte ich anfangs nicht so viel anfangen. Ich war noch etwas von dem Übersetzungsstil (mit Kleinschreibung auf Deutsch) überfordert. “Garten der Flammen” dagegen, der Gedichtband, den Al Berto kurz vor seinem Tod geschrieben hat, hat mich schwer bewegt und mitgenommen. Die Zeilen sind sehr morbide, melancholisch, auf das Leben zurück schauend.

Nr 15: SUE BLACK “All that remains”: An diesem Buch habe ich mächtig geknabbert … und vor allem lange geknabbert. Es sind die Aufzeichnungen der Forensikerin Dame Sue Black. In dem Buch geht es sehr viel um Tod, in jeder Form, die man sich vorstellen kann. Es geht um den Umgang mit den Toten. Es geht um die Arbeit als Forensikerin im Kriegsgebiet (Kosovo). Es ist ein rundum menschliches Buch, denn der Tod gehört zum Leben dazu. Ich bin sehr froh, das Buch gelesen zu haben.

Nr 16: OLIVER SACKS “Alles an seinem Platz”: Dies ist das vermutlich letzte Buch, was im Namen von Oliver Sacks veröffentlicht wurde. Oliver Sacks ist 2015 verstorben und mit ihm ist ein sympathischer Neurologe gegangen. Sacks ist für seine Fallgeschichten berühmt geworden. In “Alles an seinem Platz” sind neben letzten Fallgeschichten auch Essays zu anderen Themen platziert. Sie sind allesamt sehr klug und gefüllt mit gefährlichem Halbwissen. Die Leseliste für mich wurde sehr viel länger nach dieser Lektüre. Ich habe das Buch letzte Woche gekauft, weil ich an keinem Oliver Sacks ungesehen vorbei laufen kann. Ich bin ein Sacksjünger.

Gekauft oder geschenkt bekommen habe ich:
Neu Nr 10: AKSEL SANDEMOSE “Ein Flüchtling kreuzt seine Spur” (mein letztes Geburtstagsgeschenk). Das Buch wollte ich schon letztes Jahr selbst kaufen und habe es dann irgendwie aus dem Blickfeld verloren. Um so glücklicher bin ich, dieses Buch jetzt geschenkt bekommen zu haben.

Neu Nr 11: OLIVER SACKS “Alles an seinem Platz”

Montagsauslese 2/2020

Die letzte Woche war musiklastiger als die Vorige. Ich habe viel Metal gelauscht … zum Einen die Rereleases von Moonspell mit Anno Satanae und Sin Pecado. Zum Anderen die neue Sylvaine EP, die neue Then Comes Silence Single + I AM THE SHADOW Single, der Rotting Christ Backkatalog, den ich über Season of Mist bekommen konnte UND dann noch die zwei Erstlinge von Esben & the Witch, die mir noch fehlten. Und dann kam noch das Carepaket aus Jersey an von October Burns Black. Es ist alles großartige Musik und ich liebe alle erwähnten Bands und Künstler.

Highlight, aber definitiv war das Lauschen von Krysztof Urbanskis Einspielung der Schostakowitsch Sinfonie Nr 5 gewesen. Bei dieser Musik geht mir das Herz auf. Das ist Drama pur. Das ist – keine Ahnung – Symphonic Metal. Für mich ist es die perfekte Musik zur Entspannung, weil ich mich so sehr beim Lauschen auf alle Ebenen der Musik konzentrieren muss, dass ich Alltag, Arbeit, Schmerzen vergessen kann.

Gelesen habe ich auch ein paar Bücher:

Buch Nr 9: MICHEL FABER “Hundertneunundneunzig Stufen”Ich habe das Buch anno dazumal … ich glaub 2014 im Herbst in Whitby in der englischen Variante gekauft und angefangen zu lesen, aber es hatte mich damals gar nicht so richtig gepackt. Jetzt auf Deutsch flutschte es.
Ja, es hat Züge von moderner Schauerliteratur, aber andererseits auch wieder nicht.
Wir begegnen einer Archäologin, die Albträume seit ihrem Unfall in Bosnien hat (wo sie ihren damaligen Freund – einem Journalisten begleitete … zu Kriegszeiten, sie verlor in einem Unfall ein Bein und er wurde von Heckenschützen umgebracht …. irgendwie ist mir der Plotfakt zu platt – egal). In Whitby werden die Albträume aber anders als sie vorher waren. Um zu ihrer Arbeit zu kommen, der Grabungsstätte bei der Abbey St. Hilda, muss sie die 199 Stufen zum Berg hinauf und da lernt sie Magnus mit seinem Hund kennen. Magnus ist nur kurz in Whitby, er kümmert sich um den Nachlass seines Vaters und seine Abschlussarbeit für die Uni. Im Nachlass findet er eine Flasche mit einer Papierrolle … datiert auf 1788. Sian, so der Name der Protagonistin, hilft Magnus dies zu entschlüsseln… Es geht um Glauben, Umgang mit Toten/Gestorbenen, Trauer, Friedhofskultur, Respekt und Urängsten. Das Buch tat nicht weh, aber da ich in Whitby nicht nur einmal war, war es schon recht witzig gedanklich da langzulaufen UND NEIN, das indische Restaurant am Bahnhof ist nicht toll. Es ist gruselig. Schlechter Service und es gibt Mangolassi mit Eiswürfeln drin. Unter anderem.

Buch Nr 10: ANIKA DECKER “Wir von der anderen Seite” – Ich musste dieses Buch abbrechen. So leid es mir tat. Es war ein Geburtstagsgeschenk, aber meine Schwester hat gesagt, sie möchte nicht. dass sich meine Nägel aufrollen!
Der Humor ist gar nicht meiner und überhaupt … ich mag keine Krankenhaus / jemand wird gesund gepflegt (in dem Fall die Protagonistin) Story. Ich habe Feierabend.

Nich beendet, aber fleißig am Lesen ist immer noch mein Kurzgeschichtenband “Über den Feldern” mit Geschichten über den 1. Weltkrieg. Dazu gleich die Frage: Sollte ich mir 1917 im Kino anschauen? Ich bin ja kein Kinogänger. Außerdem lese ich ganz beherzt in der Biografie über Moonspell.

Es kommen in der kommenden Woche noch mehr neue Bücher hinzu und ich werde endlich wieder Live Musik mir anschauen. Am Donnerstag freu ich mich auf das THE FOREIGN RESORT Konzert (mit dem Support Golden Apes) und am Samstag gehe ich mit Mr T in die Staatsoper für das Hamburg Ballett und den “Bernstein Dances”. Wir beide haben schon so lange kein Ballett mehr gesehen. Also habe ich es Mr T zu Weihnachten geschenkt. Ich freue mich richtig darauf.

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Gekauft bzw. frisch in meiner Bibliothek habe ich:
Neu 5: MICHEL FABER “Hundertneunundneunzig Stufen” (für 1 Euro im modernen Antiquariat)
Neu 6: CRAIG DYER “The Devil in me & in all the rest” (für 10 Euro direkt bei The Underground Youth gekauft)
Neu 7: AL BERTO “Salz” Lyrik
Neu 8: AL BERTO  “Garten der Flammen” Lyrik
Neu 9: AL BERTO “Mondwechsel” Bertos einziger veröffentlichter Roman.
Nebenher erfuhr ich, dass Portugal in diesem Jahr Schwerpunktthema auf der Leipziger Buchmesse ist und ich wundere mich noch, warum so viele Portugiesen plötzlich übersetzt auf dem Deutschen Buchmarkt zu finden sind. Wenn Dein eigenes Interesse Dich mit einem Trend überholt.

 

Ein Blick zurück … musikalisch [2019]

MEIST ROTIERTE ALBEN 2019

1 SWALLOW THE SUN “When a shadow is forced into the light”
Dieses Album hat mir nicht nur die Schuhe ausgezogen und mich instantly zum Heulen gebracht. Nein, dieses Album beschäftigt mich nach wie vor mit jedem neuen Hören wieder und wieder. So etwas Vielschichtiges und Vollkommenes in einem Guss habe ich tatsächlich seit Jahren nicht mehr gehört. Auch live überzeugt mich das neue Werk meiner Lieblingsfinnen sehr. Doomiger, erdig, luftig, fluffig, melodisch und getragener geht nicht mehr in Vollendung. Manche mögen sagen, dass das Mädchenmusik ist, aber das ist mir egal. Ich habe bei Konzerten sehr viele Männer gesehen, die beim Hören und Performen der Musik sehr emotional wurden. Selbst das Mitschleppen der Altpunkfreunde aus UK damals in Hamburg war imposant. Zitat: “Growling ist zwar nicht so unser Ding, abr das passt. Ich müsste eigentlich auch Swallow the Sun zu den Konzerthighlights mit auflisten, ABER es gab so viele Highlights. Das Highlight 2020 wird eh Swallow the Sun sein, deswegen spare ich mir die Erwähnung der drei besuchten STS Konzerte (Hamburg, Flensburg und Hannover), die alle großes Kino waren und die mich zum Weinen brachten. So schön waren die. ” Lieblingslied des Albums “Stone Wings”

2 SOMETIME THE WOLF. “From here and earth”
Diese Briten habe ich 2018 beim Goth City Festival in Leeds live gesehen und habe damals umgehend die EP Forsaken gekauft. Die Liveperformance hatte mich damals umgehauen. Sometime the Wolf. klingen wie die Abgesandten aus den 80ern, nur mit einer Portion Frische. Wer auf altgediegenen Gotenrock steht, der mit einer Prise Patros gut klar kommt, ist hier bestens bedient. Großartig produziert. Voller Hymnen. Genau das Richtige für mich, die es gern etwas fetter, breitgetretener und epischer mag, als überhaupt erlaubt sei. Lieblingslied des Albums “Ashes”

3. ALCEST “Spiritual Instinct”
Die Lieblingsfranzosen sind wieder härter geworden. Sehr zu meiner Freude. Es geht nichts über blackmetallische gazige Melodeien, die Neige mit engelsgleichem Blick und teils klar, teils schreiend growlender Stimme uns dahin schmettert. Das kann ich vollkommen gut haben. Kodama war sehr catchy gewesen, aber ich liebe es auch durchaus beim Hören von Musikwerken mehr gefordert zu werden. Dies wird mit Spiritual Instinct erfüllt. Lieblingslied des Albums “L’île des morts”

4. AEONIAN SORROW “Into The Eternity A Moment We Are”
Diese Band war der überzeugendste Support in diesem Jahr bei einem Konzert gewesen. Doom-Goth-Metal, der primstens mit einer Lady an den Vocals ist, die singt wie eine Göttin und nicht dieses obernervige hochfrequentige Zeugs, was keiner mehr hören mag. Die Lady singt in Alt und Aeonian Sorrow haben die Gelassenheit und die Fähigkeit die Langsamkeit im Metal zur Vollendung zu zelebrieren. Dazu die düsteren Growls … das ist soooo schön. Dazu sind sie allesamt super sympathische Menschen. P.S.: Das Album ist 2018 schon rausgekommen, aber da ich die Band erst 2019 kennenlernte und die meisten Songs auf dem Set vom aktuellsten Album kamen, zählt dies als ein 2019 Album. Song des Albums: “Thanatos Kyrie”

5. THE FOREIGN RESORT “Outnumbered”
Diese Dänen machen mächtig Spaß. Nüchtern betrachtet, ebenso wie angetüdert. Dies postpunkgothrockige Dreiergespann drückt mächtig nach vorn und ist live eine Wucht. Es klingt manchmal echt reudig, aber auf ganz harmonische Weise. Mikkels Gesang muss man mögen, aber das “Leiden” in der Stimme passt wie Faust aufs Auge bei den Songs. Anspieltipp: “Outnumbered”


DIE IMPOSANTESTEN KONZERTE 2019

1 MOONSPELL in Viana do Castelo
Ja, irgendwie Wiederholungstäterin. Dieser Besuch in Portugal war aufgrund schwerster Sehnsucht nach Portugal und Moonspell und NU:N (die wir zum Gelage ein Tag vor dem Konzert trafen) indiziert. Das Konzert fand im am  6. Juli 2019 in der Mehrzweckhalle in Viana do Castelo statt. Die Tickets hatten wir am Vorverkaufsstarttag online gekauft. Praktischerweise war die Seite nur in Portugiesisch lesbar. Aber irgendwie hat alles funktioniert. Praktischerweise haben wir auch das Hotel in Laufweite gebucht. Das Konzert war sehr putzig. Einlass war um 21:30 Uhr. Es spielten nur Moonspell auf. Es gab kein Bier in der Halle. IMG_5067

Aber ich hatte damit weniger Probleme als Mr T. Das Konzertpublikum war einerseits deutlich jünger als im Rest Europa und andererseits hatte es starken Anflug von Familienhappening. Wenn man sagt, dass der Prophet im eigenen Lande nichts taugt, aber in Viana do Castelo hat das schon funktioniert und das Set war ein 1755 + Gassenhauer Set. Ich mag die Portugalkonzerte von Moonspell sehr. Ich habe immer das Gefühl, dass die Jungs “zu Hause” anders auf der Bühne stehen. Ich mag diese sehr entspannten Leute im Publikum. Ich kann mich zwar wahrscheinlich nie an späte Einlasszeiten gewöhnen, aber nun ja, da muss man durch. Für Moonspell mach ich fast alles … Ganz nebenbei die Herbst/Winter Headliner Tour der Jungs war episch.

2 THEN COMES SILENCE & TRUE MOON in Hamburg (August 2019)
Then Comes Silence und True Moon spielten bereits einen Tag vor dem Konzert im Molotow auf einer privaten Party in Hamburg, die sensationell war, aber der Abend im Molotow war großartig. IMG_5475Zum Einen kannte ich dann schon True Moon und zum Anderen hatte ich aufgrund der Privatparty schon die passende V Null für den Abend. Die Stimmung war bestens. Die Besucher tiefenentspannt (weil sie alle auf das Mera Luna verzichteten, was an diesem Wochenende stattfand) und die Bands waren eingespielt. Der Sound im Molotow war sensationell. Das Portemonnaie saß locker, sodass TRUE MOON nicht viel Merch zurück nach Schweden wieder einpacken mussten. Besonders schön fand ich das Duett “Ritual” mit Alex und Karolina. Ebenso bemerkenswert war das TCS Konzert in Hannover am 29.11. zusammen mit The Foreign Resort und di: unru.

62442616_2818832374793690_7330648239487582208_o3 OCTOBER BURNS BLACK – WGT in Leipzig
Dieses Konzert hat sich durch technische Höchstschwierigkeiten in kuscheliger Atmosphäre mit Stuntgitarristen (altem Freund) ausgezeichnet. Es war ein Riesenhallo von jeder Seite im Täubchenthal und auch schon zuvor, denn Mr T und ich hatten sich bereit erklärt die Lady vom Stuntgitarristen unfallfrei zum Hotel zu eskortieren, vor dem Konzert und wir trafen uns allesamt noch am Hotel. Man versuchte einzuordnen warum diese Menschen uns kennen und inwiefern wie lange wir im inner circle vom Gitarristen und auch Schlagzeuger und auch anderen Bands, die ebenso im Hotel waren herumkreuchten. Es war wirklich sehr putzig, diese Situation. October Burns Black überzeugten auf voller Spur, auch ohne Monitorsound. Ich war auch sehr sehr glücklich dem Schlagzeuger des Vertrauens die obligatorischen Schoka-Kola Packungen zu überreichen. Weil ja alle wissen: “No Schoka Kola – no show”. Das WGT an sich war nach dem Konzert weniger konzertlastig, da wir kaum Bands sahen, sondern zu einem echten Socializing Hardcoretrip ausartete bei interessanten Außentemperaturen. Bemerkenswert und wunderschön noch zu erwähnen wären die Liveperformances von Human Tetris und The Foreign Resort am letzten Abend.

4 LA CENERENTOLA – im Alleetheater Hamburg
Ich muss diese Operninszenierung erwähnen, weil sie das beste gegen den Strich gebürstetste Opernerlebnis des Jahres war. Inklusive Mr Ts Bühnendebut. Die Aschenputtelstory wurde in die Location einer Raucherkneipe und eines Yoga – Fitness – Guru – Tempels verlegt. Die Stiefschwestern waren echte “bitches” mit Tics. Der Vater von Cenerentola leidete an Narkolepsie und der Prinz war der “Yogaprinz”. Schräger kann man das Ganze nicht inszenieren. Mr T wurde kurz vor dem Finale auf die Bühne gezerrt und wurde von einer der Stiefschwestern inspiziert, ob er als Ersatz für den nicht erlangten Yogaprinz herhalten könne. Das war schon recht lustig. Mr T hat super mitgespielt. Zitat: Hauptsache ich muss nicht mitsingen. Abgesehen von der tollen Inszenierung muss ich es stets wiederholen. Die Sänger der Kammeroper haben alle ein echtes Goldkehlchen. Für Opernneulinge sind die auf das Wesentliche zurecht gestutzten Opern echte Einstiegssachen. Auch sehr toll war die konzertante Aufführung des Barbier von Sevilla in der Kammeroper mit der Hochschule für Musik HH & Lübeck mit Sängern, die mühelos die italienische Partitur runtersangen.

5 MINICAVE Festival in Münster
IMG_6003Es war mein erstes Minicave und Mr T und ich hatten es schon irgendwie auf der Watchlist gehabt, aber dieses Jahr hatten wir es uns tatsächlich auf den Zettel geschrieben, da das Sacrosanct in Reading, UK nicht mehr ist. Es fehlte also der passende Ersatz.

Zwei Tage gab es ordentlich Musik auf die Ohren. Mr T und ich haben nur 1 Band “geschwänzt”, weil da das Interesse Null war und 1 Band haben wir in der Performance unterdurchschnittlich gefunden, aber das ist unsere EIGENE Meinung. Wir haben jedenfalls beschlossen nach dem Minicave nie wieder Traitrs live anzuschauen. Die Scheiben sind toll, aber live ist es für uns eine Zumutung. WAS ALLERDINGS richtig toll war, waren für uns die Neuentdeckungen Ben Bloodygrave, Varsovie, Stockhausen. Ganz großes Kino, tolle Liveperformance, richtig tolle Menschen. Date at Midnight waren so toll, wie ich sie in Erinnerung hatte (das erste Mal live beim Sacrosanct vor mehreren Jahren gesehen).

IMG_6202The Foreign Resort waren sehr lustig, was auch irgendwie eine stets zutreffende Beschreibung ihrer Livekunst ist. Das schreit jedenfalls sehr nach mehr. MINICAVE 2020 ist fest im Tourplan bei uns verankert und vorgemerkt.
Desweiteren war ich auch noch bei der Goth Rock Trinity in Hamburg auf der MS Stubnitz mit Age of Heaven, Still Patient? und WISBORG was sehr schön war, jedoch viel zu schlecht besucht. UND wir waren in Leeds zum zweiten Mal beim Goth City Fest. Ein Festival. Ein großes Fest mit The Last Cry, Auger, Red Sun Revival. Ich hatte jedenfalls derbe viel Spaß, auch wenn ich da krank anreiste.

Mittelklassenblues [Nino Sable]

Liebe Mitmenschen, wenn ich über dieses in Eigenregie veröffentlichte Buch von Nino Sable schreibe, dann bin ich befangen. Ich bin befangen, weil ich zusammen mit Mr T Ninos Kapelle Aeon Sable voriges Jahr nach Hamburg eingeladen hatte, hier aufzuspielen. Es war damals ein kuscheliger Abend im Traditionsrockschuppen Logo und möglicherweise waren für Nino weniger Menschen beim Konzert als erhofft, aber beim Lesen von “Mittelklassenblues” stellte ich mit großer Genugtuung fest, dass das Konzert in Hamburg damals am 1.12.2018 sehr gut besucht war und die Musiker ordentlich betüdert wurden. Nein, das ist keine Selbstbeweihräucherung. Das ist eine Tatsache und da wird mir Nino sicher recht geben.

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Mittelklassenblues ist eine Sammlung an 20 Episoden aus dem Musikerleben von Nino (mit Vorwort), die die Höhen und Tiefen des nicht etablierten Musikerlebens ausmachen. Es ist einerseits sehr lustig, aber andererseits schon mit Demut gespicktes großes Mitleiden. Man spürt beim Lesen, dass Nino einfach nur Spielen mag. Einfach nur seine Musik an den Mann die Frau weitergeben mag. Nicht mehr und nicht weniger. Dafür muss man heutzutage oft genug leiden auf vielschichtige Art und Weise. Das Schöne daran ist, wenn Musiker ihre Passion und ihre Überzeugung auf die Bühne stellen, dann haben sie mich alle. Dann bin ich stets der beste Kunde und der beste “Influencer” für alle anderen Menschen. Dann schaffe ich es, andere von der Musik zu überzeugen und neue Leute für die Musik zu begeistern. Es geht mir nie ums Genre. Es geht mir immer und stets um Leidenschaft, dem Dahinterstehen zum produzierten Werk.

Ninos Episoden aus dem Musikerleben lesen sich sehr fluffig. Es ist sicher, das kann ich als Vielleserin behaupten, nicht die komplizierteste Schreibe der Welt, aber die Episoden sind sehr unterhaltsam. Ohne nochmal die Geschichten zu lesen, erinnere ich mich grob, dass es sehr oft bei den Stories um Gras und Alkohol ging. Eine Frage hätte ich da: Warum hat Aeon Sable damals in der Vorverhandlung für Hamburg gesagt, dass sie ne “nüchterne” Band sind? Der Rachenputzer aus dem Logo wäre nie geschehen, wenn die klare Ansage gekommen wäre, wir brauchen nen Rotwein nach dem Gig. Ich befürchte, diesen Fehler werden Aeon Sable nicht noch einmal machen.

Ich bin nur wenige Monate älter als Nino und ich bin auch eher aus der Metalschiene in die Gothrockecke gekommen (und mittlerweile auch schon wieder mehr zurück zum Metal). Die Musikzeitungepisode fand ich richtig knorke und hat laute Lacher impliziert. Bezüglich des Labelwechsels kann ich ehrlich gesagt nur betroffen den Kopf schütteln, zu den Merciful Nuns halte ich freundlicherweise meinen Mund. Meine Freundin Lydia hat immernoch den besten Kommentar zu der Band geäußert, den ich Zeit meines Lebens nicht mehr vergessen werde (und den ich freundlicherweise hier nicht äußern werde), die Episoden über schlecht besuchte Konzerte, komische Locations, um Gage geprellte Auftritte, lassen mich kurz zusammenfassen: “Woanders ist auch Scheiße!”.

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Solange ich es selbst nicht mit Haut und Haar erleben muss, ist es recht nett zu lesen, aber man hat als Voyeur nur eins im Kopf: “Weitermachen. Die Welt braucht Musiker, die sich nicht gleich umwedeln lassen; die für das, wofür sie eine Vision haben, stehen; die sich nicht in eine Schublade reinschubsen lassen wollen; die auch die Tiefen des Business (und Musik ist Business, egal wie Underground es ist oder nicht) durchleiden können.” Ich werde Nino Sables Werk weiterhin auf der Watchlist haben und ganz ehrlich Aeon Sables Werke sind runde, schmissige Werke (es fehlt mir nur irgendwie das analoge Schlagwerk – nörgel).

Mittelklassenblues ist in einer ersten Auflage von 100 Stück erschienen und kann evtl. noch direkt bei Nino Sable bestellt werden. Nino ist Sänger von Aeon Sable und Melanculia. https://www.facebook.com/nino.sable

Mehr Infos zu Aeon Sable: https://www.aeonsable.de/
Mehr Infos zu Melanculia: http://www.melanculia.de/

[Video von Hamburg 1.12.2018 im Logo “Visions” aufgenommen von Oliver Krapp]

 

Optimistisch und Lebensbejahend: Moonspell / Rotting Christ / Silver Dust auf Tour quer durch Europa 2019

Es ist vollbracht. Die Tour ist zu Ende. Die drei Bands waren innerhalb von 52 Tagen in ganz Europa unterwegs und haben 49 Konzerte gegeben. Geplant waren 50 Konzerte. Athen musste ausfallen aufgrund eines Sturms und der zu “arschknappen” Anreise. Ich habe drei Konzerte der Tour gesehen: Hamburg, Hannover und München. Hamburg war Show Nummer 1, Hannover war eine Woche vor Schluss und München war am letzten Sonntag das letzte Konzert der epischen Tour.

Als ich den Tourplan sah und die Tour noch gar nicht begonnen hatte, fragte ich mich schon: “Na, ob das wohl gut geht?” Ja, es ging gut. Alle Künstler sahen in München zwar nur noch müde aus und man spürte, dass sie total gern auf der Bühne standen, aber sie hatten einfach nur noch Heimweh und wollten nach Hause. Also, ich gönne Ihnen das vollkommen. Ich war sehr glücklich an allen drei Abenden dabei gewesen zu sein.

In Hamburg bin ich mit der U-Bahn ausgeruht, aber dafür mit schmerzenden Auge dank abklingender Bindehautentzündung aufgetaucht. Ich hab so gut wie nichts gesehen, da ich die Augen fast nur geschlossen hatte. (Trotzdem gibt es ein paar nette Fotos vom Konzert). Ich hab aber alles musikalisch aufgesagt, was nur ging.

Silver Dust aus der Schweiz haben mich mit ihrer Musikalität, dem “Steampunky Anblick”, dem Nutzen der Videoleinwand (mit hübschem Rahmen) und zu den Songs passenden Einspielern, schwerst überzeugt. Das war sehr clever und unterhaltsam. Ich hatte aber das Gefühl, dass der Respekt zu den Kapellen, die danach auf der Bill stand, war so groß, dass die Bühne und das Standing erst mal vorsichtig, aber mit Bravour austestete. Das Publikum in Hamburg war aber auch ein sehr dankbares und respektables Volk. Es ließ sich auf Silver Dust ein und  feierte das Set nach anfänglicher nordischer Kühle ab.

Rotting Christ hatte ich bisher überhaupt nicht auf dem Zettel, aber ich habe es sofort gemocht. Eingängig opulentes Blackmetalgeschrammel und dazu sehr charismatische Männer auf der Bühne. Das war wirklich beeindruckend. Kein Schnickschnack auf der Bühne. Einfach nur pure Musik und dazu passendes Licht und sehr enervierend und ansteckende Stimmung. Rotting Christ gehen sofort ins Ohr, in die Beine und in den Kopf (Headbangen galore). Das hat Spaß gemacht. Die sehr rhythmuslastigen / schlagzeugdominierten Songs haben mir am meisten gefallen.

Moonspell beschreibt ja Mr T sehr passend als “Devis lusitanische Kater”. Für mich machen die Jungs einfach nur Musik, die essentiell mittlerweile für mich geworden ist. Ich habe seit Veröffentlichung des Werkes 1755 die Herren 10 Mal gesehen. Das Konzert in Hamburg war Nr 8 gewesen. Man spürte die Nervosität vor der langen Tour und es lief auch noch nicht alles glatt, aber das tat dem Entertainment auf der Bühne keinen Abbruch. Die Herren sind so unfassbar gut eingespielt und man nimmt ihnen alles musikalisch ab, das ist einfach nur schön zu sehen. Bei Moonspell hab ich stets das Gefühl, dass da eine Gang auf der Bühne ist. Menschen, die sich sehr mögen und die Freude an ihrem eigenen Werk haben. Ich kann es kaum erwarten, dass sie neuen Stoff unter die Menschheit bringen.

Hamburg war ein guter Auftakt für die Tour. Das Publikum war leicht entflammbar. Das ist nicht immer so in Hamburg und Publikum wie auch Bands waren mit Voranschreiten ihrer Sets entspannt und sogen die entgegenbrachte Freude des Publikums dankend auf. Nach dem Konzert wollte ich allerdings nur noch direkt wieder ins Bett. Ich war vollkommen im Eimer und hatte am nächsten Tag noch nen Termin beim Arzt und der Krankengymnastik.

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Hannover war so eine absolute Schnapsidee (oder Brandy- / Portweinidee) von mir gewesen. Ich hatte Mitte November schon wieder derbe Lust auf Moonspell und ich wollte unbedingt noch mal Rotting Christ und Silver Dust sehen, weil ich in Hamburg mit meinen Augenschmerzen nicht so viel von hatte. Ich wartete also sehnsüchtig auf den Dienstplan Dezember und als ich sah, dass der Trip nach Hannover möglich war, kaufte ich unverzüglich das Ticket für das Konzert. Den Zugtrip hatte ich bereits für Konzert Nr 2 von Swallow the Sun (auf deren Herbsttour) ausgetestet. Es ist machbar, aber kann sich zum Ende hin ziemlich strecken, wegen schöner Verspätungen. Egal. Ich wollte es so. Die Idee nach 5 Tagen Frühdiensten in Folge auch noch auf ein Konzert zu fahren, um am nächsten Tag wieder Frühdienst zu haben, ist so bescheuert gewesen, da fällt es auch nicht mehr so ins Gewicht, dass ich vollkommen bescheuert dann auch noch mit FC Porto Shirt auftauchte. Ich hatte überhaupt keine Muse mich umzuziehen von der Arbeit. Ich war emotional komplett ein Wrack. Der Zug nach Hannover war komplett überfüllt und ich stand (Nein, es gibt kein Foto davon.) Es war richtig kalt und ich habe mich geärgert nicht einen Hoodie angezogen zu haben. Ich hatte nur meinen Wollgehrock und darüber die Winterjacke. Als ich zum MusikZentrum kam, war ich noch nicht die Erste. Es waren bereits “Wiederholungstäter” vor der Tür, die wie ich später erfuhr bereits in Bochum und Hengelo bei den Konzerten waren. Sie wollten genau in die Mitte erste Reihe. Dies war mir äußerst recht, denn ich stehe ja am liebsten etwas links. Da habe ich volle Sicht als Einäugige unter den Blinden.

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Silver Dust waren richtig gut drauf. Ich hatte es nicht für möglich gehalten, dass Hannover so aus sich rausgehen kann. Sie waren mittlerweile auf die Crowd eingestellt und es fühlte sich deutlich härter, runder, gelassener an, was sie auf die Bühne stellten. Die Songs gingen gefühlt besser ins Ohr (obwohl sie sich gar nicht geändert hatten an und für sich und überhaupt). Silver Dust waren der perfekte Support für die zwei folgenden Kapellen, die folgten. Ich freute mich sehr, dass sich Silver Dust im Laufe der Tour sich eine eigene Base erspielt hatten. Und wozu?! Zurecht!

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Rotting Christ waren saugut. Ich hatte mich vorher intensiver mit deren Werk (vor allem deren “Hits” auseinander gesetzt, sodass ich mich nicht ganz so verloren in der ersten Reihe wieder fand. Ich mag den Oldschool Blackmetalsound. Ich liebe die Rhythmusfraktion und die hymnischen Werke. Allerdings störte mich an dem Tag etwas ganz derb … ich stand ja vorn beim Bassisten … und es gab keinen Abstand zur Bühne. Es waberte stetig ein intensiver Bassistengeruch zu mir, den ich weniger sexy fand. Ich habe dies über mich ergehen lassen, denn der Musik gab es keinen Abbruch. Ich hoffte nur imständig, dass es in München wieder einen Graben geben würde. 😉 … Sehr lobend möchte ich auch erwähnen, dass die Crew so eingespielt war, dass Umbaupausen nur maximal 15 min dauerten. Ich fand das recordverdächtig. Es hatte den Nebeneffekt, dass man dafür mehr Musik auf die Ohren bekam. Es gibt nichts Schlimmeres als sich schleppende Pausen zwischen Sets.

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Moonspell … halten wir fest, dass erstens technisch in Hannover alles stimmte … zweitens, dass man sah und spürte, dass das Heimweh schon arg da war … und drittens ein Track aus Sin Pecado gespielt wurde. Seufz … wie großartig. Die Show war länger als 1 1/2h lang. Ich hatte gefühlt das gesamte Konzert lang Pipi in den Augen. Ich war vollkommen emotional. Zudem hatte ich bereits in Hannover meine zweite Schlagzeugstunde schon hinter mir und ich bekam von Mike meine zweite “Reliquie” … einen zerschrammelten Drumstick. Ich war schon ein ganz kleines bisschen “im Himmel”. Mir war es Wurst, dass ich den Zug um 23:48 Uhr nach Hamburg verpassen würde. Ich versuchte nach dem Konzert mich zu orientieren … weil ich komplett hin und her gerissen war. Ich hätte glaube ich “durch” machen können. Wäre aber keine gute Idee gewesen. Ich habe natürlich mit FC Porto Shirt bei Crew und Band Aufmerksamkeit erheischen können. Sorry … 😉 (Nein, nicht wirklich). Als ich aus dem MusikZentrum gehen wollte, ist mir die Zufallsbekanntschaft vom Swallow the Sun Konzert entgegen gekommen. Ohne meiner Lobhudelei wäre er wahrscheinlich nicht bei dem Konzert gewesen. Er fand es aber richtig gut und meinte, er müsste sich noch in Moonspell reinhören, Rotting Christ wäre für ihn “einfacher zu verdauen” gewesen. Bin ich doch ein kleiner Influencer? Als ich aus der Halle raus war, habe ich zwei Männer angesprochen, um sie zu fragen, wie man am schnellsten zum Hauptbahnhof kommt … der eine war Portugiese und der andere meinte: “Ach was, bevor ich Dir das erkläre, fahre ich Dich schnell hin.” Geil, so hatte ich doch noch den 23:48 Uhr Zug erwischt. Problem war nur, dass er 20 Minuten Verspätung hatte und während der Fahrt nach Hamburg immer mehr drauf legte. Weswegen und warum, ist mir schleierhaft. Ich war 3 Uhr morgens im Bett. Ich wurde vom Wecker 5 Uhr 30 Uhr geweckt. Ich weckte aber mit einem seeligen Grinsen auf.

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München sollte das letzte Konzert der Tour sein und auch mein letztes Konzert der Tour. Mr T und Freundin Isabella wollten sich diesen Abend auch nicht entgehen lassen. Isabella hatte die Tickets besorgt. Mr T die Flüge und das Hotel. Das war alles schon von langer Hand voraus geplant gewesen. Nebenbei haben wir auch noch weitere soziale Kontakte gepflegt in München. Als wir Samstag ankamen, sah ich zum ersten Mal, wie das aussieht, wenn Föhn sich in diesen Sphären ankündigt. So eine Wolkenwand, die von Sonne weggeschoben wird hatte ich noch NIE, wirklich NIE, vorher gesehen. Am Morgen war es wirklich noch arschkalt. Am Sonntag war es rund 10 Grad wärmer. Kein Wunder, dass dann die Menschen komplett am Rad drehen. Mit Isabella waren wir Sonntag vor dem Konzert noch lang spazieren im Englischen Garten und fein essen im Wirtshaus in der Au (absolut zu empfehlen).

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Silver Dust … Mit Silver Dust konnten die Münchner irgendwie nichts anfangen. Ich hatte das Gefühl, dass das Bild von München mit all seinen Vorurteilen sich auch auf die Zuhörerschaft beim Metalabend zeigte. Man kehrte seine etwas snobistische abgehobene Art raus. Kennen wir nicht. Mögen wir nicht. Warum wollen die, dass wir mit denen auf der Bühne Späße machen. Wir sind nur für Rotting Christ oder Moonspell da. Ihr seid uns Wurst. Ich fand das ehrlich gesagt doof, aber ich habe mich einfach dann irgendwann nicht mehr umgedreht und es schien ja auch einigen ordentlich zu gefallen. Mr T gefiel es jedenfalls außerordentlich gut. Und der Band schien es auch nicht sonderlich zu stören. Sie machten routiniert ihr Set und ich feierte das Ganze derbe. Noch zwei Tage später hatte ich Melodien von Silver Dust im Kopf rumwabern.

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Rotting Christ waren routiniert einheizend. Ich hatte das Gefühl, dass das Publikum in München tatsächlich so eine Crowd war, die entweder für Rotting Christ oder für Moonspell gekommen waren. Das war bei den Konzerten in Hamburg und Hannover nicht so offensichtlich gewesen. Ich meine, ich war auch wegen Moonspell da, aber ich konnte mich sehr für Rotting Christ begeistern. Vor allem je öfter man sie sieht. Diesmal war auch der “Graben” wieder dazwischen und alles war gut mit meiner Luft. 😉 Ein Vorteil hatte die größere Rotting Christ Hardcore Fanschaft schon. Es ging ordentlich was ab im Publikum und nach dem Set durchmischte es sich in der Nähe der Bühne ganz offensichtlich. Sprechen wir aber bitte nicht von der merkwürdigen Lady, die mich kurz nach Einlass wegbeißen wollte, weil ich in ihrer Nähe stand. Man kann durchaus auch im freundlichen Ton evtl. “Gebietsansprüche” vor der Bühne klären, ohne pampig zu werden. Meine zweite Wahl an Platz war dann sowieso die bessere Wahl. Mit entspannten Rotting Christ Fans und einer exzellenten Sicht auf das Ganze Spektakel.

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Moonspell begannen erst ihre Show 22:15 Uhr. Für den geneigten Portugiesen keine fremde Zeit für Konzertbeginne, aber für den geneigten Deutschen, der zumeist am nächsten Abend arbeitet, ist das schon schwere Kost. Das Konzert war eine reine Uptempogassenhauerfinaltourshow. Ich habe es den Männern so gegönnt. Sie gaben echt alles (und ich auch … man hab ich “geölt” und hatte ich einen respektablen Metalnacken hinterher). Aber es war soooooo schön. Ich hätte durchaus mehr vertragen können.

IMG_8007Was mich richtig freute, war der Fakt, das der Merchandise Stand von allen Bands am Ende der Tour leer gefressen war. Es gab noch einzelne Shirts in lustigen Größen. Es gab noch wenige Vinylscheiben, feuchte Händedrücke vom Merchmann und das war es dann. Also es war durchaus nicht alles schlecht auf dieser 53 Tage Tour quer durch Europa. Ganz versöhnlich finde ich, dass diese Bands wirklich primstens zusammen passten. Ich habe mich mit Silver Dust und Rotting Christs Musik sehr gut anfreunden können. Beide Bands standen vorher nicht auf meiner Speisekarte. Ich freu mich auf ein baldiges Wiedersehen, wo auch immer unter welch widrigen / nicht widrigen Umständen auch immer. Ich kann nicht genug bekommen. Es ist mir immer eine große Freude Menschen zuzusehen, die gern auf der Bühne stehen und ihre Musik voller Enthusiasmus nach außen hin, transportieren. Das kaputte Mikrokabel vom Schlagzeug bei Moonspell tat zwar im ersten Song weh, aber das war an dem Abend auch egal.

Ach ja, bevor ich es vergesse … da war noch was … das herzliche Umärmeln von Mike am Flughafen und die Erklärung für Luis (Crew), dass ich wirklich keine Portugiesin bin. Ich freu mich schon auf 2020 … wenn Neues von Moonspell kommt.  Und nein, es gibt keine Heldenfotos von der Tour. Ich freu mich einfach nur, die Männer zu sehen und kurz zu herzen. Dann ist aber auch gut.

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