Montagsauslese 3/2020

In der letzten Woche habe ich definitiv mehr gelesen als in der Woche zuvor. Aber musikalisch war es trotz alledem für mich gewesen.

83105023_3266430236700566_601252772414750720_oIch war beim Konzert von THE FOREIGN RESORT im Goldenen Salon am Donnerstag. Das war großer Spaß. Es war mein Geburtstagsgeschenk von Freunden gewesen und es hat sich wirklich richtig gelohnt.  Ich freu mich jetzt schon auf das “Dark Skies over Witten” im März, bei denen ich die dänischen Jungs wieder sehen kann. Dieses Mal dann mit meiner besten Kumpeline Lyd.

Was ein Konzert von The Foreign Resort stets ausmacht?! Diese Jungs haben Bock auf der Bühne zu stehen. Sie machen Späße. Ihre Musik langweilt nicht. Zu keiner Sekunde UND ja, es ist halt feinster reudiges Gitarrengeschrammel mit wundervollem echten Schlagwerk.

Am Samstag war ich mit Mr T in der Staatsoper und habe eine Aufführung des Hamburg Balletts gesehen. Es standen die “Bernstein Dances” auf dem Plan.

Eine Hommage auf den Musiker Leonard Bernstein. Mit seiner Musik und eben Tanz. Es war ein sehr schöner bunter Abend. Und ich kam zur Erkenntnis, dass ich vielleicht doch noch mal irgendwann mir Candide komplett anschauen sollte. Und West Side Story ist sowieso toll. Ich fand die beiden Sänger großartig und der Fakt, dass Marc Bouchkov an der Violine war und Sascha Trusch tanzte, war noch viel besser.

Gelesen in der letzten Woche: Da war Musik drin. DIe Bücher steckten voll Poesie und in einer Menge der Bücher wurde sich mit dem Tod beschäftigt.

Nr 11: RICARDO S. AMORIM “Wolves who were men”: Dies ist die Moonspell Biografie. Sie ist unfassbar emotional und bewegend geschrieben. Irgendwie leidet man als Leser ganz schön mit den Musikern und den “Auf und Abs” in der Bandgeschichte mit. Einerseits kann es einem schon das Herz zerreißen, andererseits muss man lachen. Das schöne an der Bandbiografie ist, dass man dieses Buch auch lesen kann, ohne Fan der Band zu sein oder Spezialist im Metalgebiet zu sein. Denn es geht hier vor allem sehr um Menschliche Dinge. Und komische Dinge im Musikbusiness gibt es in jedem “Genre”. Ich kann das Buch nur empfehlen.

Nr 12: CRAIG DYER “The Devil in me & in all the rest”: Craig Dyer ist Sänger der Band “The Underground Youth”. Dieses Buch ist ein Band mit Poetry und Lyrics. Ich habe sie gemocht, aber das, was ich an Poetrie immer sehr mag bzw. mir wünsche, ist die Melodie der Worte oder richtige Emotionalität, die mich bewegt. Dies hat mit den meisten der Stücke nicht funktioniert. Ich weiß nicht warum dies so war. Dies wird aber die Liebe zur Musik von The Underground Youth nicht schmälern.

IMG_8134Nr 13: AL BERTO “Salsugem – Salz” & Nr 14: AL BERTO “Garten der Flammen”: Die zwei Bände sind gefüllt mit Gedichten von Al Berto (1948 – 1997), einem portugiesischem Autoren, Vertreter des Surrealismus. Die Geschichte befassen sich sehr mit seinen Gefühlen, dem Tod, der Liebe. Mit Salz konnte ich anfangs icht so viel anfangen. Ich war noch etwas von dem Übersetzungsstil (mit Kleinschreibung auf Deutsch) überfordert. “Garten der Flammen”dagegen, der Gedichtband, den Al Berto kurz vor seinem Tod geschrieben hat, hat mich schwer bewegt und mitgenommen. Die Zeilen sind sehr morbide, melancholisch, auf das Leben zurück schauend.

Nr 15: SUE BLACK “All that remains”: An diesem Buch habe ich mächtig geknabbert … und vor allem lange geknabbert. Es sind die Aufzeichnungen der Forensikerin Dame Sue Black. In dem Buch geht es sehr viel um Tod, in jeder Form, die man sich vorstellen kann. Es geht um den Umgang mit den Toten. Es geht um die Arbeit als Forensikerin im Kriegsgebiet (Kosovo). Es ist ein runum menschliches Buch, denn der Tod gehört zum Leben dazu. Ich bin sehr froh, das Buch gelesen zu haben.

Nr 16: OLIVER SACKS “Alles an seinem Platz”: Dies ist das vermutlich letzte Buch, was im Namen von Oliver Sacks veröffentlicht wurde. Oliver Sacks ist 2015 verstorben und mit ihm ist ein sympathischer Neurologe gegangen. Sacks ist für seine Fallgeschichten berühmt geworden. In “Alles an seinem Platz” sind neben letzten Fallgeschichten auch Essays zu anderen Themen platziert. Sie sind allesamt sehr klug und gefüllt mit gefährlichem Halbwissen. Die Leseliste für mich wurde sehr viel länger nach dieser Lektüre. Ich habe das Buch letzte Woche gekauft, weil ich an keinem Oliver Sacks ungesehen vorbei laufen kann. Ich bin ein Sacksjünger.

Gekauft oder geschenkt bekommen habe ich:
Neu Nr 10: AKSEL SANDEMOSE “Ein Flüchtling kreuzt seine Spur” (mein letztes Geburtstagsgeschenk). Das Buch wollte ich schon letztes Jahr selbst kaufen und habe es dann irgendwie aus dem Blickfeld verloren. Um so glücklicher bin ich, dieses Buch jetzt geschenkt bekommen zu haben.

Neu Nr 11: OLIVER SACKS “Alles an seinem Platz”

Montagsauslese 2/2020

Die letzte Woche war musiklastiger als die Vorige. Ich habe viel Metal gelauscht … zum Einen die Rereleases von Moonspell mit Anno Satanae und Sin Pecado. Zum Anderen die neue Sylvaine EP, die neue Then Comes Silence Single + I AM THE SHADOW Single, der Rotting Christ Backkatalog, den ich über Season of Mist bekommen konnte UND dann noch die zwei Erstlinge von Esben & the Witch, die mir noch fehlten. Und dann kam noch das Carepaket aus Jersey an von October Burns Black. Es ist alles großartige Musik und ich liebe alle erwähnten Bands und Künstler.

Highlight, aber definitiv war das Lauschen von Krysztof Urbanskis Einspielung der Schostakowitsch Sinfonie Nr 5 gewesen. Bei dieser Musik geht mir das Herz auf. Das ist Drama pur. Das ist – keine Ahnung – Symphonic Metal. Für mich ist es die perfekte Musik zur Entspannung, weil ich mich so sehr beim Lauschen auf alle Ebenen der Musik konzentrieren muss, dass ich Alltag, Arbeit, Schmerzen vergessen kann.

Gelesen habe ich auch ein paar Bücher:

Buch Nr 9: MICHEL FABER “Hundertneunundneunzig Stufen”Ich habe das Buch anno dazumal … ich glaub 2014 im Herbst in Whitby in der englischen Variante gekauft und angefangen zu lesen, aber es hatte mich damals gar nicht so richtig gepackt. Jetzt auf Deutsch flutschte es.
Ja, es hat Züge von moderner Schauerliteratur, aber andererseits auch wieder nicht.
Wir begegnen einer Archäologin, die Albträume seit ihrem Unfall in Bosnien hat (wo sie ihren damaligen Freund – einem Journalisten begleitete … zu Kriegszeiten, sie verlor in einem Unfall ein Bein und er wurde von Heckenschützen umgebracht …. irgendwie ist mir der Plotfakt zu platt – egal). In Whitby werden die Albträume aber anders als sie vorher waren. Um zu ihrer Arbeit zu kommen, der Grabungsstätte bei der Abbey St. Hilda, muss sie die 199 Stufen zum Berg hinauf und da lernt sie Magnus mit seinem Hund kennen. Magnus ist nur kurz in Whitby, er kümmert sich um den Nachlass seines Vaters und seine Abschlussarbeit für die Uni. Im Nachlass findet er eine Flasche mit einer Papierrolle … datiert auf 1788. Sian, so der Name der Protagonistin, hilft Magnus dies zu entschlüsseln… Es geht um Glauben, Umgang mit Toten/Gestorbenen, Trauer, Friedhofskultur, Respekt und Urängsten. Das Buch tat nicht weh, aber da ich in Whitby nicht nur einmal war, war es schon recht witzig gedanklich da langzulaufen UND NEIN, das indische Restaurant am Bahnhof ist nicht toll. Es ist gruselig. Schlechter Service und es gibt Mangolassi mit Eiswürfeln drin. Unter anderem.

Buch Nr 10: ANIKA DECKER “Wir von der anderen Seite” – Ich musste dieses Buch abbrechen. So leid es mir tat. Es war ein Geburtstagsgeschenk, aber meine Schwester hat gesagt, sie möchte nicht. dass sich meine Nägel aufrollen!
Der Humor ist gar nicht meiner und überhaupt … ich mag keine Krankenhaus / jemand wird gesund gepflegt (in dem Fall die Protagonistin) Story. Ich habe Feierabend.

Nich beendet, aber fleißig am Lesen ist immer noch mein Kurzgeschichtenband “Über den Feldern” mit Geschichten über den 1. Weltkrieg. Dazu gleich die Frage: Sollte ich mir 1917 im Kino anschauen? Ich bin ja kein Kinogänger. Außerdem lese ich ganz beherzt in der Biografie über Moonspell.

Es kommen in der kommenden Woche noch mehr neue Bücher hinzu und ich werde endlich wieder Live Musik mir anschauen. Am Donnerstag freu ich mich auf das THE FOREIGN RESORT Konzert (mit dem Support Golden Apes) und am Samstag gehe ich mit Mr T in die Staatsoper für das Hamburg Ballett und den “Bernstein Dances”. Wir beide haben schon so lange kein Ballett mehr gesehen. Also habe ich es Mr T zu Weihnachten geschenkt. Ich freue mich richtig darauf.

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Gekauft bzw. frisch in meiner Bibliothek habe ich:
Neu 5: MICHEL FABER “Hundertneunundneunzig Stufen” (für 1 Euro im modernen Antiquariat)
Neu 6: CRAIG DYER “The Devil in me & in all the rest” (für 10 Euro direkt bei The Underground Youth gekauft)
Neu 7: AL BERTO “Salz” Lyrik
Neu 8: AL BERTO  “Garten der Flammen” Lyrik
Neu 9: AL BERTO “Mondwechsel” Bertos einziger veröffentlichter Roman.
Nebenher erfuhr ich, dass Portugal in diesem Jahr Schwerpunktthema auf der Leipziger Buchmesse ist und ich wundere mich noch, warum so viele Portugiesen plötzlich übersetzt auf dem Deutschen Buchmarkt zu finden sind. Wenn Dein eigenes Interesse Dich mit einem Trend überholt.

 

Ein Blick zurück … musikalisch [2019]

MEIST ROTIERTE ALBEN 2019

1 SWALLOW THE SUN “When a shadow is forced into the light”
Dieses Album hat mir nicht nur die Schuhe ausgezogen und mich instantly zum Heulen gebracht. Nein, dieses Album beschäftigt mich nach wie vor mit jedem neuen Hören wieder und wieder. So etwas Vielschichtiges und Vollkommenes in einem Guss habe ich tatsächlich seit Jahren nicht mehr gehört. Auch live überzeugt mich das neue Werk meiner Lieblingsfinnen sehr. Doomiger, erdig, luftig, fluffig, melodisch und getragener geht nicht mehr in Vollendung. Manche mögen sagen, dass das Mädchenmusik ist, aber das ist mir egal. Ich habe bei Konzerten sehr viele Männer gesehen, die beim Hören und Performen der Musik sehr emotional wurden. Selbst das Mitschleppen der Altpunkfreunde aus UK damals in Hamburg war imposant. Zitat: “Growling ist zwar nicht so unser Ding, abr das passt. Ich müsste eigentlich auch Swallow the Sun zu den Konzerthighlights mit auflisten, ABER es gab so viele Highlights. Das Highlight 2020 wird eh Swallow the Sun sein, deswegen spare ich mir die Erwähnung der drei besuchten STS Konzerte (Hamburg, Flensburg und Hannover), die alle großes Kino waren und die mich zum Weinen brachten. So schön waren die. ” Lieblingslied des Albums “Stone Wings”

2 SOMETIME THE WOLF. “From here and earth”
Diese Briten habe ich 2018 beim Goth City Festival in Leeds live gesehen und habe damals umgehend die EP Forsaken gekauft. Die Liveperformance hatte mich damals umgehauen. Sometime the Wolf. klingen wie die Abgesandten aus den 80ern, nur mit einer Portion Frische. Wer auf altgediegenen Gotenrock steht, der mit einer Prise Patros gut klar kommt, ist hier bestens bedient. Großartig produziert. Voller Hymnen. Genau das Richtige für mich, die es gern etwas fetter, breitgetretener und epischer mag, als überhaupt erlaubt sei. Lieblingslied des Albums “Ashes”

3. ALCEST “Spiritual Instinct”
Die Lieblingsfranzosen sind wieder härter geworden. Sehr zu meiner Freude. Es geht nichts über blackmetallische gazige Melodeien, die Neige mit engelsgleichem Blick und teils klar, teils schreiend growlender Stimme uns dahin schmettert. Das kann ich vollkommen gut haben. Kodama war sehr catchy gewesen, aber ich liebe es auch durchaus beim Hören von Musikwerken mehr gefordert zu werden. Dies wird mit Spiritual Instinct erfüllt. Lieblingslied des Albums “L’île des morts”

4. AEONIAN SORROW “Into The Eternity A Moment We Are”
Diese Band war der überzeugendste Support in diesem Jahr bei einem Konzert gewesen. Doom-Goth-Metal, der primstens mit einer Lady an den Vocals ist, die singt wie eine Göttin und nicht dieses obernervige hochfrequentige Zeugs, was keiner mehr hören mag. Die Lady singt in Alt und Aeonian Sorrow haben die Gelassenheit und die Fähigkeit die Langsamkeit im Metal zur Vollendung zu zelebrieren. Dazu die düsteren Growls … das ist soooo schön. Dazu sind sie allesamt super sympathische Menschen. P.S.: Das Album ist 2018 schon rausgekommen, aber da ich die Band erst 2019 kennenlernte und die meisten Songs auf dem Set vom aktuellsten Album kamen, zählt dies als ein 2019 Album. Song des Albums: “Thanatos Kyrie”

5. THE FOREIGN RESORT “Outnumbered”
Diese Dänen machen mächtig Spaß. Nüchtern betrachtet, ebenso wie angetüdert. Dies postpunkgothrockige Dreiergespann drückt mächtig nach vorn und ist live eine Wucht. Es klingt manchmal echt reudig, aber auf ganz harmonische Weise. Mikkels Gesang muss man mögen, aber das “Leiden” in der Stimme passt wie Faust aufs Auge bei den Songs. Anspieltipp: “Outnumbered”


DIE IMPOSANTESTEN KONZERTE 2019

1 MOONSPELL in Viana do Castelo
Ja, irgendwie Wiederholungstäterin. Dieser Besuch in Portugal war aufgrund schwerster Sehnsucht nach Portugal und Moonspell und NU:N (die wir zum Gelage ein Tag vor dem Konzert trafen) indiziert. Das Konzert fand im am  6. Juli 2019 in der Mehrzweckhalle in Viana do Castelo statt. Die Tickets hatten wir am Vorverkaufsstarttag online gekauft. Praktischerweise war die Seite nur in Portugiesisch lesbar. Aber irgendwie hat alles funktioniert. Praktischerweise haben wir auch das Hotel in Laufweite gebucht. Das Konzert war sehr putzig. Einlass war um 21:30 Uhr. Es spielten nur Moonspell auf. Es gab kein Bier in der Halle. IMG_5067

Aber ich hatte damit weniger Probleme als Mr T. Das Konzertpublikum war einerseits deutlich jünger als im Rest Europa und andererseits hatte es starken Anflug von Familienhappening. Wenn man sagt, dass der Prophet im eigenen Lande nichts taugt, aber in Viana do Castelo hat das schon funktioniert und das Set war ein 1755 + Gassenhauer Set. Ich mag die Portugalkonzerte von Moonspell sehr. Ich habe immer das Gefühl, dass die Jungs “zu Hause” anders auf der Bühne stehen. Ich mag diese sehr entspannten Leute im Publikum. Ich kann mich zwar wahrscheinlich nie an späte Einlasszeiten gewöhnen, aber nun ja, da muss man durch. Für Moonspell mach ich fast alles … Ganz nebenbei die Herbst/Winter Headliner Tour der Jungs war episch.

2 THEN COMES SILENCE & TRUE MOON in Hamburg (August 2019)
Then Comes Silence und True Moon spielten bereits einen Tag vor dem Konzert im Molotow auf einer privaten Party in Hamburg, die sensationell war, aber der Abend im Molotow war großartig. IMG_5475Zum Einen kannte ich dann schon True Moon und zum Anderen hatte ich aufgrund der Privatparty schon die passende V Null für den Abend. Die Stimmung war bestens. Die Besucher tiefenentspannt (weil sie alle auf das Mera Luna verzichteten, was an diesem Wochenende stattfand) und die Bands waren eingespielt. Der Sound im Molotow war sensationell. Das Portemonnaie saß locker, sodass TRUE MOON nicht viel Merch zurück nach Schweden wieder einpacken mussten. Besonders schön fand ich das Duett “Ritual” mit Alex und Karolina. Ebenso bemerkenswert war das TCS Konzert in Hannover am 29.11. zusammen mit The Foreign Resort und di: unru.

62442616_2818832374793690_7330648239487582208_o3 OCTOBER BURNS BLACK – WGT in Leipzig
Dieses Konzert hat sich durch technische Höchstschwierigkeiten in kuscheliger Atmosphäre mit Stuntgitarristen (altem Freund) ausgezeichnet. Es war ein Riesenhallo von jeder Seite im Täubchenthal und auch schon zuvor, denn Mr T und ich hatten sich bereit erklärt die Lady vom Stuntgitarristen unfallfrei zum Hotel zu eskortieren, vor dem Konzert und wir trafen uns allesamt noch am Hotel. Man versuchte einzuordnen warum diese Menschen uns kennen und inwiefern wie lange wir im inner circle vom Gitarristen und auch Schlagzeuger und auch anderen Bands, die ebenso im Hotel waren herumkreuchten. Es war wirklich sehr putzig, diese Situation. October Burns Black überzeugten auf voller Spur, auch ohne Monitorsound. Ich war auch sehr sehr glücklich dem Schlagzeuger des Vertrauens die obligatorischen Schoka-Kola Packungen zu überreichen. Weil ja alle wissen: “No Schoka Kola – no show”. Das WGT an sich war nach dem Konzert weniger konzertlastig, da wir kaum Bands sahen, sondern zu einem echten Socializing Hardcoretrip ausartete bei interessanten Außentemperaturen. Bemerkenswert und wunderschön noch zu erwähnen wären die Liveperformances von Human Tetris und The Foreign Resort am letzten Abend.

4 LA CENERENTOLA – im Alleetheater Hamburg
Ich muss diese Operninszenierung erwähnen, weil sie das beste gegen den Strich gebürstetste Opernerlebnis des Jahres war. Inklusive Mr Ts Bühnendebut. Die Aschenputtelstory wurde in die Location einer Raucherkneipe und eines Yoga – Fitness – Guru – Tempels verlegt. Die Stiefschwestern waren echte “bitches” mit Tics. Der Vater von Cenerentola leidete an Narkolepsie und der Prinz war der “Yogaprinz”. Schräger kann man das Ganze nicht inszenieren. Mr T wurde kurz vor dem Finale auf die Bühne gezerrt und wurde von einer der Stiefschwestern inspiziert, ob er als Ersatz für den nicht erlangten Yogaprinz herhalten könne. Das war schon recht lustig. Mr T hat super mitgespielt. Zitat: Hauptsache ich muss nicht mitsingen. Abgesehen von der tollen Inszenierung muss ich es stets wiederholen. Die Sänger der Kammeroper haben alle ein echtes Goldkehlchen. Für Opernneulinge sind die auf das Wesentliche zurecht gestutzten Opern echte Einstiegssachen. Auch sehr toll war die konzertante Aufführung des Barbier von Sevilla in der Kammeroper mit der Hochschule für Musik HH & Lübeck mit Sängern, die mühelos die italienische Partitur runtersangen.

5 MINICAVE Festival in Münster
IMG_6003Es war mein erstes Minicave und Mr T und ich hatten es schon irgendwie auf der Watchlist gehabt, aber dieses Jahr hatten wir es uns tatsächlich auf den Zettel geschrieben, da das Sacrosanct in Reading, UK nicht mehr ist. Es fehlte also der passende Ersatz.

Zwei Tage gab es ordentlich Musik auf die Ohren. Mr T und ich haben nur 1 Band “geschwänzt”, weil da das Interesse Null war und 1 Band haben wir in der Performance unterdurchschnittlich gefunden, aber das ist unsere EIGENE Meinung. Wir haben jedenfalls beschlossen nach dem Minicave nie wieder Traitrs live anzuschauen. Die Scheiben sind toll, aber live ist es für uns eine Zumutung. WAS ALLERDINGS richtig toll war, waren für uns die Neuentdeckungen Ben Bloodygrave, Varsovie, Stockhausen. Ganz großes Kino, tolle Liveperformance, richtig tolle Menschen. Date at Midnight waren so toll, wie ich sie in Erinnerung hatte (das erste Mal live beim Sacrosanct vor mehreren Jahren gesehen).

IMG_6202The Foreign Resort waren sehr lustig, was auch irgendwie eine stets zutreffende Beschreibung ihrer Livekunst ist. Das schreit jedenfalls sehr nach mehr. MINICAVE 2020 ist fest im Tourplan bei uns verankert und vorgemerkt.
Desweiteren war ich auch noch bei der Goth Rock Trinity in Hamburg auf der MS Stubnitz mit Age of Heaven, Still Patient? und WISBORG was sehr schön war, jedoch viel zu schlecht besucht. UND wir waren in Leeds zum zweiten Mal beim Goth City Fest. Ein Festival. Ein großes Fest mit The Last Cry, Auger, Red Sun Revival. Ich hatte jedenfalls derbe viel Spaß, auch wenn ich da krank anreiste.

Mittelklassenblues [Nino Sable]

Liebe Mitmenschen, wenn ich über dieses in Eigenregie veröffentlichte Buch von Nino Sable schreibe, dann bin ich befangen. Ich bin befangen, weil ich zusammen mit Mr T Ninos Kapelle Aeon Sable voriges Jahr nach Hamburg eingeladen hatte, hier aufzuspielen. Es war damals ein kuscheliger Abend im Traditionsrockschuppen Logo und möglicherweise waren für Nino weniger Menschen beim Konzert als erhofft, aber beim Lesen von “Mittelklassenblues” stellte ich mit großer Genugtuung fest, dass das Konzert in Hamburg damals am 1.12.2018 sehr gut besucht war und die Musiker ordentlich betüdert wurden. Nein, das ist keine Selbstbeweihräucherung. Das ist eine Tatsache und da wird mir Nino sicher recht geben.

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Mittelklassenblues ist eine Sammlung an 20 Episoden aus dem Musikerleben von Nino (mit Vorwort), die die Höhen und Tiefen des nicht etablierten Musikerlebens ausmachen. Es ist einerseits sehr lustig, aber andererseits schon mit Demut gespicktes großes Mitleiden. Man spürt beim Lesen, dass Nino einfach nur Spielen mag. Einfach nur seine Musik an den Mann die Frau weitergeben mag. Nicht mehr und nicht weniger. Dafür muss man heutzutage oft genug leiden auf vielschichtige Art und Weise. Das Schöne daran ist, wenn Musiker ihre Passion und ihre Überzeugung auf die Bühne stellen, dann haben sie mich alle. Dann bin ich stets der beste Kunde und der beste “Influencer” für alle anderen Menschen. Dann schaffe ich es, andere von der Musik zu überzeugen und neue Leute für die Musik zu begeistern. Es geht mir nie ums Genre. Es geht mir immer und stets um Leidenschaft, dem Dahinterstehen zum produzierten Werk.

Ninos Episoden aus dem Musikerleben lesen sich sehr fluffig. Es ist sicher, das kann ich als Vielleserin behaupten, nicht die komplizierteste Schreibe der Welt, aber die Episoden sind sehr unterhaltsam. Ohne nochmal die Geschichten zu lesen, erinnere ich mich grob, dass es sehr oft bei den Stories um Gras und Alkohol ging. Eine Frage hätte ich da: Warum hat Aeon Sable damals in der Vorverhandlung für Hamburg gesagt, dass sie ne “nüchterne” Band sind? Der Rachenputzer aus dem Logo wäre nie geschehen, wenn die klare Ansage gekommen wäre, wir brauchen nen Rotwein nach dem Gig. Ich befürchte, diesen Fehler werden Aeon Sable nicht noch einmal machen.

Ich bin nur wenige Monate älter als Nino und ich bin auch eher aus der Metalschiene in die Gothrockecke gekommen (und mittlerweile auch schon wieder mehr zurück zum Metal). Die Musikzeitungepisode fand ich richtig knorke und hat laute Lacher impliziert. Bezüglich des Labelwechsels kann ich ehrlich gesagt nur betroffen den Kopf schütteln, zu den Merciful Nuns halte ich freundlicherweise meinen Mund. Meine Freundin Lydia hat immernoch den besten Kommentar zu der Band geäußert, den ich Zeit meines Lebens nicht mehr vergessen werde (und den ich freundlicherweise hier nicht äußern werde), die Episoden über schlecht besuchte Konzerte, komische Locations, um Gage geprellte Auftritte, lassen mich kurz zusammenfassen: “Woanders ist auch Scheiße!”.

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Solange ich es selbst nicht mit Haut und Haar erleben muss, ist es recht nett zu lesen, aber man hat als Voyeur nur eins im Kopf: “Weitermachen. Die Welt braucht Musiker, die sich nicht gleich umwedeln lassen; die für das, wofür sie eine Vision haben, stehen; die sich nicht in eine Schublade reinschubsen lassen wollen; die auch die Tiefen des Business (und Musik ist Business, egal wie Underground es ist oder nicht) durchleiden können.” Ich werde Nino Sables Werk weiterhin auf der Watchlist haben und ganz ehrlich Aeon Sables Werke sind runde, schmissige Werke (es fehlt mir nur irgendwie das analoge Schlagwerk – nörgel).

Mittelklassenblues ist in einer ersten Auflage von 100 Stück erschienen und kann evtl. noch direkt bei Nino Sable bestellt werden. Nino ist Sänger von Aeon Sable und Melanculia. https://www.facebook.com/nino.sable

Mehr Infos zu Aeon Sable: https://www.aeonsable.de/
Mehr Infos zu Melanculia: http://www.melanculia.de/

[Video von Hamburg 1.12.2018 im Logo “Visions” aufgenommen von Oliver Krapp]

 

Optimistisch und Lebensbejahend: Moonspell / Rotting Christ / Silver Dust auf Tour quer durch Europa 2019

Es ist vollbracht. Die Tour ist zu Ende. Die drei Bands waren innerhalb von 52 Tagen in ganz Europa unterwegs und haben 49 Konzerte gegeben. Geplant waren 50 Konzerte. Athen musste ausfallen aufgrund eines Sturms und der zu “arschknappen” Anreise. Ich habe drei Konzerte der Tour gesehen: Hamburg, Hannover und München. Hamburg war Show Nummer 1, Hannover war eine Woche vor Schluss und München war am letzten Sonntag das letzte Konzert der epischen Tour.

Als ich den Tourplan sah und die Tour noch gar nicht begonnen hatte, fragte ich mich schon: “Na, ob das wohl gut geht?” Ja, es ging gut. Alle Künstler sahen in München zwar nur noch müde aus und man spürte, dass sie total gern auf der Bühne standen, aber sie hatten einfach nur noch Heimweh und wollten nach Hause. Also, ich gönne Ihnen das vollkommen. Ich war sehr glücklich an allen drei Abenden dabei gewesen zu sein.

In Hamburg bin ich mit der U-Bahn ausgeruht, aber dafür mit schmerzenden Auge dank abklingender Bindehautentzündung aufgetaucht. Ich hab so gut wie nichts gesehen, da ich die Augen fast nur geschlossen hatte. (Trotzdem gibt es ein paar nette Fotos vom Konzert). Ich hab aber alles musikalisch aufgesagt, was nur ging.

Silver Dust aus der Schweiz haben mich mit ihrer Musikalität, dem “Steampunky Anblick”, dem Nutzen der Videoleinwand (mit hübschem Rahmen) und zu den Songs passenden Einspielern, schwerst überzeugt. Das war sehr clever und unterhaltsam. Ich hatte aber das Gefühl, dass der Respekt zu den Kapellen, die danach auf der Bill stand, war so groß, dass die Bühne und das Standing erst mal vorsichtig, aber mit Bravour austestete. Das Publikum in Hamburg war aber auch ein sehr dankbares und respektables Volk. Es ließ sich auf Silver Dust ein und  feierte das Set nach anfänglicher nordischer Kühle ab.

Rotting Christ hatte ich bisher überhaupt nicht auf dem Zettel, aber ich habe es sofort gemocht. Eingängig opulentes Blackmetalgeschrammel und dazu sehr charismatische Männer auf der Bühne. Das war wirklich beeindruckend. Kein Schnickschnack auf der Bühne. Einfach nur pure Musik und dazu passendes Licht und sehr enervierend und ansteckende Stimmung. Rotting Christ gehen sofort ins Ohr, in die Beine und in den Kopf (Headbangen galore). Das hat Spaß gemacht. Die sehr rhythmuslastigen / schlagzeugdominierten Songs haben mir am meisten gefallen.

Moonspell beschreibt ja Mr T sehr passend als “Devis lusitanische Kater”. Für mich machen die Jungs einfach nur Musik, die essentiell mittlerweile für mich geworden ist. Ich habe seit Veröffentlichung des Werkes 1755 die Herren 10 Mal gesehen. Das Konzert in Hamburg war Nr 8 gewesen. Man spürte die Nervosität vor der langen Tour und es lief auch noch nicht alles glatt, aber das tat dem Entertainment auf der Bühne keinen Abbruch. Die Herren sind so unfassbar gut eingespielt und man nimmt ihnen alles musikalisch ab, das ist einfach nur schön zu sehen. Bei Moonspell hab ich stets das Gefühl, dass da eine Gang auf der Bühne ist. Menschen, die sich sehr mögen und die Freude an ihrem eigenen Werk haben. Ich kann es kaum erwarten, dass sie neuen Stoff unter die Menschheit bringen.

Hamburg war ein guter Auftakt für die Tour. Das Publikum war leicht entflammbar. Das ist nicht immer so in Hamburg und Publikum wie auch Bands waren mit Voranschreiten ihrer Sets entspannt und sogen die entgegenbrachte Freude des Publikums dankend auf. Nach dem Konzert wollte ich allerdings nur noch direkt wieder ins Bett. Ich war vollkommen im Eimer und hatte am nächsten Tag noch nen Termin beim Arzt und der Krankengymnastik.

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Hannover war so eine absolute Schnapsidee (oder Brandy- / Portweinidee) von mir gewesen. Ich hatte Mitte November schon wieder derbe Lust auf Moonspell und ich wollte unbedingt noch mal Rotting Christ und Silver Dust sehen, weil ich in Hamburg mit meinen Augenschmerzen nicht so viel von hatte. Ich wartete also sehnsüchtig auf den Dienstplan Dezember und als ich sah, dass der Trip nach Hannover möglich war, kaufte ich unverzüglich das Ticket für das Konzert. Den Zugtrip hatte ich bereits für Konzert Nr 2 von Swallow the Sun (auf deren Herbsttour) ausgetestet. Es ist machbar, aber kann sich zum Ende hin ziemlich strecken, wegen schöner Verspätungen. Egal. Ich wollte es so. Die Idee nach 5 Tagen Frühdiensten in Folge auch noch auf ein Konzert zu fahren, um am nächsten Tag wieder Frühdienst zu haben, ist so bescheuert gewesen, da fällt es auch nicht mehr so ins Gewicht, dass ich vollkommen bescheuert dann auch noch mit FC Porto Shirt auftauchte. Ich hatte überhaupt keine Muse mich umzuziehen von der Arbeit. Ich war emotional komplett ein Wrack. Der Zug nach Hannover war komplett überfüllt und ich stand (Nein, es gibt kein Foto davon.) Es war richtig kalt und ich habe mich geärgert nicht einen Hoodie angezogen zu haben. Ich hatte nur meinen Wollgehrock und darüber die Winterjacke. Als ich zum MusikZentrum kam, war ich noch nicht die Erste. Es waren bereits “Wiederholungstäter” vor der Tür, die wie ich später erfuhr bereits in Bochum und Hengelo bei den Konzerten waren. Sie wollten genau in die Mitte erste Reihe. Dies war mir äußerst recht, denn ich stehe ja am liebsten etwas links. Da habe ich volle Sicht als Einäugige unter den Blinden.

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Silver Dust waren richtig gut drauf. Ich hatte es nicht für möglich gehalten, dass Hannover so aus sich rausgehen kann. Sie waren mittlerweile auf die Crowd eingestellt und es fühlte sich deutlich härter, runder, gelassener an, was sie auf die Bühne stellten. Die Songs gingen gefühlt besser ins Ohr (obwohl sie sich gar nicht geändert hatten an und für sich und überhaupt). Silver Dust waren der perfekte Support für die zwei folgenden Kapellen, die folgten. Ich freute mich sehr, dass sich Silver Dust im Laufe der Tour sich eine eigene Base erspielt hatten. Und wozu?! Zurecht!

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Rotting Christ waren saugut. Ich hatte mich vorher intensiver mit deren Werk (vor allem deren “Hits” auseinander gesetzt, sodass ich mich nicht ganz so verloren in der ersten Reihe wieder fand. Ich mag den Oldschool Blackmetalsound. Ich liebe die Rhythmusfraktion und die hymnischen Werke. Allerdings störte mich an dem Tag etwas ganz derb … ich stand ja vorn beim Bassisten … und es gab keinen Abstand zur Bühne. Es waberte stetig ein intensiver Bassistengeruch zu mir, den ich weniger sexy fand. Ich habe dies über mich ergehen lassen, denn der Musik gab es keinen Abbruch. Ich hoffte nur imständig, dass es in München wieder einen Graben geben würde. 😉 … Sehr lobend möchte ich auch erwähnen, dass die Crew so eingespielt war, dass Umbaupausen nur maximal 15 min dauerten. Ich fand das recordverdächtig. Es hatte den Nebeneffekt, dass man dafür mehr Musik auf die Ohren bekam. Es gibt nichts Schlimmeres als sich schleppende Pausen zwischen Sets.

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Moonspell … halten wir fest, dass erstens technisch in Hannover alles stimmte … zweitens, dass man sah und spürte, dass das Heimweh schon arg da war … und drittens ein Track aus Sin Pecado gespielt wurde. Seufz … wie großartig. Die Show war länger als 1 1/2h lang. Ich hatte gefühlt das gesamte Konzert lang Pipi in den Augen. Ich war vollkommen emotional. Zudem hatte ich bereits in Hannover meine zweite Schlagzeugstunde schon hinter mir und ich bekam von Mike meine zweite “Reliquie” … einen zerschrammelten Drumstick. Ich war schon ein ganz kleines bisschen “im Himmel”. Mir war es Wurst, dass ich den Zug um 23:48 Uhr nach Hamburg verpassen würde. Ich versuchte nach dem Konzert mich zu orientieren … weil ich komplett hin und her gerissen war. Ich hätte glaube ich “durch” machen können. Wäre aber keine gute Idee gewesen. Ich habe natürlich mit FC Porto Shirt bei Crew und Band Aufmerksamkeit erheischen können. Sorry … 😉 (Nein, nicht wirklich). Als ich aus dem MusikZentrum gehen wollte, ist mir die Zufallsbekanntschaft vom Swallow the Sun Konzert entgegen gekommen. Ohne meiner Lobhudelei wäre er wahrscheinlich nicht bei dem Konzert gewesen. Er fand es aber richtig gut und meinte, er müsste sich noch in Moonspell reinhören, Rotting Christ wäre für ihn “einfacher zu verdauen” gewesen. Bin ich doch ein kleiner Influencer? Als ich aus der Halle raus war, habe ich zwei Männer angesprochen, um sie zu fragen, wie man am schnellsten zum Hauptbahnhof kommt … der eine war Portugiese und der andere meinte: “Ach was, bevor ich Dir das erkläre, fahre ich Dich schnell hin.” Geil, so hatte ich doch noch den 23:48 Uhr Zug erwischt. Problem war nur, dass er 20 Minuten Verspätung hatte und während der Fahrt nach Hamburg immer mehr drauf legte. Weswegen und warum, ist mir schleierhaft. Ich war 3 Uhr morgens im Bett. Ich wurde vom Wecker 5 Uhr 30 Uhr geweckt. Ich weckte aber mit einem seeligen Grinsen auf.

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München sollte das letzte Konzert der Tour sein und auch mein letztes Konzert der Tour. Mr T und Freundin Isabella wollten sich diesen Abend auch nicht entgehen lassen. Isabella hatte die Tickets besorgt. Mr T die Flüge und das Hotel. Das war alles schon von langer Hand voraus geplant gewesen. Nebenbei haben wir auch noch weitere soziale Kontakte gepflegt in München. Als wir Samstag ankamen, sah ich zum ersten Mal, wie das aussieht, wenn Föhn sich in diesen Sphären ankündigt. So eine Wolkenwand, die von Sonne weggeschoben wird hatte ich noch NIE, wirklich NIE, vorher gesehen. Am Morgen war es wirklich noch arschkalt. Am Sonntag war es rund 10 Grad wärmer. Kein Wunder, dass dann die Menschen komplett am Rad drehen. Mit Isabella waren wir Sonntag vor dem Konzert noch lang spazieren im Englischen Garten und fein essen im Wirtshaus in der Au (absolut zu empfehlen).

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Silver Dust … Mit Silver Dust konnten die Münchner irgendwie nichts anfangen. Ich hatte das Gefühl, dass das Bild von München mit all seinen Vorurteilen sich auch auf die Zuhörerschaft beim Metalabend zeigte. Man kehrte seine etwas snobistische abgehobene Art raus. Kennen wir nicht. Mögen wir nicht. Warum wollen die, dass wir mit denen auf der Bühne Späße machen. Wir sind nur für Rotting Christ oder Moonspell da. Ihr seid uns Wurst. Ich fand das ehrlich gesagt doof, aber ich habe mich einfach dann irgendwann nicht mehr umgedreht und es schien ja auch einigen ordentlich zu gefallen. Mr T gefiel es jedenfalls außerordentlich gut. Und der Band schien es auch nicht sonderlich zu stören. Sie machten routiniert ihr Set und ich feierte das Ganze derbe. Noch zwei Tage später hatte ich Melodien von Silver Dust im Kopf rumwabern.

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Rotting Christ waren routiniert einheizend. Ich hatte das Gefühl, dass das Publikum in München tatsächlich so eine Crowd war, die entweder für Rotting Christ oder für Moonspell gekommen waren. Das war bei den Konzerten in Hamburg und Hannover nicht so offensichtlich gewesen. Ich meine, ich war auch wegen Moonspell da, aber ich konnte mich sehr für Rotting Christ begeistern. Vor allem je öfter man sie sieht. Diesmal war auch der “Graben” wieder dazwischen und alles war gut mit meiner Luft. 😉 Ein Vorteil hatte die größere Rotting Christ Hardcore Fanschaft schon. Es ging ordentlich was ab im Publikum und nach dem Set durchmischte es sich in der Nähe der Bühne ganz offensichtlich. Sprechen wir aber bitte nicht von der merkwürdigen Lady, die mich kurz nach Einlass wegbeißen wollte, weil ich in ihrer Nähe stand. Man kann durchaus auch im freundlichen Ton evtl. “Gebietsansprüche” vor der Bühne klären, ohne pampig zu werden. Meine zweite Wahl an Platz war dann sowieso die bessere Wahl. Mit entspannten Rotting Christ Fans und einer exzellenten Sicht auf das Ganze Spektakel.

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Moonspell begannen erst ihre Show 22:15 Uhr. Für den geneigten Portugiesen keine fremde Zeit für Konzertbeginne, aber für den geneigten Deutschen, der zumeist am nächsten Abend arbeitet, ist das schon schwere Kost. Das Konzert war eine reine Uptempogassenhauerfinaltourshow. Ich habe es den Männern so gegönnt. Sie gaben echt alles (und ich auch … man hab ich “geölt” und hatte ich einen respektablen Metalnacken hinterher). Aber es war soooooo schön. Ich hätte durchaus mehr vertragen können.

IMG_8007Was mich richtig freute, war der Fakt, das der Merchandise Stand von allen Bands am Ende der Tour leer gefressen war. Es gab noch einzelne Shirts in lustigen Größen. Es gab noch wenige Vinylscheiben, feuchte Händedrücke vom Merchmann und das war es dann. Also es war durchaus nicht alles schlecht auf dieser 53 Tage Tour quer durch Europa. Ganz versöhnlich finde ich, dass diese Bands wirklich primstens zusammen passten. Ich habe mich mit Silver Dust und Rotting Christs Musik sehr gut anfreunden können. Beide Bands standen vorher nicht auf meiner Speisekarte. Ich freu mich auf ein baldiges Wiedersehen, wo auch immer unter welch widrigen / nicht widrigen Umständen auch immer. Ich kann nicht genug bekommen. Es ist mir immer eine große Freude Menschen zuzusehen, die gern auf der Bühne stehen und ihre Musik voller Enthusiasmus nach außen hin, transportieren. Das kaputte Mikrokabel vom Schlagzeug bei Moonspell tat zwar im ersten Song weh, aber das war an dem Abend auch egal.

Ach ja, bevor ich es vergesse … da war noch was … das herzliche Umärmeln von Mike am Flughafen und die Erklärung für Luis (Crew), dass ich wirklich keine Portugiesin bin. Ich freu mich schon auf 2020 … wenn Neues von Moonspell kommt.  Und nein, es gibt keine Heldenfotos von der Tour. Ich freu mich einfach nur, die Männer zu sehen und kurz zu herzen. Dann ist aber auch gut.

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Mehr Infos zu Silver Dust: Homepage / Tourtagebuch

Mehr Infos zu Rotting Christ: Homepage

Mehr Infos zu Moonspell: Homepage

Musik bestimmte meine letzten Monate [Rückblick]

Es gab Gründe für das erfolgreiche Nichtsposten im Blog. Ich fühl mich dabei auch ganz schrecklich dabei. Zum Einen hat mich die 6 Wochen lange dauernde fiese Sommergrippe länger beschäftigt als ich wollte und zum Anderen habe ich gedacht, dass ich mit dem vertraglichem Runtergehen in der Stundenanzahl ich etwas weniger arbeiten würde. Hat alles nicht geklappt. Zum Lesen kam ich auch kaum, weil der musikalische Overflow enorm war. ABER fangen wir ganz von vorn an.

AUGUST

38624535_2358516860825246_3542128763884011520_oAnfang August war ich beim Nachholtermin DER TOTEN HOSEN in Bremen gewesen. Und alles für Kumpel Bill (aus Edinburgh). Es war ein äußerst solides bier-und Bommerlunderseliges Konzert, aber ich habe gemerkt, dass solche Massenveranstaltungen nichts für mich sind. Deshalb wird man mich in naher Zukunft auch nicht mehr auf solchen Großveranstaltungen sehen. Weder “Einzelkonzert” noch Festival solchen Ausmaßes. Für mich ist das purer emotionaler Stress. DIE TOTEN HOSEN haben die Bürgerweide ordentlich gerockt, aber Punk war das nicht mehr. Sorry, die Hosen sind gediegener Mainstream mit links liberaler Message. Ach ja, noch eine Erkenntnis: Das letzte Mal hatte ich die Hosen live vor 22 Jahren gesehen. Sie und ich sind reifer geworden.

39894607_2389070094436589_8798837351691321344_oDanach sah ich noch zwei Veranstaltungen im Hafenklang. Zum einen die japanische Doom-Deathmetal Kapelle COFFINS, die mir gefallen haben und zum anderen der bezaubernde Abend mit HORROR VACUI aus Italien und CAVITY/SEARCH aus Hamburg, die mich beide musikalisch recht umgehauen haben. Denn ihre Musik geht im wahrsten Sinne vorwärts. Und schüchternes Mitwippen war das nicht möglich. Das ging ins Bein.

SEPTEMBER

40784126_2404620199548245_4955848211781648384_oIm September stattete ich am 1. Wochenende dem letzten Großen Ö den Besuch ab. Das Große Ö (Mittelalterliches Phantasie Spectaculum) war für Mr T und mich ein sehr einseitiges Vergnügen. Wir hockten nur vor den beiden Bühnen, wo sich nicht “tot” getrampelt wurde und wo man sich gepflegt unterhalten konnte UND wo nicht Black Ballermann zelebriert wurde. Wir beehrten mehrmals am Wochenende die Spanier CUÉLEBRE und die Weißrussen IRDORATH. Diese Bands machten Folkcrossover feinster Güte. Das hat Spaß gemacht den Bands zuzuschauen. Man nahm ihnen den Spaß an der Musik voll ab. Und dann ist es mir auch völlig egal welche Musik das ist. Überzeugungstäter gewinnen bei mir immer.

Dann hatte ich noch die Saisoneröffnung im Alleetheater, weil ich ja multimorbid interessiert bin. Es gab Rigoletto zur Eröffnung, mit ordentlich Mord- und Totschlag. Schön. Besonders schön find ich dies in dem kuscheligen kleinen Ambiente in Altona mit göttlichen Stimmen. Ich fand diese Inszenierung so toll, dass ich sie gleich zwei Mal sah.

Die Inszenierung war sehr scharf und doppeldeutig. Rigoletto, der seine Tochter als Püppchen behandelt und die sich von seinen Fesseln befreien möchte. Und wegen seines Verhaltens auch noch drauf geht. Schönes Theater.

DSCN2349Dann gab es im September auch noch das Ship of Doom auf der MS Stubnitz. Da waren insgesamt drei Bands beteiligt. Wovon mir nachhaltig SATORI JUNK im Ohr und in Erinnerung bleiben. Was diese Jungs da auf die Bühne gezaubert haben, war gewaltig, schwer, komplex und sehr schön und Doom war auch drin. Es war ein perfekter Soundtrack für meine damalige Gefühlswelt.

Dann kam da das alljährliche mittlerweile für mich 4. Sacrosanct Festival in Reading, UK. Für mich ist es mittlerweile ein sicherer Ort, wo ich viele bekannte Gesichter umärmeln kann, wo ich in angenehmer Runde auch Musik entdecken kann und es nicht schlimm ist, wenn man mal was nicht mag. (Passiert mir auch auf dem Festival). Längerfristig bleiben KADEADKAS, ARTICA und BURNING GATES im Kopf.

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OKTOBER

Ich sah am 8.Oktober zum zweiten Mal im Hafenklang ACID KING (USA) mit Vorband CHILD (AUS) und hatte nach dem Konzert einen echten Metallernacken … steif wie Titan vom Headbangen. Man war das geil. Und ja, ich kann das immer wieder haben. ACID KING sind großartig. Was diese Lady da gesanglich auf die Bühne setzt ist der Hammer. (Nein, hier gibt es keine Fotos. Manchmal lass ich die Kamera auch einfach mal zu Hause.)

43723140_2452927348050863_2910842062557413376_oAm 11. Oktober gab es drei Bands an einem Abend. SHE PLEASURES HERSELF (Portugal), TRAITRS (Kanada) und THEN COMES SILENCE (Schweden). Alle drei spielten ebenfalls im Hafenklang und ach Herrje … war das schön! Mr T war überbucht mit FISH (Ex Marillion) in der Fabrik. Er kam später noch hinzu, als Then Comes Silence ihr Set gerade anfingen.  She pleasures Herself konnten mich live leider überhaupt nicht überzeugen. 43951866_2452927738050824_577226931519356928_oIch verstehe deren Maskerade nicht. Das ist mir zuviel des Guten. Traitrs waren dafür umso bezaubernder. Ich musste gleich den kompletten Backkatalog kaufen. Manchmal erinnert es an The Cure, manchmal an The Smiths und irgendwie dann doch sehr modern im hier und jetzt und das Ganze dann auch noch zu zweit.

43750614_2452928318050766_1959974193424498688_oBei Then Comes Silence ging die Post ab. Die Jungs habe ich in diesem Jahr ja bereits zum dritten Mal live erleben können. Und immerwieder bin ich fasziniert von deren “Musikerersatzbank”, denn ich habe schon zwei mal erlebt, dass ein Originalmitglied der Band nicht aufspielen konnte und durch einen bandfremden, aber nicht unbekannten Musiker ersetzt wurde. Und alles flutschte, als hätte es nie etwas anderes vorher gegeben. Toll.

44522827_2465520896791508_5728383214808989696_oDanach ging es für ein Wochenende nach Leeds zum 3. Goth City Fest. Mr T und ich fuhren zum zweitägigen Mainevent des anderthalb Wochen dauernden alternativ gotischen Spektakels mit Lesungen, Gettogethers, Clubabenden etc. pp. Das Mainevent fand in den Wharf Chambers statt und war betitelt als “Season of the Witch”. Ich habe versucht dies mit meinem Outfit und meiner Aufgekratztheit zu spiegeln. 😉 Mr T und ich haben ehrlich gesagt erst die Tickets zum Festival gebucht, als SAIGON BLUE RAIN (FR) auf dem Line Up auftauchten. Wir machten aber mit unserem Erscheinen nicht nur den Franzosen große Freude, sondern auch dem Promoter und Veranstalter Joel Heyes. Die Stimmung in Leeds war laut Mr Ts Aussage so herzlich, wie früher beim WGW (wo er eine Woche später allein hinflog). Wir entdeckten schöne neue Sachen. SOMETIME. THE WOLF bleiben dabei wahrscheinlich am längsten hängen. ISOLATION DIVISION waren auch ganz toll und wurden ebenso gekauft. Leeds war für mich wie Urlaub. Nur liebe Leute um mich herum. Dazu noch den besten Comicladen der Welt (in dem ich innerhalb von 10 Minuten sehr couragiert 100 Pfund verbraten haben). Nur dieses Hotel war eine absolute Katastrophe. Es hatte einen Vorteil … man konnte sich bei den Umbaupausen auf das Hotelzimmer verziehen und dort sich frisch machen. Aber insgesamt war dies überteuert.

Das nächste Festival, was dann kam, fand in Hamburg im Hafenklang statt. Das war das New Dark Age Festival mit 4 Bands: SILENT EM, ASH CODE, ESCAPE WITH ROMEO und IN2THESOUND. Ich habe bewusst nur die ersten drei Bands gesehen. Für In2thesound war es mir zu spät und ich musste am nächsten Morgen zum Frühdienst auf Arbeit. Deswegen nur ein paar Worte zu den ersten drei Sachen. SILENT EM ist ein Einmannprojekt, was überzeugen konnte, aber wofür ich nicht freiwillig ein Album kaufen würde, weil ich Elektroniksachen mir lieber Live als auf Konsole anhöre. Ash Code habe ich endlich live gesehen, nachdem ich sie in Leipzig habe “sausen” lassen, weil die Location schlicht und ergreifend zu voll fand. Sie waren sehr sehr gut. Ich habe ihre Show genossen. Escape with Romeo haben das Hafenklang ordentlich gerockt und konnten begeistern. Für mich ist diese Band eine echte Konzertband und ich bin ganz traurig, dass es ihre letzte Tour ist. Naja, reife Männer halt.

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NOVEMBER

45875616_2496574753686122_4631478816865255424_oIm November bin ich dann für ein Wochenende nach Bochum gefahren, um mir die Solar Lodge Convention anzuschauen, wo LA SCALTRA, YOUR LIFE ON HOLD, AEON SABLE und MERCIFUL NUNS aufspielten. Es war noch mal Gelegenheit Aeon Sable anzuschauen vor dem Konzert in Hamburg, welches Mr T und ich organisiert hatten (1.12.2018) und ganz nebenbei endlich mal wieder Lydia zu treffen. 46093271_2496578163685781_2078043269593300992_oBeides war eine richtige Entscheidung. Ich habe die Shows von Your life on hold und Aeon Sable sehr gemocht. La Scaltra waren mir zu ruhig für diesen Abend (auf Scheibe find ich sie unverschämt gut) und zugegebener Maßen mochte ich noch nie Merciful Nuns. Für diesen Mädelsabend war es eine schöne Sache, die sehr nach Wiederholung schreit.

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Außerdem gönnte ich mir noch im November Richard Wagners Götterdämmerung in der Staatsoper, bei der sämtliche emotionale Dämme bei mir gebrochen wurden. Ich hätte nicht geglaubt, dass mich so eine Stimme, wie die von Lise Lindstrom, mich so umhauen könnten.

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Der DEZEMBER begann mit einem Paukenschlag, auf den Mr T und ich ein ganzes Jahr lang hingearbeitet haben, also promotionmäßig. Unsere Nerven lagen blank, aber wir wurden belohnt mit einem wunderschönen Konzertabend im Logo. Es kamen 84 zahlende Gäste. Man sah zu 99% strahlende Gesichter. Und über diesen Abend müssen andere Menschen berichten, denn sonst klingt das zuviel wie Selbstbeweihräucherung. Dabei haben doch die Künstler gearbeitet. Sprich AEON SABLE, NU:N und SONIC BLACK HOLES. Wir haben nur für den Rahmen gesorgt. So und nur wisst ihr alle bescheid, was so los war in den letzten Wochen. Kulturarm war es jedenfalls nicht.

Devi under the spell – meine innige Beziehung zu Moonspell

Das dies jemals so ausarten würde, damit konnte ja keiner rechnen, als “Extinct” erschien und mich unmissverständlich umwarf. “Extinct” war 2015 das Album, welches ich am meisten neben Paradise Losts “The Plague within” hörte. Es war das richtige Album zur richtigen Zeit.

IMG_713520 Jahre zuvor hatte ich schon eine innige Hörbeziehung zu Moonspell aus Portugal. Meine damalige Brieffreundin Curry war nicht nur verliebt in mich (was sich nach anderthalb Jahren als emotionaler Fallstrick herausstellte), nein, sie war auch überzeugter Moonspell Fan. Die damals noch liebevoll zusammengefriemelten Kassetten wurden mit dem ein oder anderen Song der lusitanischen Katern gefüllt. Mit Beendigung der Beziehung und mit exzessivem Genuss von deutschsingenden Folkmetallern verlor ich Moonspell aus dem Blick, wobei ich das zu unrecht unterbewertete “Butterfly Effect” Album sehr mochte.

2015 spielten Moonspell im Frühjahr in Hamburg. Ich besaß ein Ticket und ich habe mich nach dem Frühdienst nur mal kurz hingelegt, um fit für das Konzert zu sein, aber leider hatte ich es sprichwörtlich verschlafen.

Zum WGT standen sie auch auf dem Line Up. Das passte, da wollte ich sie keinesfalls verpassen. Nur leider hatten wir (Mr T und ich) im Überschwang der Gefühle in dem Jahr für 3 Abende Karten für die Oper gekauft, um Wagner zu glotzen. Am Moonspell Abend stand “Das Liebesverbot” auf dem Plan. Bevor wir in die Stadt am Vormittag gingen, sah ich bereits in der Lobby einen Teil der Jungs (Aires und Pedro) mit der Kiste Merchandise sitzen und ich bekam leichte Gebärmutterzuckungen. Zitat Mr T: “Finger weg, die sind vergeben.” Schock schwere Not, Moonspell waren im selben Hotel wie wir untergebracht. Das musste ich erstmal verdauen. (Vermutlich in dem Jahr bei Spargel und Kartoffeln in Auerbachs Keller). “Das Liebesverbot” von Wagner ist ein Frühwerk. Es ist eine der Opern, die Wagner nie in Bayreuth bei seinen Festspielen aufgeführt haben wollte. Nach dem ersten Akt wusste ich auch warum. Bei der Overtüre gab es ein Percussionsgewitter, so mit Kastagnietten, Cymbeln, Triangeln und Co. Das Motiv klang auch äußerst vielversprechend und ich bin davon ausgegangen, dass genau das passieren würde, wie in allen anderen Wagner Opern, die ich vorher gesehen hatte, dass das Motiv ausgewälzt würde bis zum Geht nicht mehr. Nein, dies passierte nicht. Die Rhythmusfraktion mit interessanten Instrumenten packte komplett ihr Instrumentarium nach der Overtüre ein und verschwand aus dem Orchestergraben und war daraufhin nicht mehr gesehen. In der Pause, sagte ich dann zu Mr T und unserer Freundin Isabella: “Sorry, das tue ich mir nicht mehr weiter an. Ich fahre jetzt zu Moonspell und ich will sowieso auch noch Fields of the Nephilim sehen.” Ich habe es echt getan … ein Sakrileg. Ich verschwand nach dem 1. Akt aus der Oper. Das war aber die richtige Entscheidung.

Ich kam mit Taxi zum Kohlrabizirkus genau zu dem Zeitpunkt, wo die Menschen aus der Halle rausgespült wurden und ich locker flockig in die Halle konnte. Ich suchte mir ein Plätzchen neben dem Mischer (und im Nachhinein hätte ich auch liebend gern die Show von vorn gesehen, aber ich wollte, dass mich Mr T später noch finden kann). Moonspell waren großartig. Die Jungs sind absolute Entertainmenthasen. Du siehst, dass sie Bock haben und was ich besonders schön fand, war ihre Überzeugungsleistung Extinct ist ein geiles Album, deswegen spielen wir auch die meisten Songs vom Album und nicht so eine Retrospektive Festival Gassenhauer Songauswahl. Das machen nicht viele Künstler. Ich fand das äußerst sympathisch. Ganz davon abgesehen, dass Extinct zahlreiche Gassenhauer auf Lager hat. Am Mischer war auch der Sound großartig. Ich habe alles gesehen und genossen.

Nach Moonspell leerte sich die Halle wieder und ich bekam einen fast panischen Anruf von Mr T, weil er Gerüchte hörte, dass keiner mehr in die Halle könne, weil sie überfüllt sei. Dies stimmte aber nicht. Ich sagte, wo ich stehe und Mr T sollte Geduld haben, bis es reinging. Wir fanden uns nach 10 Minuten warten und genossen Fields of the Nephilim vom Mischer aus (wo lustigerweise ein paar Moonspell Jungs Belegfotos machten und zum Hören auch vorbei kamen). Es hatte sich voll gelohnt. Und später noch im Hotel konnten Mr T und ich den Jungs noch persönlich sagen, wie wir das neue Album und respektive ich die Show fanden. Das tat gut.

IMG_9010Als kurze Zeit später bekannt wurde, dass die drei Alben Wolfheart, Irreligious und Extinct an einem Abend auf die Bühne exklusiv gebracht werden sollten, war ich Feuer und Flamme. Mr T kaufte Tickets für die Show in Guimarães und wir flogen für 3 Übernachtungen nach Portugal, um diesem Ereignis Zeuge werden zu können. Das war Anfang Dezember 2016. Ich erinnere mich, dass wir zum Nationalfeiertag in Porto landeten. Und die Vitalität der Stadt uns schwerst imponierte. Wir verliebten uns bei diesem kleinen Ausflug nach Portugal sofort in Land und Menschen. Und wir wurden Wiederholungstäter, denn nicht einmal ein Jahr später waren wir wieder in Portugal. Dieses Mal in Lissabon bei den Premierenabenden des Albums 1755 in Lissabon. Es war ein absoluter Traum. Lissabon ist so eine schöne Stadt und die Konzerte waren Zucker für meine Seele. Danach war ich wie im Rausch und habe mir auf der Festlandeuropatour noch 4 weitere Shows angeschaut. Inklusive dem kuscheligen schneeverwehten Auftritt in Flensburg. Danach fing ich sofort an einen Portugiesischlehrer für mich zu finden. Leider bisher vergebens.

22730345_1953888071288129_9096548485053960958_nDie Show der drei Alben Wolfheart, Irreligious und Extinct in Guimarães war quasi die Generalprobe für die Lissabon Show im Februar 2017. Ich war erstaunt, wie gut der Sound in der Multifunktionshalle war. Ich kann mich erinnern, dass wir beiden mit Tribünenplätzen ausgestattet diesen Abend komplett feierten. Ich poste, tanzte, sang so sehr mit, dass ich mich bei den Platznachbarn dafür tatsächlich entschuldigte. Mr T versorgte mich regelmäßig mit lokal üblicher Flüssigkeit. Man kannte ihn nach dem dritten Mal Anstehen am Stand. Bei dem Konzertabend  entstand auch dieses Bild, welches für ein Tourposter für Spanien herhielt. Das bin ich. Unverkennbar meine Silouette. Ich hatte innerlich gehofft, dass eine DVD dazu entstehen würde und war umso erfreuter, als ich über die Lissabon Show erfuhr, zu der Mr T und ich dann nicht auch noch hinfuhren. Irgendwann müssen wir beide tatsächlich doch noch arbeiten. Aber wir beide sind solch Menschen, die sich die “Lisboa under the spell” Box vorbestellten, um sie am Erscheinungstag sehen (und hören) zu können.

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Dieses Werk enthält neben der kompletten Show mit allen drei Alben und einem sehr liebevollen Dokumentarteil der Band vorneweg (quasi als Making Of) , noch das ganze zusätzlich als Blue Ray Disc und alle drei Alben live auf CD. In diesem Werk steckt echt eine ganze Menge Liebe. Liebe für die Musik, Liebe für das eigen geschaffene Werk und Liebe zum Detail.

Die Dramaturgie einer Moonspell Live Show ist schon in real was echt Großes und vollkommen frei von Pathos … 😉 … aber die Regie und die Bildauswahl beim Konzertmitschnitt ist sehr gelungen. Man merkt, dass die Menschen, die das Konzert hinterher bildmäßig geschnitten haben, wussten wie man erstens mit Moonspells Musik umgeht und zweitens kannten sie die Songs. Anders kann man nicht erklären, dass passgenau Basssolis, Entertainment am Keyboard oder Totalen auf Fernando zielgenau passten. Was leider nicht passte (zumindest auf der DVD), hatten Mr T und ich das Gefühl, war die Mischung des Tones. Auf den CDs war und ist es deutlich besser gemischt. Ein Liebhaber der Musik und der Jungs kann dies aber gern verschmerzen. Ich kann leider nicht für die Mischung auf der Blue Ray sprechen, weil ich keinen Blue Ray Player besitze.

Was ich ganz putzig finde ist, dass Fernando bei dem Konzert ja ganz schön viel labert. Abgesehen davon, dass ich Portugiesen auch beim Telefonbuch vorlesen gern zuhören würde, hab ich echt das Gefühl, dass ihm und der Band dieses Konzert echt am Herzen lag. Das sieht man und das hört man. Diese Menschen stehen dafür, was sie auf der Bühne machen. Weniger Quasseln hätte es auch getan, aber das wäre dann nicht mehr so herzlich und authentisch gewesen. In Guimaraes hat er nämlich nicht so viel geredet. In Lissabon musste das wohl sein.

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Obrigada Jungs, ich mag Euch.

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“Lisboa under the Spell” ist am 17.08.2018 erschienen.