Montagsauslese 3/2020

In der letzten Woche habe ich definitiv mehr gelesen als in der Woche zuvor. Aber musikalisch war es trotz alledem für mich gewesen.

83105023_3266430236700566_601252772414750720_oIch war beim Konzert von THE FOREIGN RESORT im Goldenen Salon am Donnerstag. Das war großer Spaß. Es war mein Geburtstagsgeschenk von Freunden gewesen und es hat sich wirklich richtig gelohnt.  Ich freu mich jetzt schon auf das “Dark Skies over Witten” im März, bei denen ich die dänischen Jungs wieder sehen kann. Dieses Mal dann mit meiner besten Kumpeline Lyd.

Was ein Konzert von The Foreign Resort stets ausmacht?! Diese Jungs haben Bock auf der Bühne zu stehen. Sie machen Späße. Ihre Musik langweilt nicht. Zu keiner Sekunde UND ja, es ist halt feinster reudiges Gitarrengeschrammel mit wundervollem echten Schlagwerk.

Am Samstag war ich mit Mr T in der Staatsoper und habe eine Aufführung des Hamburg Balletts gesehen. Es standen die “Bernstein Dances” auf dem Plan.

Eine Hommage auf den Musiker Leonard Bernstein. Mit seiner Musik und eben Tanz. Es war ein sehr schöner bunter Abend. Und ich kam zur Erkenntnis, dass ich vielleicht doch noch mal irgendwann mir Candide komplett anschauen sollte. Und West Side Story ist sowieso toll. Ich fand die beiden Sänger großartig und der Fakt, dass Marc Bouchkov an der Violine war und Sascha Trusch tanzte, war noch viel besser.

Gelesen in der letzten Woche: Da war Musik drin. DIe Bücher steckten voll Poesie und in einer Menge der Bücher wurde sich mit dem Tod beschäftigt.

Nr 11: RICARDO S. AMORIM “Wolves who were men”: Dies ist die Moonspell Biografie. Sie ist unfassbar emotional und bewegend geschrieben. Irgendwie leidet man als Leser ganz schön mit den Musikern und den “Auf und Abs” in der Bandgeschichte mit. Einerseits kann es einem schon das Herz zerreißen, andererseits muss man lachen. Das schöne an der Bandbiografie ist, dass man dieses Buch auch lesen kann, ohne Fan der Band zu sein oder Spezialist im Metalgebiet zu sein. Denn es geht hier vor allem sehr um Menschliche Dinge. Und komische Dinge im Musikbusiness gibt es in jedem “Genre”. Ich kann das Buch nur empfehlen.

Nr 12: CRAIG DYER “The Devil in me & in all the rest”: Craig Dyer ist Sänger der Band “The Underground Youth”. Dieses Buch ist ein Band mit Poetry und Lyrics. Ich habe sie gemocht, aber das, was ich an Poetrie immer sehr mag bzw. mir wünsche, ist die Melodie der Worte oder richtige Emotionalität, die mich bewegt. Dies hat mit den meisten der Stücke nicht funktioniert. Ich weiß nicht warum dies so war. Dies wird aber die Liebe zur Musik von The Underground Youth nicht schmälern.

IMG_8134Nr 13: AL BERTO “Salsugem – Salz” & Nr 14: AL BERTO “Garten der Flammen”: Die zwei Bände sind gefüllt mit Gedichten von Al Berto (1948 – 1997), einem portugiesischem Autoren, Vertreter des Surrealismus. Die Geschichte befassen sich sehr mit seinen Gefühlen, dem Tod, der Liebe. Mit Salz konnte ich anfangs icht so viel anfangen. Ich war noch etwas von dem Übersetzungsstil (mit Kleinschreibung auf Deutsch) überfordert. “Garten der Flammen”dagegen, der Gedichtband, den Al Berto kurz vor seinem Tod geschrieben hat, hat mich schwer bewegt und mitgenommen. Die Zeilen sind sehr morbide, melancholisch, auf das Leben zurück schauend.

Nr 15: SUE BLACK “All that remains”: An diesem Buch habe ich mächtig geknabbert … und vor allem lange geknabbert. Es sind die Aufzeichnungen der Forensikerin Dame Sue Black. In dem Buch geht es sehr viel um Tod, in jeder Form, die man sich vorstellen kann. Es geht um den Umgang mit den Toten. Es geht um die Arbeit als Forensikerin im Kriegsgebiet (Kosovo). Es ist ein runum menschliches Buch, denn der Tod gehört zum Leben dazu. Ich bin sehr froh, das Buch gelesen zu haben.

Nr 16: OLIVER SACKS “Alles an seinem Platz”: Dies ist das vermutlich letzte Buch, was im Namen von Oliver Sacks veröffentlicht wurde. Oliver Sacks ist 2015 verstorben und mit ihm ist ein sympathischer Neurologe gegangen. Sacks ist für seine Fallgeschichten berühmt geworden. In “Alles an seinem Platz” sind neben letzten Fallgeschichten auch Essays zu anderen Themen platziert. Sie sind allesamt sehr klug und gefüllt mit gefährlichem Halbwissen. Die Leseliste für mich wurde sehr viel länger nach dieser Lektüre. Ich habe das Buch letzte Woche gekauft, weil ich an keinem Oliver Sacks ungesehen vorbei laufen kann. Ich bin ein Sacksjünger.

Gekauft oder geschenkt bekommen habe ich:
Neu Nr 10: AKSEL SANDEMOSE “Ein Flüchtling kreuzt seine Spur” (mein letztes Geburtstagsgeschenk). Das Buch wollte ich schon letztes Jahr selbst kaufen und habe es dann irgendwie aus dem Blickfeld verloren. Um so glücklicher bin ich, dieses Buch jetzt geschenkt bekommen zu haben.

Neu Nr 11: OLIVER SACKS “Alles an seinem Platz”

Montagsauslese 1 / 2020

Monatsrückblicke finde ich anstrengend und halte ich nicht durch und sind zudem meist sehr unübersichtlich für mich, deswegen möchte ich mal schauen, ob ich das schaffe über meine Bücher des Jahres durchgehend kurz was zu schreiben in Wochenabstand … Deswegen ab sofort hier … jeden Montag.

folgende Bücher habe ich beendet:

Buch 1: ROBERT WALSER “Maler, Poet und Dame” Aufsätze über Kunst und Künstler: Abgesehen davon, dass ich mich beim Kauf verlesen hatte und Martin Walser glaubte, gekauft zu haben, waren die Aufsätze recht unterhaltsam mindestens zur Hälfte. Diese großen Ausschweifungen über Goethe und Schiller hätte es für mich nicht gebraucht, aber die Lobhudelei zu Dickens, Hauffs Märchen und Onkel Toms Hütte fand ich ganz toll.

Buch 2: WASSILY KANDINSKY “Vergessenes Oval”: Das ist Lyrik von Kandinsky aus seinem Nachlass … ein bissl zu schräg für mich. Also zu dadaistisch und / oder / bzw. auch substantivistisch geprägtes Kauderwelch. Ich bin ja durchaus sehr empfänglich für metaphysische Sachen, aber beim Kandinsky bin ich ausgestiegen. Trotzdem ein schönes Buch, wegen der Illustrationen und weil es eben was ist, was man erst entdecken muss. Aber KEINE AHNUNG, ob ich noch einen weiteren Kandinsky je lesen mag.

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Buch 3: JOSÉ LÚIS PEIXOTO “Das Haus im Dunkel”: Mein bisheriges Highlight des frischen Jahres 2020. Dieses Buch ist so dermaßen brutal und poetisch gleichzeitig, dass ich erst nichts damit anfangen konnte und ab dem dritten Kapitel ich es nicht mehr aus den Händen legen wollte. Es ist für meine Interpretation eine Metapher auf die Verrohung der Welt und Verstümmelung der Gefühle und die Machtlosigkeit Liebe, Fürsorge und Wertschätzung für Mitmenschen und Mittiere in der heutigen Zeit zu zeigen. Auch wenn ich das Buch schon vor 3 Tagen beendet habe, so beschäftigt es mich nach wie vor. Dazu demnächst mehr in einer “Einzelbesprechung”.

Buch 4: DANIEL MENDELSOHN “Eine Odyssee – Mein Vater, ein Epos und ich”: Kann ich bitte jetzt auf der Stelle meine Odyssee rauskramen und sie noch mal zusammen mit diesem Buch lesen?! Es macht soviel Sinn jetzt im Nachhinein betrachtet. Ich hätte mir für manch anderes Heldenepos so eine leicht bekömmliche Handreichung (schon zu Schulzeiten) gewünscht. Also für alle, die Homers Odyssee noch nicht gelesen haben, legt Euch dieses Buch daneben.

Buch 5: FLORANT SILLORAY “CAPA – Die Wahrheit ist das beste Bild”: Ich bekam dieses Buch geschenkt, weil ich Graphic Novels mag und auch desöfteren biografisches lese. ABER, über Capa habe ich bereits schon einen richtig guten Roman im vorletzten Jahr gelesen und irgendwie stellte ich fest, gibt die Graphic Novel leider nicht viel Neues her. Passend fand ich, dass die Panels im “Reporterstil” sind, aber das macht die Lesart auch auf Dauer etwas ermüdend, weil langweilig und nicht packend. Es ist leider nur eine reine Faktenaneinanderreihung.

Buch 6: OLGA TOKARCZUK “Unrast”: Ich bin noch ganz ergriffen von dem episodenhaften rastlosen Roman. Notiz an alle Freunde … ihr dürft mir Tokarczuk Romane schenken. Ich kauf nichts nach. Das überlasse ich Euch.

Buch 7: TARJEI VESAAS “Das Eis-Schloss”: Dieses Buch ist ein totales Winterbuch. Es ist voller Kälte und gleichzeitig Warmherzigkeit. Ein Kind, was ein nicht genauer beschriebenes Schicksal erfahren hat, kommt neu in einen Ort und dann verschwindet dieses Kind. Das Dorf sucht nach ihr … mehr ist es eigentlich nicht, aber es ist wunderschön geschrieben.

folgendes Buch habe ich abgebrochen

Buch 8: VICTOR POUCHET “Warum die Vögel sterben”: Ich bin auf Seite 89 fertig mit dem Buch. Ich möchte keine Flusskreuzfahrtsreise mit komischen Typen an Bord lesen. Ich möchte nicht lesen, wie ein Kerl … in dem Falle der Protagonist, einer Frau, die er scheinbar mag, als Kompliment “Du bist so schön, wie das Leuchten eines AKWs in der Nacht” sagt. Was für ein elender unsympathischer Romantiker. Ich habe diesen komischen Pianisten schon jetzt gefressen … und ehrlich gesagt, will ich NICHTS zu dem Vater des Protagonisten mehr wissen (noch gab es da nicht viel zu lesen UND ich glaub auch nicht, dass dieses Buch noch irgendetwas zum Thema des Grundes für das Vogelsterben ans Licht führt. Es interessiert mich nicht. Ich habe kein Problem mit langsamen Erzähltempo, aber mit Typen, die mir unsympathisch sind ohne Ende, wo die Story irgendwie ins Nichts zu führen scheint, mag ich nichts anfangen. Ich wollte echt dieses dünne Buch fertig lesen und dem Romandebütanten ne Chance geben, aber der eine Stern ist nur für die schönen Illustrationen der Piepmätze auf dem Schutzumschlag.

Ansonsten …
ich habe 6 Bücher zum Geburtstag geschenkt bekommen, davon bereits 3 gelesen.
Die anderen drei sind:
NEU 1: JOHAN HARSTAD “Max, Micha und die Tet-Offensive”
NEU 2: THOMAS PLETZINGER “The Great Nowitzki”
NEU 3: ANIKA DECKER “Wir von der anderen Seite”
und heute noch dazu geschenkt
NEU 4: RICARDO S. AMORIM “Wolves who were men – the history of Moonspell”

und der innige Wunsch neben Büchern, die ich neu anfange zu lesen den Stapel an angefangenen Essaybänden und Sachbüchern etwas zu verringern. Es ist bei mir etwas im Jahr 2019 ausgeartet.

Meine erste unvollständige Lesewoche fand ich ganz anständig. Das kann so weitergehen.

John Marr und andere Matrosen [Herman Melville]

Herman Melville (1819 -1891) ist uns allen bekannt durch sein Überbuch “Moby Dick”, welches man mögen kann oder nicht. Ich gehöre zu den Menschen, die Moby Dick feiern. Zu Melvilles Lebtagen hat seine Bekanntheit und seine Wichtigkeit in der Literaturwelt immer mehr abgenommen in den USA. Aber er hatte in in UK Freunde und Bewunderer und mit denen hielt er Kontakt, insbesondere mit William Clark Russell. Er ist wahrscheinlich der Autor, der den ersten Seefahrtsroman geschrieben hat (The Wreck of Grosvenor … ich würde gern dieses Buch in meiner Seefahrtsbibliothek besitzen) …

Das Buch “John Marr und andere Matrosen” wurde von Herman Melville wurde mit einer Zueignung zu William Clark Russells begonnen, in der Melville seine Bewunderung ihm gegenüber zeigte. Er hat ihn auch dazu bewogen für die UK Freunde dieses Büchlein zu veröffentlichen mit kleinen Stücken gemischt aus Prosa und Lyrik. Dieses Buch wurde 3 Jahre vor Melvilles Tod anonym in einer 25 Stück Auflage veröffentlicht. In Deutsch wurde dieses Buch erstmalig 2007.

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2008 wurde das Buch beim Mare Verlag veröffentlicht, aber diese Ausgabe ist vergriffen. In diesem Jahr wurde es neu veröffentlicht in der schnieken leinengebundenen im Schuber Ausgabe. Es musste dringend zu mir.

Im ersten Teil werden John Marr und andere Matrosen in kurzen Stücken portraitiert. Es sind Männer, die mit Herz und Hirn Seemänner waren. Welche die Sehnsucht nach der See haben. Welche, die mit der Industrialisierung und dem Raubbau an der Natur hadern. Welche, die mit dem Alleinsein und dem Leben an Land nicht klar kommen. Welche, die den Sezessionskrieg nicht verstehen und irgendwie alles zusammen. John Marr ist so einer, er hat nach seiner Seefahrerzeit sich in der Prärie niedergelassen und hatte dort Frau und Tochter, die aber kurze Zeit später verstarben. Mit den Bewohnern des Ortes kam John Marr nie klar. Sie leben zwar in der Weite der Prärie, aber kommen recht engstirnig daher und mit John Marr können sie auch nichts anfangen. Marr fühlt sich sehr allein. Die Wogen des Windes in den Präriefeldern erinnern John Marr an das Meer und er ist über die wachsenden seelenlosen Städte in der Weite des Landes traurig.

“Auf See: Flotten machen sich kampfbereit,
Und der Mensch, Opfer und Täter zugleich, segelt auf Leid.”

(aus "Die Kieselsteine, Vers IV, Seite 98)

In Melvilles Seestücken (Teil 2) liest man die große Liebe zur rauen See. Zur Ursprünglichkeit und Macht der Natur. Melvilles Lyrik beschäftigt sich auch mit den Seeschlachten des Sezessionskrieges. Es sind brutal morbide Stücke. Melvilles Haltung zum Sezessionskrieg ist herauszulesen und in den Stücken ist nachzuvollziehen, dass das Seefahrerleben mit dem Einzug von Maschinen nicht mehr viel mit der romantisierten Haltung von Heldentum, Tapferkeit zu tun hat. Dies bedauert Melville in seinen Stücken.

Meine 10 Cents: Ich mochte den kritischen Unterton zum Morden im Sezessionskrieg. Das Nachdenken über den Raubbau an der Natur und dem Einzug der Maschinerie (auf dem Land wie auch auf See) und dem damit einhergehenden Verlust am Handwerk, auch wenn Melville nicht den Begriff Handwerk nutzt. Ich kann die Sehnsucht zum Meer und zur Küste sehr nachvollziehen. Es gibt einen Grund, warum ich im Norden lebe. Für mich war und ist dieses Buch ein großes Stück Kurzweil und ich kann mir vorstellen dieses Buch immer mal wieder in die Hand zu nehmen.

ISBN: 978-3-86648-615 (erschienen 2019 beim mare Verlag, Hamburg)

Wie man ein Buch liest [Mortimer J.Adler & Charles van Doren]

Ich weiß durchaus noch, wie man ein Buch liest, jedoch weiß ich nicht mehr, wie man bloggt. Es mag mir nicht mehr gelingen, mich auf das Bloggen zu konzentrieren. Zuviele Dinge schwirren mal wieder in meinem Kopf herum und irgendwie mag ich auch nicht sinnfrei den Platz hier füllen. Ich schreib nur dann, wenn ich was zu schreiben habe.

Das letzte beendete Buch war: “Wie man ein Buch liest” von Mortimer J. Adler und Charles van Doren.

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Dieses Buch beschäftigt sich in der von den beiden Männern beschriebenen und erklärten Methodik, wie man AKTIV ein Buch liest.

Dabei werden in mehreren Teilen die Herangehensweise des Lesens und des aktiven Lesens im Besonderen erklärt und zwar so, dass man geradezu dies (also ich zumindest) sofort an allen kommenden Büchern anwenden mag.

Ich werde diese Methodik an dieser Stelle nicht erläutern, denn das Buch kann dies viel besser und ich bin nicht der geübte “Rezipient” von Sachtexten. Allerdings konnte ich beim Lesen des Buches sehr erfreulicher weise feststellen, dass ich schon rein intuitiv, obwohl mir das nie jemand so schön erklärt hat, wie in diesem Buch, vieles richtig mache beim Lesen.

Beispielsweise bin ich ein Verfechter vom Klappentext und Vorwort / Nachwort / Indexlesen. Viele Klappentexte von Sachbüchern und Belletristikwerken geben zwar neuerdings hauptsächlich Lobhudeleien her, aber in vielen erhält man auch schon eine knappe Quintessenz des Werkes mit wichtigen Aussagen, die mir als Leserin durchaus helfen, sich für das Buch beim Kauf zu entscheiden beziehungsweise um so lieber am Buch dran zu bleiben.

Ebenso mag ich es Bücher zu lesen, bei denen ich ganz gern mal nicht sofort alles verstehe. Das Verständnis kommt mit dem Durchhalten und reflektieren des Gelesenen Stoffes (Beispiel dafür sind die Opus Magnum Werke von David Foster Wallace). Ich muss beim Lesen stets gefordert werden, sonst macht mir Literatur keinen Spaß. Wahrscheinlich lese ich deswegen auch sehr viel lieber sogenannte “Reiseliteratur” (aus der romantischen Epoche) und Sachbücher. Und Belletristik ist zumeist Gegenwartsliteratur mit einer Spur Metaphysik, Sozialkritik und Sarkasmus vereint. Wenn schon, denn schon. Bücher zur reinen “Berieselung” haben mir noch nie Spaß gemacht. Und nach der Lektüre dieses praktischen Buches, weiß ich auch, warum. Denn reine Unterhaltungsbücher schaffen es nicht, mich aktiv lesen zu lassen. Ich blende dann das “denken” ab. Es fordert mich schlicht und ergreifend nicht. Ich lerne nichts dabei. Wenn Sprache mich nicht fordert und der Inhalt noch viel weniger, ist es einfach nur grausam langweilig für mich (und reine Zeitverschwendung).

Deswegen auf zu neuen Ufern, ich muss neuen Input haben, mit spannender Literatur und ich fühle mich bei meiner Buchwahl nach diesem Lesequickie bestätigt.

P.S.: Dieses Buch hätte ich gern schon zu Schulzeiten oder zu Studiumszeiten gelesen, das hätte so einige Sachen in meinem Leben stark vereinfacht.

ISBN13: 9783963180194 erschienen bei Zweitausendeins 1.8.2018

Faszination Poesie

Ich habe in den letzten Monaten verstärkt Lyrik genossen. Dabei ist es mir vollkommen gleich, wer die Gedichte geschrieben hat und wann die Gedichte geschrieben wurden, geschweigedenn, ob sie von einer Frau oder einem Mann oder einem Transgender Menschen geschrieben worden. Mir ist es auch egal, wo die Gedichte zuerst veröffentlicht worden, denn ich entdecke sie sowieso meist nur analog im Buchladen in gedruckter Form. Dies ist dann allerdings auch möglich in Zines, Anthologien oder als echte autorengebundene Bände.

Es gibt Momente, in denen uns alles ermüdet, sogar das, was zu unserer Erholung beitragen sollte. (Fernando Pessoa)

Was alle Gedichte jedoch gemein haben müssen, um mich zu beeindrucken, beziehungsweise mich begeistern zu können … sie müssen mich beim kurz hineinblättern im Laden ansprechen. Dies kann ich allerdings nicht genau beschreiben. Das ist wie in der Musik. Wenn die richtige Resonanzfrequenz getroffen wird, dann lässt es mich nicht los. Es ist vollkommen gleich, ob es kitschig wird oder sehr dramatisch. Es muss mich berühren. Wenn dann auch noch die Autoren der Gedichte megamäßig übertreiben in alle Richtungen und dies nur mit wenigen Worten überzeugend vermögen, dann bin ich hin und weg. Ich muss mit wenigen Worten verstehen können, was sie bewegt. Pure Naturbeschreibungen beispielsweise find ich gar nicht berührend. Da lese ich lieber Sachbücher.

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Mein liebster Poet ist FERNANDO PESSOA. Ich liebe auch die Lyrik von ROSE AUSLÄNDER. Beide Autoren sind auf verschiedene Art und Weise frustrierend schön, wobei Pessoa mit seinen Heteronymen noch einen drauflegt, weil alle Heteronyme unterschiedliche Schreibstile haben. Alle Heteronyme sich mit unterschiedlichen metaphysischen frustrierenden, politischen, tief psychologischen Dingen beschäftigen. Sie betrachten den Menschen, seine metaphysische Umwelt, die “anderen” und Natur im Kontext mit dem Menschen der in ihr ist. Man wird beim Lesen echt gefordert. Das liebe ich.

Diese kurzen Gedanken über Poesie und meine Gefühle sind nur ein kurzes “Lebenszeichen” von mir auf dem Blog. Ich habe in den letzten Monaten echt viel Lust zum Bloggen gehabt, aber immer keine Zeit gefunden. Das tut mir für meinen Blog leid, zudem ich weiß, dass er besucht wird. Das find ich auch faszinierend.

Empfehlung von mir als Pessoa Start: Gesammelte Gedichte von Álvaro de Campos

 

Manhattan Beach [Jennifer Egan]

Die aktuelle PEN America Chefin Jennifer Egan war beim Harbour Front Literaturfest in Hamburg und stellte ihr neues Buch “Manhattan Beach” vor. Ich war auch da. Alle Bücher, die ich bisher von Jennifer Egan gelesen habe, hatten mir sehr gut gefallen, deswegen legte ich sehr viel Vertrauen in das Buch. Meine Ausgabe ist sehr originell mit der Widmung und dem süß verkorksten Namen von mir.

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Die Lesung auf Cap San Diego war sehr schön. Das Schiff hatte zudem noch einen unmissverständlich schönen Link zur Story von Manhattan Beach. Egans neuer Roman spielt in New York der 30er / 40er Jahre während des zweiten Weltkriegs. Der Leser begleitet die Protagonistin Anna. Anna begleitet zum Beginn des Buches ihren Vater, den sie als Vorbild sieht und stets zu ihm aufblickt auf einen Besuch in einem Haus am Strand zu einer Familie mit Kindern und einem Mann, den sie Zeit ihres Lebens nicht mehr vergessen wird. 1937 verschwand plötzlich der Vater und Anna hat sein Verschwinden nie verstanden. Sie wird im Krieg auf der Werft anfangen zu arbeiten. Aber die Arbeit beim Kontrollieren von Bauteilen ist für Anna nicht ausfüllend. Sie möchte mehr. Bei einem ihrer abendlichen Besuchen eines Nachtclubs sieht sie den Mann wieder, zu dem sie als Kind mit ihrem Vater ins Haus am Strand gefahren ist. Annas Wille Herauszufinden, wer dieser Mann ist und wo ihr Vater ist und ob er was über sein Befinden weiß, ist geweckt. Anna beobachtet ebenso in einer Pause von Arbeit Taucher, die beim Hafen arbeiten. Dies möchte Anna auch.

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Meine 10 Cents: Dieses Buch ist ein Buch mit mehreren Geschichten in einem. Es ist ein Kaleidoskop der Stadt New York in den 40ern als am Hafen die Kriegsschiffe und Handelsschiffe der Alliierten repariert worden, wo das Nachtleben von (ehemaligen) Gängstern geführt worden, wo Frauen auch Jobs machten, die Männer früher machten, in einem New York was aufgrund der Flüchtlingsströme Melting Pot wurde. Gleichzeitig ist eine Geschichte mit einer echt starken Frau. Anna hat im wahrsten Sinne des Wortes Haare auf den Zähnen. Sie ist witzig. Sie hat Durchsetzungswillen und ihr ist es egal, was die Männer mit ihrem sehr schön geschriebenen Machogehabe über sie denken. Anna hat einen Plan und diesen Plan möchte sie umsetzen und in welchem Umfeld dies passiert, scheint Anna kaum zu beeinflussen. Das Buch hat also nicht nur Annas Geschichte in sich, sondern die Geschichte um die Werft im Krieg, das New Yorker Nachtleben, Gangsterstory und dann auch noch Detektivgeschichte von Anna auf der Suche nach ihrem Vater und die generelle Frage über die Stellung der Frau im Berufsleben und im gesellschaftlichen Leben und was eine Frau tun musste, um nicht das Gesicht zu verlieren. Diese ganzen Themen machten das Buch für mich sehr spannend. Jennifer Egan hat auf keiner Seite gelangweilt. Die Dialoge sind sehr lebendig und Anna ist einfach ein sehr toller Charakter. Eine Frau, die man einfach lieb haben muss.

Warten auf Robert Capa [Susana Fortes]

Robert Capa ist bekannt als Fotojournalist und insbesondere für seine Kriegsfotoberichterstattung. Ich finde und fand seine Fotografie schon immer besonders, weil sie “ungestellt” ist. Capa verstand es auf das Geschehen drauf zu halten. Natürlich gab es auch Situationen für seine Fotografie, die nicht geplant waren und deswegen traumatisch sich für Capa herausstellten. Capa hat nach dem zweiten Weltkrieg in New York die Fotoagentur Magnum gegründet. Der Nichte meines Partners habe ich zum letzten Geburtstag die Sammlung der 100 schönsten Fotos (als Postkarten) von Magnum geschenkt. Ich hoffe sie weiß die Sammlung zu schätzen. Ich ärgere mich heute noch, dass ich die Box mir selbst nicht gekauft habe.

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Susana Fortes’ Buch “Warten auf Robert Capa” entschädigt mich für diesen Verlust. Susana Fortes ist eine spanische Autorin, die den Roman geschrieben hat. In dem Buch wird die Geschichte der Beziehung zwischen Robert Capa und Gerda Taro beleuchtet, die sich beide im Pariser Exil kennenlernten. Capa hat Taro (beides Pseudonyme) mit dem Fotografieren, Fotojournalismus angesteckt.  Beide sind dann gemeinsam in den Widerstand des spanischen Bürgerkriegs gegangen. Die Beziehung hatte viele Auf und Abs. Aber ihr leidenschaftlicher Kampf gegen Faschismus und ihre unbändige Energie für richtige unabhängige Berichterstattung einte sie.

Meine 10 Cents: Abgesehen davon, dass ich gern Bücher lese mit historischen Background also in diesem Fall den spanischen Bürgerkrieg, hat mich die “Beziehungskiste” zwischen Robert Capa und Gerda Taro bewegt.  Dieses Buch ist sehr lebendig geschrieben. Es ist in meiner Sicht ein historisches Dokument, welches gut rechergiert ist. Die Liebesbeziehung zwischen Capa und Taro ist in keiner Zeile verkitscht oder auch verklärt dargestellt, sondern sie ist der Faden, der die Story um Capas Aufstieg als Fotojournalist anschiebt. Für Geschichtsinteressierte und für Liebhaber von Biografischen Romanen ist dieses Buch eine Empfehlung.