Pique Dame [Alexander Puschkin]

Es ist eigentlich über Klassiker alles schon gesagt, mag man denken, aber wenn sie zu wenig gelesen werden, dann hilft das nichts. Vielleicht hilft diese feine neue Ausgabe von Alexander Puschkins meisterhaften Prosa etwas die Unlust zum Klassiker zu greifen zu verringern. Wenn nicht jetzt, wann dann? Im Rahmen der “Lieblingsbücherreihe” vom Galiani Verlag, bei der Kat Menschik die Bücher stets sehr farbenreich und überzeugend illustriert (na klar, ich bin auch ein Cover Opfer), wurde nun Band 8 mit Alexander Puschkins “Pique Dame” veröffentlicht.

Über den Autor: Alexander Puschkin lebte von 1799 – 1837. Er ist einer der großartigsten russischen “Nationaldichter”, der mit seinem Können in Lyrik, Prosa und Dramen die moderne russische Literatur vorantrieb. Sein Schreibstil ist manchmal etwas spröde, sehr stringent und realistisch. Seine Figuren sind kantig, sympathisch und was mir besonders an Puschkin gefällt ist, dass er schnell zum Punkt kommt. Er hat keine ausufernde Prosatexte. Seine Lyrik ist bezaubernd. (Alles was mir vom Russischunterricht geblieben ist, ist ein Gedicht von Puschkin, welches ich allerdings nur bei ganz guter Stimmung in Russisch rezitieren mag.) Pique Dame hat Puschkin 1834 geschrieben.

Über das Buch: In Pique Dame dreht es sich um den Pionieroffizier Hermann (Sohn eines Deutschen, der Russe wurde), der dem Spiel sehr zugeneigt ist. Nach einer durchspielten Nacht erzählt ihm sein Bekannter Tomski, dass seine Großmutter, die Gräfin, die drei Gewinnerkarten für das Pharospiel kennt. Hermann leidet eigentlich nicht an Geldarmut. Er lebt sehr bescheiden und vernünftig, aber ihn juckt es diese drei Karten zu kennen und so versucht er in die Nähe dieser Frau Gräfin zu gelangen und dies macht er in dem er eine Beziehung zu der Gesellschafterin Lisaweta anstrebt.

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Meine 10 Cents: Die Novelle ist sehr vielschichtig. Es dreht sich einerseits um das Glücksspiel / Kartenspiel “Pharo”, andererseits um eine Suche nach dem Glück in der Liebe. Ein bisschen Schauer. (Nein, diese Novelle ist kein Goth. Dazu ist Puschkins Schreibe zu realistisch, zu pragmatisch, zu stringent.) Puschkin lässt die Figur des Hermanns ein bisschen naiv und für mich doof am Ende aussehen, weil er sich vom Glücksspiel verleiten hat, sein Vermögen zu verpulvern, dass er vor dem Kartenspielexzess gut beisammen hielt. Ebenso, weil er die Frau, um die er warb nicht bekam und andererseits die Frau, mit der er spielte, ihn scheinbar austrickste. Aber es war sein Schicksal. Man sollte sich nicht immer auf sein Schicksal verlassen. Ebenso nicht auf das Glücksspiel. Man sollte als Moral der Geschichte auf die wahrhaften Dinge, die man rational erreichen und verteidigen kann, sich verlassen und darauf aufbauen.
Ich muss noch etwas über Kat Menschiks Illustrationen sagen. Sie sind toll. Die Darstellung der Charaktere in “Kartenoptik” ist fantastisch. Die knalligen Farben haben was. Und die kantigen Striche, unterstreichen den teils kantigen Schreibstil von Puschkin. Es macht alles Sinn. Es ist ein echt schönes kleines (Lieblings)buch.

Das Schräggedruckte: Ich kaufe mir alle Bücher selbst in Indiebookstores. Ich möchte nicht bemustert werden. Ich mache dies alles aus Spaß an der Freude.

Lamento … [warum ich nichts lese… oder “Doom & Gloom” ]

Zum Lesen braucht man Augenlicht und am besten welches, mit dem man fokussiert Buchstaben lesen kann. Ich kann das zeitweise, aber nicht über lange Strecken am Tag. Warum, weshalb, das weiß ich leider nicht. Ich habe seit meinem letzten Posting hier auf dem Blog nur zwei Bücher beendet zu lesen.

Das waren

Buch Nr 17: “Über den Feldern” Hrsg. Horst Lauinger (erschienen im Manesse Verlag)  – die Anthologie mit Kurzprosa über den ersten Weltkrieg von Literaten der ganzen Welt. Dies ist ein unfassbar gutes Buch. Es zeigt die Brutalität, Traurigkeit, Hoffnung, Überlebenswille, Liebe in Zeiten des Krieges. Es werden so viele Facetten des Krieges aufgezeigt, dass es einem beim Lesen teils recht schwindlich wird und die Tränen kommen manchmal echt ungeplant.

Buch Nr. 18: “Telex aus Kuba” von Rachel Kushner … endlich habe ich dieses Buch gelesen. Irgendwie schon fast ein moderner Klassiker, der sich um die kubanische Revolution um die Machtergreifung von Fidel Castro und Absetzung von Batista sich dreht. Das faszinierende an dem Buch sind die vielen Blickwinkel der Charaktere. Alle Seiten der Geschichte wurden beleuchtet und zugegeben … die amerikanischen Zuckerrohrplantagenbesitzer kommen dabei nicht gut weg. Ich habe nur mit dem Buch kämpfen müssen, da die Schrift echt arg klein (aktuell) für mich ist und ich wie oben schon geschrieben, mich nur sehr kurzzeitig auf Schrift konzentrieren kann.

Neu hinzu gekommen in meinen Bücherschrank sind

Neu Nr 12: Lyonel Feininger “The Kinder Kids” (geschenkt bekommen)
Neu Nr 13: Richard Flanagan “Tod auf dem Fluss” (ausgeliehen)
Neu Nr 14: Jin Yong “Legends of the Condor Heroes 1 – A hero born” (geschenkt bekommen)
Neu Nr 15: Jade Will (Hrsg) “New Baltic Poetry”
Neu Nr 16: Miguel Torga “Weinlese”
Neu Nr 17: Anton Tammsaare “The Misadventures of the new satan”
Neu Nr 18: Doris Kareva “Shape of time”
Neu Nr 19: Kai Aareleid “Burning Cities”

Was ich davon als erstes lesen sollte, könnt ihr mir gern in den Kommentaren schreiben. Ich glaub aber tendenziell, dass ich erstmal die Lyrikbände mir vornehme. Da kann ich eher mal beim Lesen Pausen einlegen. Als Roman lese ich derzeit aber noch weiter Sandemose “Ein Flüchtling kreuzt seine Spur” und bevor ich diesen Roman nicht ausgelesen habe, werde ich auch nichts Neues in epischer Länge starten. Das schaffe ich gerade nicht. Leider.

Musikalisch hatte ich auch zwischenzeitlich wieder Sachen live gesehen. Die habe ich dann auch wirklich gesehen (wenn auch verschwommen). Aber Musik im Blur ist manchmal ganz schön (in der ersten Reihe). Übrigens Bühnennebel hilft dabei nicht wirklich das Seherlebnis zu verbessern.

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Am 24. Januar sah ich auf der MS Stubnitz hier in Hamburg WISBORG im Vorprogramm von Eden weint im Grab. WISBORG waren zauberhaft, da sie jetzt mit nem echten (und vor allem guten) Schlagzeuger auf der Bühne stehen. Das macht die Songs authentischer, dynamischer und das gesamte Gefüge auf der Bühne ist wie ein steiler Rohdiamant, der noch schöner werden mag. Bitte aber nicht blank poliert. Es soll ruhig grantig, rauh, und kantig bleiben. Sehr schön fand ich, dass bei diesem Konzert tatsächlich mal das Equipment ganz blieb.

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Am 8. Februar gab es im Hafenklang A PROJECTION / WIRES & LIGHTS / ON THE FLOOR live zu erleben. Dieses Paket war sehr gelungen, wobei ich doch ganz stark bei On the Floor das Liveschlagwerk vermisste. Das Hafenklang wurde zu einem recht warmen Fleckchen Erde. Ich habe zeitweise nach Luft gesucht (und nur vor der Tür des Clubs gefunden). Dies hat aber dem Konzert keinen Abbruch getan. Es war richtig gut. Wires & Lights haben durchaus Livequalitäten. Hätte ich die Band zuerst live gesehen, dann hätte ich deren Konserve auch gekauft, aber ich kannte das Studiowerk bereits davor und fand es etwas lang und weilig. Live waren die Jungs super. A Projection sind immer wieder ein Augen- und Ohrenschmaus. Sehr putzig find ich den “exaltierten” Tanzstil des Sängers. Das hat was.

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Alcest beglückte ganz Hamburg (zumindest den ganzen Grünspan) am 11. Februar) zusammen mit Kaelan Mikla und Birds in Row. Ganz ehrlich, von mir aus hätten Neige und Kumpanen noch länger spielen können. Die Musik hat mich über den darauf folgenden Mittwoch getragen (am Donnerstag “fiel” ich dann am freien Arbeitstag körperlich zusammen). Alcest haben ihr neuestes Werk Spiritual Instinct live vorgestellt und dazwischen den ein oder anderen Hit hineingestreut. Ich fand das Publikum auch sehr interessant. Es waren keine Ausfälle dabei, aber so bunt (in schwarz) gemischt habe ich es selten bisher so friedlich erlebt. Kaelan Mikla sind 3 isländische Ladies, die sehr interessante Musik auf die Bühne stellen, aber für mich ist es auf Dauer echt anstrengend gewesen. Birds in Row werde ich nur in Erinnerung behalten als undefinierbaren Lärm, sorry, das ging gar nicht.

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Am 20. Februar bin ich zusammen mit Mr T nach Tallinn geflogen, um die 20th year anniversary show von Swallow the sun zu sehen. An einem Abend zwei Shows. Dabei wurde mit Kammerorchester das 2. Album der Songs of the North komplett gespielt und im zweiten Teil des Abends wurde es laut und schwer mit den most favourites der vergangenen 20 Jahre. Ich war und bin immer noch hin und weg von diesem Abend und ich freu mich schon jetzt auf die heute in Helsinki aufgenommene Show auf DVD. (Zumindest erzählte mir Juha nach dem Konzert, dass das Konzert im Tavastia mit 10 Kameras aufgenommen wird). Seufz.

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Alles in allem kann ich sagen, auch wenn ich wenig bis gar nicht gelesen habe, so waren die letzten Wochen keinesfalls ereignisarm. Ich schaue etwas verschwommen in die Zukunft und btw lass mich von diversen Virusinfektionen, die sich etwas epidemiös verbreiten nicht aus dem Konzept bringen. Panik ist hier nicht angebracht, denn ich kann mir dies nicht leisten. Ich bin immer Risikogruppe für alle Infektionen. Die erfolgreichsten und gesundesten dabei sind die der Literatur und der Musik mit Leidenschaft.

 

Frauen lesen …

Ich tue mich ja echt schwer den Fokus auf Literatur zu legen, die von Frauen geschrieben wurde / wird. Mein Bücherregal ist echt sehr voll mit Büchern, die Männer geschrieben haben. Umso mehr, versuche ich stets jeden Monat mindestens 1 Buch zu lesen, welches von einer Frau geschrieben wurde. Tendenziell breche ich aber Literatur von Frauen geschrieben eher ab als von Männern. Warum das so ist, weiß ich nicht. Es liegt nicht an der Tatsache, dass die Bücher von Frauen geschrieben sind. Es liegt meist an den Figuren, dem Humor, komischen Storylinien und aber eigenartigen Schreibstilen. Aber das sind die selben Attribute, die ich bei Romanen von Männern ebenso hinzu ziehen würde.

Egal hier sind die Bücher von Frauen, die ich ab 2020 gelesen habe (und evtl. besprochen habe – dann gibt es links zu den Besprechungen). Ich freue mich allerdings auch über Empfehlungen für Literatur von Frauen geschrieben in den Kommentaren. Ich mag es gern anspruchsvoll, sozialkritisch, belletristisch, bereist, polyglott, portugiesisch, südostasiatisch, nordisch, maritim oder auch Sachbücher (Psychologie, Soziales, Pflegewissenschaft, Maritimes, Naturkunde, Tod, Subkulturen, Musik).

2020

  • Olga Tokarszuk “Unrast”
  • Sue Black “All that remains”
  • Anika Decker “Wir von der anderen Seite” (abgebrochen)
  • Rachel Kushner “Telex aus Kuba”
  • Yasmina Reza “Eine Verzweiflung” (abgebrochen)

Übrigens gebe ich generell gern abgebrochene Bücher ab. Bitte gebt mir dafür Rückmeldung bei Interesse.

Montagsauslese 3/2020

In der letzten Woche habe ich definitiv mehr gelesen als in der Woche zuvor. Aber musikalisch war es trotz alledem für mich gewesen.

83105023_3266430236700566_601252772414750720_oIch war beim Konzert von THE FOREIGN RESORT im Goldenen Salon am Donnerstag. Das war großer Spaß. Es war mein Geburtstagsgeschenk von Freunden gewesen und es hat sich wirklich richtig gelohnt.  Ich freu mich jetzt schon auf das “Dark Skies over Witten” im März, bei denen ich die dänischen Jungs wieder sehen kann. Dieses Mal dann mit meiner besten Kumpeline Lyd.

Was ein Konzert von The Foreign Resort stets ausmacht?! Diese Jungs haben Bock auf der Bühne zu stehen. Sie machen Späße. Ihre Musik langweilt nicht. Zu keiner Sekunde UND ja, es ist halt feinster reudiges Gitarrengeschrammel mit wundervollem echten Schlagwerk.

Am Samstag war ich mit Mr T in der Staatsoper und habe eine Aufführung des Hamburg Balletts gesehen. Es standen die “Bernstein Dances” auf dem Plan.

Eine Hommage auf den Musiker Leonard Bernstein. Mit seiner Musik und eben Tanz. Es war ein sehr schöner bunter Abend. Und ich kam zur Erkenntnis, dass ich vielleicht doch noch mal irgendwann mir Candide komplett anschauen sollte. Und West Side Story ist sowieso toll. Ich fand die beiden Sänger großartig und der Fakt, dass Marc Bouchkov an der Violine war und Sascha Trusch tanzte, war noch viel besser.

Gelesen in der letzten Woche: Da war Musik drin. DIe Bücher steckten voll Poesie und in einer Menge der Bücher wurde sich mit dem Tod beschäftigt.

Nr 11: RICARDO S. AMORIM “Wolves who were men”: Dies ist die Moonspell Biografie. Sie ist unfassbar emotional und bewegend geschrieben. Irgendwie leidet man als Leser ganz schön mit den Musikern und den “Auf und Abs” in der Bandgeschichte mit. Einerseits kann es einem schon das Herz zerreißen, andererseits muss man lachen. Das schöne an der Bandbiografie ist, dass man dieses Buch auch lesen kann, ohne Fan der Band zu sein oder Spezialist im Metalgebiet zu sein. Denn es geht hier vor allem sehr um Menschliche Dinge. Und komische Dinge im Musikbusiness gibt es in jedem “Genre”. Ich kann das Buch nur empfehlen.

Nr 12: CRAIG DYER “The Devil in me & in all the rest”: Craig Dyer ist Sänger der Band “The Underground Youth”. Dieses Buch ist ein Band mit Poetry und Lyrics. Ich habe sie gemocht, aber das, was ich an Poetrie immer sehr mag bzw. mir wünsche, ist die Melodie der Worte oder richtige Emotionalität, die mich bewegt. Dies hat mit den meisten der Stücke nicht funktioniert. Ich weiß nicht warum dies so war. Dies wird aber die Liebe zur Musik von The Underground Youth nicht schmälern.

IMG_8134Nr 13: AL BERTO “Salsugem – Salz” & Nr 14: AL BERTO “Garten der Flammen”: Die zwei Bände sind gefüllt mit Gedichten von Al Berto (1948 – 1997), einem portugiesischem Autoren, Vertreter des Surrealismus. Die Geschichte befassen sich sehr mit seinen Gefühlen, dem Tod, der Liebe. Mit Salz konnte ich anfangs icht so viel anfangen. Ich war noch etwas von dem Übersetzungsstil (mit Kleinschreibung auf Deutsch) überfordert. “Garten der Flammen”dagegen, der Gedichtband, den Al Berto kurz vor seinem Tod geschrieben hat, hat mich schwer bewegt und mitgenommen. Die Zeilen sind sehr morbide, melancholisch, auf das Leben zurück schauend.

Nr 15: SUE BLACK “All that remains”: An diesem Buch habe ich mächtig geknabbert … und vor allem lange geknabbert. Es sind die Aufzeichnungen der Forensikerin Dame Sue Black. In dem Buch geht es sehr viel um Tod, in jeder Form, die man sich vorstellen kann. Es geht um den Umgang mit den Toten. Es geht um die Arbeit als Forensikerin im Kriegsgebiet (Kosovo). Es ist ein rundum menschliches Buch, denn der Tod gehört zum Leben dazu. Ich bin sehr froh, das Buch gelesen zu haben.

Nr 16: OLIVER SACKS “Alles an seinem Platz”: Dies ist das vermutlich letzte Buch, was im Namen von Oliver Sacks veröffentlicht wurde. Oliver Sacks ist 2015 verstorben und mit ihm ist ein sympathischer Neurologe gegangen. Sacks ist für seine Fallgeschichten berühmt geworden. In “Alles an seinem Platz” sind neben letzten Fallgeschichten auch Essays zu anderen Themen platziert. Sie sind allesamt sehr klug und gefüllt mit gefährlichem Halbwissen. Die Leseliste für mich wurde sehr viel länger nach dieser Lektüre. Ich habe das Buch letzte Woche gekauft, weil ich an keinem Oliver Sacks ungesehen vorbei laufen kann. Ich bin ein Sacksjünger.

Gekauft oder geschenkt bekommen habe ich:
Neu Nr 10: AKSEL SANDEMOSE “Ein Flüchtling kreuzt seine Spur” (mein letztes Geburtstagsgeschenk). Das Buch wollte ich schon letztes Jahr selbst kaufen und habe es dann irgendwie aus dem Blickfeld verloren. Um so glücklicher bin ich, dieses Buch jetzt geschenkt bekommen zu haben.

Neu Nr 11: OLIVER SACKS “Alles an seinem Platz”

Montagsauslese 2/2020

Die letzte Woche war musiklastiger als die Vorige. Ich habe viel Metal gelauscht … zum Einen die Rereleases von Moonspell mit Anno Satanae und Sin Pecado. Zum Anderen die neue Sylvaine EP, die neue Then Comes Silence Single + I AM THE SHADOW Single, der Rotting Christ Backkatalog, den ich über Season of Mist bekommen konnte UND dann noch die zwei Erstlinge von Esben & the Witch, die mir noch fehlten. Und dann kam noch das Carepaket aus Jersey an von October Burns Black. Es ist alles großartige Musik und ich liebe alle erwähnten Bands und Künstler.

Highlight, aber definitiv war das Lauschen von Krysztof Urbanskis Einspielung der Schostakowitsch Sinfonie Nr 5 gewesen. Bei dieser Musik geht mir das Herz auf. Das ist Drama pur. Das ist – keine Ahnung – Symphonic Metal. Für mich ist es die perfekte Musik zur Entspannung, weil ich mich so sehr beim Lauschen auf alle Ebenen der Musik konzentrieren muss, dass ich Alltag, Arbeit, Schmerzen vergessen kann.

Gelesen habe ich auch ein paar Bücher:

Buch Nr 9: MICHEL FABER “Hundertneunundneunzig Stufen”Ich habe das Buch anno dazumal … ich glaub 2014 im Herbst in Whitby in der englischen Variante gekauft und angefangen zu lesen, aber es hatte mich damals gar nicht so richtig gepackt. Jetzt auf Deutsch flutschte es.
Ja, es hat Züge von moderner Schauerliteratur, aber andererseits auch wieder nicht.
Wir begegnen einer Archäologin, die Albträume seit ihrem Unfall in Bosnien hat (wo sie ihren damaligen Freund – einem Journalisten begleitete … zu Kriegszeiten, sie verlor in einem Unfall ein Bein und er wurde von Heckenschützen umgebracht …. irgendwie ist mir der Plotfakt zu platt – egal). In Whitby werden die Albträume aber anders als sie vorher waren. Um zu ihrer Arbeit zu kommen, der Grabungsstätte bei der Abbey St. Hilda, muss sie die 199 Stufen zum Berg hinauf und da lernt sie Magnus mit seinem Hund kennen. Magnus ist nur kurz in Whitby, er kümmert sich um den Nachlass seines Vaters und seine Abschlussarbeit für die Uni. Im Nachlass findet er eine Flasche mit einer Papierrolle … datiert auf 1788. Sian, so der Name der Protagonistin, hilft Magnus dies zu entschlüsseln… Es geht um Glauben, Umgang mit Toten/Gestorbenen, Trauer, Friedhofskultur, Respekt und Urängsten. Das Buch tat nicht weh, aber da ich in Whitby nicht nur einmal war, war es schon recht witzig gedanklich da langzulaufen UND NEIN, das indische Restaurant am Bahnhof ist nicht toll. Es ist gruselig. Schlechter Service und es gibt Mangolassi mit Eiswürfeln drin. Unter anderem.

Buch Nr 10: ANIKA DECKER “Wir von der anderen Seite” – Ich musste dieses Buch abbrechen. So leid es mir tat. Es war ein Geburtstagsgeschenk, aber meine Schwester hat gesagt, sie möchte nicht. dass sich meine Nägel aufrollen!
Der Humor ist gar nicht meiner und überhaupt … ich mag keine Krankenhaus / jemand wird gesund gepflegt (in dem Fall die Protagonistin) Story. Ich habe Feierabend.

Nich beendet, aber fleißig am Lesen ist immer noch mein Kurzgeschichtenband “Über den Feldern” mit Geschichten über den 1. Weltkrieg. Dazu gleich die Frage: Sollte ich mir 1917 im Kino anschauen? Ich bin ja kein Kinogänger. Außerdem lese ich ganz beherzt in der Biografie über Moonspell.

Es kommen in der kommenden Woche noch mehr neue Bücher hinzu und ich werde endlich wieder Live Musik mir anschauen. Am Donnerstag freu ich mich auf das THE FOREIGN RESORT Konzert (mit dem Support Golden Apes) und am Samstag gehe ich mit Mr T in die Staatsoper für das Hamburg Ballett und den “Bernstein Dances”. Wir beide haben schon so lange kein Ballett mehr gesehen. Also habe ich es Mr T zu Weihnachten geschenkt. Ich freue mich richtig darauf.

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Gekauft bzw. frisch in meiner Bibliothek habe ich:
Neu 5: MICHEL FABER “Hundertneunundneunzig Stufen” (für 1 Euro im modernen Antiquariat)
Neu 6: CRAIG DYER “The Devil in me & in all the rest” (für 10 Euro direkt bei The Underground Youth gekauft)
Neu 7: AL BERTO “Salz” Lyrik
Neu 8: AL BERTO  “Garten der Flammen” Lyrik
Neu 9: AL BERTO “Mondwechsel” Bertos einziger veröffentlichter Roman.
Nebenher erfuhr ich, dass Portugal in diesem Jahr Schwerpunktthema auf der Leipziger Buchmesse ist und ich wundere mich noch, warum so viele Portugiesen plötzlich übersetzt auf dem Deutschen Buchmarkt zu finden sind. Wenn Dein eigenes Interesse Dich mit einem Trend überholt.

 

Das Haus im Dunkel [José Luís Peixoto]

Das Schräggedruckte: Ich hatte im Jahr 2019 irgendwann mal … gefühlt März / April … mal auf Twitter belesene / schreibende Menschen nach Empfehlungen gefragt und ich bekam für junge portugiesische Literatur von Fernando (Moonspell) José Luís Peixoto empfohlen. Mir wurde auch auch noch von A.L.Kennedy Naomi Alderman empfohlen (die ich auch sofort las und gut befand) und Neil Gaiman hat mir eine Sammlung von Harlan Ellison empfohlen, als Science Fiction Einstieg. Ja, auch Twitter geht so was. Das gefällt mir. 😉

Mit dem Namen José Lúis Peixoto auf einem Zettel bewegte ich mich in den lokalen unabhängigen Buchladen und legte den Zettel einer Händlerin des Vertrauens hin, denn ich wusste mit 100%iger Sicherheit, dass kein Peixoto im Regal stehen würde … und mein lokaler Buchladen ist dreigeschossig und gut sortiert. Aber ich bestellte das Buch und es konnte am übernächsten Tag abgeholt werden (gemeinsam mit Alderman und Ellison). Ich liebe diesen Service.

Über das Buch “Das Haus im Dunkel”: Der Leser wird von einem erfolgreichen Autoren in ein Haus mitgenommen, in dem seine Mutter und zwei Sklavinnen leben (warum und weshalb dies Sklavinnen sind, hab ich bis zum Schluss nicht herausbekommen, aber das ist nicht wirklich relevant für die Story … außer dem Fakt, dass sie einen anderen Stand haben als die Mutter und der Autor). Dazu kommen in mäanderformigen Erzählsträngen neue Charaktere dazu … wie ein Violinist, ein Prinz. Und Katzen spielen ebenso eine Rolle. Das Haus ist im Winter recht kühl und in einem Monat des Jahres steht es im Dunkel, aber es ist Leben in ihm. Um dem Haus herum ist ein wilder Garten, der von den Katzen bevölkert wird. All dies wird dem Leser wunderschön und ausschweifend vermittelt. Dann ist da noch der Autor, der nach Worten sucht und beim Augen Schließen die ideale Frau sieht, die er in allen Schreibstunden fortan beschreibt.

“Wenn ich schreibe, berühren wir einander. Die Liebe ist alles, was existiert.” (Seite 61, “Das Haus im Dunkel” Septime Verlag 2015)

Eines Tages kommt der Prinz von Calicatri in dieses Haus und erzählt von den Invasoren, die vor den Toren des Ortes stehen. Diese scheinen erst als wüste Drohung in ferner und nicht fassbarer Weite, aber sie tauchen auf. Die Invasoren sind furchtbar, brutal mordend, wild schlachtend und malträtierend und es ist vollkommen egal, welchen Stand die Menschen (und Tiere) im Haus im Dunkel haben. Es ist einfach nur grausam. Man fragt sich, ob der Autor bei all der Grausamkeit zusammen mit den anderen Gefangenen im Haus im Dunkel jemals die Liebe finden wird. Oder ob sie einfach ausgelöscht wird. Ein Buch, in dem es sich die gesamte Zeit um Beziehungsebenen dreht. Ein Psychogramm des dunklen Hauses. Ein Psychogramm unserer Gesellschaft in der wüstesten Vorstellung?

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(Illustration und copyright: Natascha Artworx)

Meine 10 Cents: Als Leser ist man hin und her gerissen, ob man die Story toll finden soll oder nicht. Man ist ebenso hin und her gerissen mit den eigenen Gefühlen, weil man diese Grausamkeit ab dem Kapitel mit den Invasoren so schrecklich finden müsste, aber Peixoto dies so dermaßen poetisch darstellt, dass es einem als Leser mitreißt und man wie besessen weiter liest. Es ist um so erschreckender, das je weiter das Buch voran schreitet, der Terror und die Grausamkeit sich immer harmloser anfühlt und man sich als Leser scheinbar dran gewöhnt. Man erschrickt an seinen eigenen Gefühlen. Man wollte nie so abgestumpft werden, dass man Terror, die Verrohung der Gesellschaft einfach so schweigend hinnimmt. Und man tut es trotz alledem als Leser. Ich bin wirklich ein Leser, der total schnell berührt werden kann und Tränen in die Augen bekommt, sobald zuviel Leid oder zuviel anheimelnde Stellen in Büchern auftauchen, die logisch und großartig geschrieben sind. Bei Peixoto weinte ich an keiner Stelle. Peixotos Grausamkeit ist überspitzt und es ist, ich mag es noch mal sagen zu schön geschrieben. Es ist Kunst. Dieses Buch ist für mich eine Metapher, ein Analogismus auf diese Welt, die immer mehr aus den Fugen geraten mag, mit Terror, Grausamkeiten, die quer durch die Gesellschaft gehen, die sich gegen die Natur (Katzen als Symbol für die Natur) wendet und der die Fürsorge und Liebe zu den Mitlebenden immer mehr schwinden mag. Ich möchte nicht in so einem Haus im Dunkel leben. Ich möchte in einer liebenswerten respektvollen Gesellschaft leben. Der Autor kann im Übrigen nach dem Eintreffen der Invasoren nicht mehr schreiben. Er wird Opfer des Terrors, aber ist als Protagonist und Observist der Situation noch “Sprachrohr” in der Welt mit den verkrüppelten Seelen.

Leser die sich nicht von grausamen Darstellungen auf Papier schocken lassen und die Liebe im Herzen haben, sei dieses Buch empfohlen. In Deutsch erschienen im Septime Verlag, 2015. Der Roman ist im portugiesischen Original 2002 erschienen, aber er fühlt sich keinen Tag gealtert an. ISBN: 978-3-902711-34-2

Über den Autor: José Lúis Peixoto ist Portugiese, geboren 1974, hat Moderne Sprachen und Literatur in Lissabon studiert und “Das Haus im Dunkel” ist sein erster ins Deutsche übersetzte (von Ilse Dick) Roman.

Montagsauslese 1 / 2020

Monatsrückblicke finde ich anstrengend und halte ich nicht durch und sind zudem meist sehr unübersichtlich für mich, deswegen möchte ich mal schauen, ob ich das schaffe über meine Bücher des Jahres durchgehend kurz was zu schreiben in Wochenabstand … Deswegen ab sofort hier … jeden Montag.

folgende Bücher habe ich beendet:

Buch 1: ROBERT WALSER “Maler, Poet und Dame” Aufsätze über Kunst und Künstler: Abgesehen davon, dass ich mich beim Kauf verlesen hatte und Martin Walser glaubte, gekauft zu haben, waren die Aufsätze recht unterhaltsam mindestens zur Hälfte. Diese großen Ausschweifungen über Goethe und Schiller hätte es für mich nicht gebraucht, aber die Lobhudelei zu Dickens, Hauffs Märchen und Onkel Toms Hütte fand ich ganz toll.

Buch 2: WASSILY KANDINSKY “Vergessenes Oval”: Das ist Lyrik von Kandinsky aus seinem Nachlass … ein bissl zu schräg für mich. Also zu dadaistisch und / oder / bzw. auch substantivistisch geprägtes Kauderwelch. Ich bin ja durchaus sehr empfänglich für metaphysische Sachen, aber beim Kandinsky bin ich ausgestiegen. Trotzdem ein schönes Buch, wegen der Illustrationen und weil es eben was ist, was man erst entdecken muss. Aber KEINE AHNUNG, ob ich noch einen weiteren Kandinsky je lesen mag.

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Buch 3: JOSÉ LÚIS PEIXOTO “Das Haus im Dunkel”: Mein bisheriges Highlight des frischen Jahres 2020. Dieses Buch ist so dermaßen brutal und poetisch gleichzeitig, dass ich erst nichts damit anfangen konnte und ab dem dritten Kapitel ich es nicht mehr aus den Händen legen wollte. Es ist für meine Interpretation eine Metapher auf die Verrohung der Welt und Verstümmelung der Gefühle und die Machtlosigkeit Liebe, Fürsorge und Wertschätzung für Mitmenschen und Mittiere in der heutigen Zeit zu zeigen. Auch wenn ich das Buch schon vor 3 Tagen beendet habe, so beschäftigt es mich nach wie vor. Dazu demnächst mehr in einer “Einzelbesprechung”.

Buch 4: DANIEL MENDELSOHN “Eine Odyssee – Mein Vater, ein Epos und ich”: Kann ich bitte jetzt auf der Stelle meine Odyssee rauskramen und sie noch mal zusammen mit diesem Buch lesen?! Es macht soviel Sinn jetzt im Nachhinein betrachtet. Ich hätte mir für manch anderes Heldenepos so eine leicht bekömmliche Handreichung (schon zu Schulzeiten) gewünscht. Also für alle, die Homers Odyssee noch nicht gelesen haben, legt Euch dieses Buch daneben.

Buch 5: FLORANT SILLORAY “CAPA – Die Wahrheit ist das beste Bild”: Ich bekam dieses Buch geschenkt, weil ich Graphic Novels mag und auch desöfteren biografisches lese. ABER, über Capa habe ich bereits schon einen richtig guten Roman im vorletzten Jahr gelesen und irgendwie stellte ich fest, gibt die Graphic Novel leider nicht viel Neues her. Passend fand ich, dass die Panels im “Reporterstil” sind, aber das macht die Lesart auch auf Dauer etwas ermüdend, weil langweilig und nicht packend. Es ist leider nur eine reine Faktenaneinanderreihung.

Buch 6: OLGA TOKARCZUK “Unrast”: Ich bin noch ganz ergriffen von dem episodenhaften rastlosen Roman. Notiz an alle Freunde … ihr dürft mir Tokarczuk Romane schenken. Ich kauf nichts nach. Das überlasse ich Euch.

Buch 7: TARJEI VESAAS “Das Eis-Schloss”: Dieses Buch ist ein totales Winterbuch. Es ist voller Kälte und gleichzeitig Warmherzigkeit. Ein Kind, was ein nicht genauer beschriebenes Schicksal erfahren hat, kommt neu in einen Ort und dann verschwindet dieses Kind. Das Dorf sucht nach ihr … mehr ist es eigentlich nicht, aber es ist wunderschön geschrieben.

folgendes Buch habe ich abgebrochen

Buch 8: VICTOR POUCHET “Warum die Vögel sterben”: Ich bin auf Seite 89 fertig mit dem Buch. Ich möchte keine Flusskreuzfahrtsreise mit komischen Typen an Bord lesen. Ich möchte nicht lesen, wie ein Kerl … in dem Falle der Protagonist, einer Frau, die er scheinbar mag, als Kompliment “Du bist so schön, wie das Leuchten eines AKWs in der Nacht” sagt. Was für ein elender unsympathischer Romantiker. Ich habe diesen komischen Pianisten schon jetzt gefressen … und ehrlich gesagt, will ich NICHTS zu dem Vater des Protagonisten mehr wissen (noch gab es da nicht viel zu lesen UND ich glaub auch nicht, dass dieses Buch noch irgendetwas zum Thema des Grundes für das Vogelsterben ans Licht führt. Es interessiert mich nicht. Ich habe kein Problem mit langsamen Erzähltempo, aber mit Typen, die mir unsympathisch sind ohne Ende, wo die Story irgendwie ins Nichts zu führen scheint, mag ich nichts anfangen. Ich wollte echt dieses dünne Buch fertig lesen und dem Romandebütanten ne Chance geben, aber der eine Stern ist nur für die schönen Illustrationen der Piepmätze auf dem Schutzumschlag.

Ansonsten …
ich habe 6 Bücher zum Geburtstag geschenkt bekommen, davon bereits 3 gelesen.
Die anderen drei sind:
NEU 1: JOHAN HARSTAD “Max, Micha und die Tet-Offensive”
NEU 2: THOMAS PLETZINGER “The Great Nowitzki”
NEU 3: ANIKA DECKER “Wir von der anderen Seite”
und heute noch dazu geschenkt
NEU 4: RICARDO S. AMORIM “Wolves who were men – the history of Moonspell”

und der innige Wunsch neben Büchern, die ich neu anfange zu lesen den Stapel an angefangenen Essaybänden und Sachbüchern etwas zu verringern. Es ist bei mir etwas im Jahr 2019 ausgeartet.

Meine erste unvollständige Lesewoche fand ich ganz anständig. Das kann so weitergehen.