Das Lächeln von Angkor … [Kambodscha]

Moin moin, mich gibt es noch, nur bin ich zur Zeit echt unglaublich mit Arbeit zugepackt und kann mich auf Blogsachen nur wenig einlassen und konzentrieren.

Letztens habe ich aber einen echten Schatz gehoben. Mein Freund und Lebenspartner hatte in Kambodscha sich nach alten Büchern mit historischen Aufnahmen von Angkor umgeschaut und nichts gefunden. Ich habe mich stattdessen dann von Deutschland aus auf die Suche gemacht. Ich habe tatsächlich dann auch einen Bildband gefunden mit Hilfe von dem Online Antiquariats Versand ZVAB dem zentralen Verzeichnis antiquarischer Bücher. Diese Plattform ist der absolute Traum für Menschen wie mich, die dann ab und zu doch sehr spezielle Dinge suchen.

“Das Lächeln von Angkor” geschrieben von Miloslav Krása und mit Fotografien von Ján Cifra in einer deutschen Übersetzung aus dem Tschechischen aus dem Jahr 1963 ist unfassbar schön.

Mein Freund war hin und weg von dem Bildband und mir liefen teilweise Tränen über das Gesicht, weil der Krieg und Kunsträuber so viel kaputt gemacht haben.

Also falls ihr auch mal nach was Besonderem suchen solltet, ZVAB ist der Ort der Wahl.
Für das Buch, welches in einem Antiquariat in Aachen sich befand, bezahlte ich 25 Euro in gutem Zustand. Der Schutzumschlag war etwas eingerissen und die Lieferung war innerhalb 4 Tage bei mir.

Der letzte Freitag war böse …

… nachdem ich bei meinem Hausarzt vor verschlossener Tür stand und ich unverrichteter Dinge nach Hause mich schleppen musste, kam ich an Buchläden vorbei … und ich war sooo frustriert, sodass ich einkaufte. Es war ein echter Frustkauf, aber dafür ein schöner.

1 Deborah Feldman “Unorthodox” … ich dachte, ich hatte das Buch schon … aber nein, ich hatte es nur geträumt, deswegen habe ich es jetzt gekauft. Ich hoffe es bald lesen zu können.

2 Hans Fallada “Kleiner Mann was nun?” … in der vollständigen Ausgabe. Ich habe die verstümmelte Ausgabe in Schulzeiten lesen dürfen. Ich freue mich sehr drauf.

3 Terry Moore “The Complete ECHO” … diese Graphic Novel / Comicsaga lese ich gerade und ich finde es echt spannend und packend und umwerfend schön illustriert.

4 Neil Gaiman “How to talk to girls at parties” … dieses Buch hatte ich noch im Juli zu Ende gelesen und im Lesemonat erwähnt und für gut befunden.

5 Alan Moore “Providence Vol 2” … geistig umnachtet kaufte ich Teil 2 … Teil 1 habe ich aber im anderen Laden sofort bestellt und kauf ich dann in dieser Woche. Ich bin auf den Geschmack von Alan Moore gekommen.

6 Gerard Way “The Umbrella Academy Vol 1” … eine Graphic Novel, die ich auch schon im Juli gelesen habe, die den Will Eisner Preis gewonnen hat. Dies zog als Argument für den Kauf.

Und dann kaufte ich noch dieses tolle Notebook von Paper Blanks, wofür ich das allerdings benutze, weiß ich noch nicht.

 

Isabel, Inger-Maria und noch 14 Männer [Lesemonat Juli 2016]

Ich habe im Monat Juli viel gelesen und es hat größtenteils Spaß gemacht. Und ich habe tatsächlich auch gute Bücher gelesen.

Hier gibt es einen kleinen Überblick (chronologisch von letzten zum ersten Buch des Monats):

Gerard Way “The Umbrella Academy – The Apocalypse Suite” mit Illustrationen von Gabriel Bá … eine frische Superhero Geschichte, über 7 Geschwister, die dazu bestimmt sind die Welt zu retten und sich “The Umbrella Academy” bezeichnen. Ein bisschen Steampunkig, viel Krach, boom, bang, kritisch und höchst unterhaltend. Gerard Way, seines Zeichens Sänger der Kapelle My Chemical Romance ist da ein großartiges Ding gelungen. Teil 2 muss ich unbedingt haben.

Neil Gaiman “How to talk to girls at parties” mit Illustrationen von Gabriel Bá … ja, und noch eine Graphic Novel mit Illustrationen von Bá. How to talk to girls at parties ist eine Kurzgeschichte, die bereits in einem Sammelband “Fragile Things” erschienen ist. Es ist eine Geschichte über zwei Jungs im zarten Alter von 15, die auf einer Party Damen ansprechen … wobei der Macho und scheinbar Souveräne, sich vollkommen daneben benimmt und der Schüchterne und Unerfahrene entdeckt, was er mag und nicht mag. Gaiman schafft es seinen Protagonisten Profil zu geben und die Geschichte komplett zu erzählen.

Thomas Meyer “Rechnung über meine Dukaten” ist ein historischer Roman, der im Dunstkreis der langen Kerrle am preußischen Hof zur Zeit des Soldatenkönigs sich abspielt. Es wird aus Sicht eines Soldaten erzählt und es ist höchst unterhaltsam. Zu der Zeit hätte ich nicht leben wollen, zumindest nicht als langer Mann. Meyer lässt den Leser unmittelbar an den Erfahrungen des Protagonisten teilhaben. Man wird in die Geschichte leicht hineingezogen. Es gibt keine überflüssigen Passagen. Es fühlte sich irgendwie an wie Popcornhistorie, die den Zweck der Unterhaltung mehr als gut erfüllt.

Philip Kerr “Die Hand Gottes” … das Buch brach ich ab. Warum weshalb lest ihr in meiner Review.

Kazuto Tatsuta “Reaktor 1 F – Ein Bericht aus Fukushima Teil 2” … diese Graphic Novel ist autobiografisch Tatsuta hat seine Erfahrungen als Teil des Aufräumtrupps nach dem Atomkraftwerksunfall vom 11.März 2011 seine Sicht in Graphic Novel Form niedergeschrieben. Teil 2 fand ich ein bisschen schwächer als Teil 1, da Tatsuta sich sehr oft wiederholt hatte. Whatever, ich warte auch auf Teil 3, welches Anfang 2017 herausgegeben wird. Literarisches Infotainment mag ich trotzalledem.

Cameron Stewart “Sin Titulo” … ist ebenfalls eine Graphic Novel, die sich um das Bild namens “Sin Titulo” dreht und einem Protagonisten, der anfangs “nur” auf den Spuren seiner Familie ist und dann immer mehr sich in einer Geschichte zwischen Traum und Wirklichkeit sich befindet. Die Geschichte ist sehr intelligent geschrieben und äußerst schön illustriert.

Alan Moore “V für Vendetta” … ich habe die komplette Ausgabe gelesen und habe meine Wissenslücke bezüglich dieses Graphic Novel / Comic Klassikers geschlossen. V für Vendetta ist eine heftig politisierende Geschichte und bei den Linernotes von Moore steht geschrieben, dass er die Verfilmung nicht mochte. Ich bin sehr froh, dass ich das Buch deswegen nur kenne. V für Vendetta ist zeitlos aktuell verstörend schön.

Adam Johnson “Nirvana” … dies ist ein Band von Erzählungen, wobei ich nur 3 Erzählungen richtig mochte, das heißt, bei denen ich noch weiß, worum es ging.😉 Zum Einen die titelgebende Geschichte, bei der die Musik von Nirvana beim Aufwecken einer Komapatientin half, die Geschichte, die in der Gedenkstätte Hohenschönhausen Berlin (Stasi Gefängnis) spielt und die dritte Erzählung, die sich in Nordkorea verortet hat. Johnson konnte mich dabei emotional sehr mitnehmen.

Tim Krohn “Aus dem Leben einer Matratze bester Machart” … dieses Buch ist eine Ansammlung kleiner Geschichten über die Protagonistin – eben der Matratze – über mehrere Jahrzehnte. Das Besondere dabei ist, dass Krohn die Nebendarsteller und deren Begegnung zur Matratze äußerst liebevoll beschreibt und die Sammlung der kurzen Lebensorte der Matratze in der letzten Geschichte den Kreis zur ersten Geschichte schließen lässt. Das fand ich sehr adrett. Es ist ein Buch gewesen, was meine Bus/Zugfahrt zur Arbeit hin und zurück auf sympathische Art und Weise verkürzt hat.

Dirk Bernemann “Satt.Sauber.Sicher” … meine Bildungslücke bezüglich dieses Mannes habe ich auch geschlossen und ich fand es toll. Der Roman ist sein erster. Er zeigt ein Abbild auf die sozialschwache Gesellschaft mit äußerst viel klischeehaft besetzten Charakteren, die alle auf ihre eigene Art und Weise kaputt sind. Bernemann ist dafür bekannt etwas derber zu schreiben und er schert sich auch nicht um die Kritik darüber. Ich find das gut. Man nimmt ihm die schnodderige Sprache ab. Es ist ein ehrlicher Schreibstil.

Abbas Khider “Ohrfeige” … für dieses Buch spreche ich einen Lesebefehl aus.

Sebastian Brant “Das Narrenschiff” … ein Bestseller des Mittelalters. Brant beschreibt in Lyrikform die Gesellschaft des Mittelalters in seinem Umfeld. Die Menschen sind alle Narren. Egal in welcher Art und Weise. Egal welchen Standes oder welcher Religion. Ich fand es großartig.

Boris Friedewald “Maria Sybilla Merians Reise zu den Schmetterlingen” … eine Biografie, über die Dame, die im 16. Jahrhundert ihr Hobby zum Beruf machte, gegen jegliche Konventionen der Zeit. Und nebenher tatsächlich auch unglaublich schöne Illustrationen und Kupferstiche von Schmetterlingen und Raupen machte.

Sydney Padua “The Thrilling Adventures of Lovelace and Babbage” … ein Steampunk Epos, der sich tatsächlich um zwei Menschen dreht, die wirklich existierten Frau Lovelace und Herrn Babbage. Es geht um die Erfindung des ersten Computers. Padua macht jedoch aus den wirklichen Geschehnissen eine sehr temporeiche Geschichte. UND er erklärt in Fußnoten was nachgewiesen geschah bzw. was an der Geschichte verändert wurde. Also man hat zum Einen eine sehr witzige und steampunkige Abenteuergeschichte und zum Anderen Infotainment in echt vielen Fußnoten. Ich liebe Fußnotenbücher. Das Buch hat einen Ehrenplatz im Graphic Novel Regal.

Isabel Bogdan “Der Pfau” … eine wunderschöne witzige Geschichte, die in Schottland spielt und sich um die Führungsetage einer Bank bei einem Teamfindungsseminar am Wochenende in einem Cottage dreht. Der Pfau ist dabei der Dreh- und Angelpunkt, der die Geschichte am Leben hält. Sehr putziges Lesevergnügen. Ich habe zwischenzeitlich sehr oft herzlich lachen müssen.

Inger-Maria Mahlke “Wie ihr wollt” … ist auch ein Buch mit Lesebefehl.

Und was habt ihr so gelesen?! Ich bin nicht unzufrieden mit dieser fetten Ausbeute. Ich gebe zu, dass es viele Graphic Novels waren, aber ich kann zur Zeit keine langen Romane lesen. Ich schaffe das rein emotional nicht, ich muss dafür “ausgeschlafener” und ruhiger drauf sein. Das geht zur Zeit nicht. Aber mein Stapel an ungelesenen Sachen gibt ja glücklicherweise so einiges her.

 

 

Die Hand Gottes kennt kein Lektorat

Dies ist ein Aufreger … und ich muss ihn loswerden … jetzt … sonst fühle ich mich nicht gut. Ich tue dies, nicht um Philip Kerr schlecht zu machen, sondern um handwerkliche Fehler publik zu machen. Es ärgert mich zutiefst, dass ich deswegen ein Buch abbrechen muss.

Worum geht es eigentlich?!

Über das Buch: “Die Hand Gottes” ist der zweite Roman in der Scott Manson Reihe von Philip Kerr, die sich im Fußballmilieu abspielt. Der Verein London City spielt in der Champions League und muss dringend das Spiel gegen Olympiakos Athen gewinnen. Ein Spieler, der definitiv etwas aufmüpfig ist und nicht immer diplomatisch sich verhält, stirbt auf dem Spielfeld inmitten von Streiks in Griechenland, wo Ärzte, Richter und Polizei nur bedingt arbeiten. Spitzensport ist brutal und ein grausames Geschäft. Dies zeigt dieses Buch auf.

DSCN0636Über den Autoren: Philip Kerr ist Schotte, Baujahr 1956 und ist Krimi-, Thriller- und Fantasyautor, der unter anderem den Deutschen Krimipreis für den High Tech Thriller “Game Over” erhielt. Er hat Jura und Rechtsphilosoophie in Birmingham studiert. Zwischen 2006 und 2009 hat er eine Krimireihe veröffentlicht, die im Berlin von 1932 sich dreht.

Meine 10 Cents: Das Buch ist genial geschrieben von Hr. Kerr, aber es ist durchgefallen. Auf Seite 131 hat man es geschafft. Ich zitiere: “Sie trug eine hellgrüne Bluse, die ihren enormen Busen kaum bändigen konnte, und einen engen schwarzen Rock, der weniger wie ein Bleistift aussah als wie ein ausgewachsener Füller.” Nach längerer Überlegung habe ich das Buch jetzt doch an eben jener Stelle abgebrochen. Das darf nicht passieren. Lektor und Übersetzer haben gepennt. Dieser Satz hat mir das Buch komplett vergällt. Es fühlt sich so an, als ob jemand in eine gute Flasche Bordeaux hineingepisst hätte. Oder ein Architekt bei seinem Tragwerk einen Träger schief hat einbauen lassen. Schönen Dank auch. Das braucht kein Mensch.

Ich fand Philip Kerr in der letztens gesehenen Dokumentation auf Arte äußerst sympathisch und ich wollte unbedingt etwas von ihm lesen.

Das Buch ist sehr flott geschrieben und Hr Kerr kann nichts dafür, dass Lektor und Übersetzer gepennt haben. Aber so etwas darf nicht passieren. Ich verlange, wenn ich schon den vollen Preis bezahle (immerhin 14,95 Euro), dass ich kein Mängelexemplar in die Hände bekomme. Das ärgert mich. Das ist kein kleiner Fehler. Das ist eine Vollkatastrophe. Ich bleibe dabei, Bücher, die solche grammatikalischen und linguistischen Fehler haben, sofort abzubrechen, egal was die Story hergibt.

Ich bewerte dieses Buch auch nicht, denn es wird dem Autoren nicht gerecht, der diesen Fehler nicht begangen hat.

erschienen bei Tropen 2016 … ISBN 9783608501391

Wie ihr wollt [Buchempfehlung]

Ich bin nicht wirklich ein Mensch, der schnöde Historienromane liest, aber ich mag das elizabethanische Zeitalter der Briten. Es war so schön schmutzig, intrigant und hübsche Kleidung hatten sie auch. Obwohl im viktorianischen gefällt mir der Kleidungsstil noch viel mehr. Anyway, ich wollte das Buch lesen, weil es ein historischer Roman in Anlehnung an das Thema ist, der dünn ist. Das schaffen nicht alle historischen Romane.

DSCN0620

Über das Buch: Mary Grey ist eine Dame des englischen Adels, die im Jahre 1571, zur Zeit der Regentschaft von Elizabeth I. unter Hausarrest steht. Mary Grey hatte ohne Erlaubnis geheiratet. Dieser Roman ist zum Einen ihr Logbuch über die Situation im Hausarrest und zum Anderen ihre Familiengeschichte, die Grey in Rückblenden erzählt.

Über die Autorin: Inger-Maria Mahlke wurde 1977 in Hamburg geboren und ist in Lübeck aufgewachsen. Sie hat Rechtswissenschaften studiert und hatte einen Lehrstuhl für Kriminologie. Sie hat schon einige Preise gewonnen. Unter anderem auf dem Harbour Front Literaturfestival den ersten Debütpreis für “Silberfischchen” 2010 gewonnen. Sie lebt in Berlin.

Meine 10 Cents: Mahlke hat keinen historisch korrekten Roman geschrieben. Sie hat sich dem Stoff angenähert und clever angeeignet. Clever, im Sinne von “Ohne blumiger Ausschmückungen”, sondern mit klaren, wenigen teilweise sperrigen, aber sehr gut lesbaren Sätzen. Aber es ist eben auch ein Logbuch, in dem der Machtkampf zwischen Protestanten und Papisten, interessant miteinander agierende intrigante Strukturen am Königshof, familiäre Liebes- und Leidensgeschichten mit einander verwoben werden. Es wird an keiner Stelle langweilig im Buch. Mahlkes “wie ihr wollt” ist ein modernes Sittengemälde des späten 16. Jahrhunderts was alles inbegriff, was eine Soapopera, die ein bisschen tödlicher und einsamer enden kann, besitzt. Muss man dazu noch mehr sagen? Ich glaube nicht.

Das Buch ist im Berlin Verlag (2015) erschienen; ISBN: 978 382 7012 135

Ohrfeige – [Buchempfehlung]

Das Buch schrie mich an. Es wollte gelesen werden. Ich habe es in Pinneberg bei einem netten Spaziergang im Sonnenschein im Bücherwurm zwischen der Arbeit einst gekauft … das muss wohl schon im Frühjahr gewesen sein.

DSCN0627.JPGÜber das Buch: Karim Menzy ist irakischer Flüchtling und er will sich rächen an der Sachbearbeiterin in der Ausländerbehörde Frau Schulz. Er geht eines Tages bevor er sie das letzte Mal in seinem Leben sehen möchte, in die Behörde und erzählt ihr all dies, was sie nie hören wollte und nie hören werden wird. Er erzählt Frau Schulz seine wirkliche Geschichte.

Über den Autoren: Abbas Khider ist 1973 im Irak geboren worden (in Bagdad). Im Alter von 19 Jahren wurde er bereits verhaftet aufgrund seiner politischen Engagements. Nach der Entlassung aus dem Gefängnis, floh er und hielt sich als illegaler Flüchtling in verschiedenen Ländern auf. Seit 2000 lebt er in Deutschland. Er hat Philosophie und Literatur in München und Potsdam studiert und mittlerweile den ein oder anderen Literaturpreis gewonnen und Roman geschrieben. Der falsche Inder (2008); Die Orangen des Präsidenten (2011); Brief in die Auberginenrepublik (2013). Khider lebt zur Zeit in Berlin.

Meine 10 Cents: Was ich schon immer mal einer Sachbearbeiterin alles sagen wollte … so könnte man dieses Buch übertiteln. Nur, dass das traurige oder an die Nieren gehende in dem Buch die pure Realität des Karim Menzys ist, wie es ihm als Flüchtling, Asylant geht, der versucht seine Würde zu behalten, der alles Mögliche über sich ergehen lässt, um sich in dem Land nach besten Wissen und Gewissen zu integrieren und für sich selbst sorgen zu können. Allein er kann es nicht, aufgrund von stupider Behördenstruktur. Die fiktive Figur Karim Menzy zeigt auf faszinierend aufrichtig und tragische Weise wie sehr korrumpierbar, wie sehr unsozial und teilweise stark unlogisch das ganze Asylpolitiksystem in Deutschland ist. Es macht den Leser zum Mitwisser, Mittäter, dass man die Ausgrenzung von Flüchtlingen hinnimmt. Jede “Willkommenskultur”, die es teilweise in zarten Blüten vor Monaten mal gegeben hat, wird durch dieses Buch sowieso torpediert. Es erzählt die Geschichte von irakischen Flüchtlingen rund um das Datum 11.9.2001 … Erschreckend direkt und brutal ehrlich wird in Rückblenden Menzys Geschichte erzählt, was dann tatsächlich mit der Sachbearbeiterin in der Ausländerbehörde passiert, der die Geschichte in unschöner Pose vorgetragen wird, muss man selbst lesen. Der Kern der Story ist Menzys Fluchtgeschichte und Oddyssee zur Anerkennung seines Asylbegehrens. Ich kann das Buch wärmstens empfehlen. Es passt zum Wetter. Düster, gewittrig, zwischendurch sonnige Zeilen …

erschienen ist das Buch im Carl Hanser Verlag, ISBN: 978 – 3 -446 – 25054 -3 (2016)

P.S.: Ich bin froh, dass meinem Papa so eine Oddyssee durch Asylheime, Auffanglager, Schlepperbanden erspart blieb. Seine Geschichte ist tragisch genug gewesen.

Miranda, Charlotte, Hilary und mindestens drei Mal Neil [Lesemonat]

Moin moin,

mein Lesemonat war ordentlich vollgepackt. Und ich bin echt äußerst verspätet mit dem Rückblick, aber die Arbeit und das anschließende emotionale Loch haben  mich am Bloggen gehindert.

14 Bücher habe ich gelesen. Alles was auf dem Foto zu sehen ist. Knapp 3800 Seiten … und nur zwei Enttäuschungen. Zum Einen der Erzählband “Die Ermordung Margaret Thatchers” von Hilary Mantel, sowie Miranda Julys “Erster Fieser Typ”. Die beiden Bücher waren keineswegs total schlecht, aber eben nichts, was ich unbedingt noch mal lesen muss oder auch weiter empfehlen würde. Das ist eigentlich schon vernichtend.

Deswegen in Kurzfassung:

NEIL GAIMAN: 3 Bücher waren es in diesem Monat … “The View from the cheap seats” und die Graphic Novel Adaption vom “Graveyard Book”. Zu “The View from the cheap seats” habe ich bereits einen eigenen Blogeintrag gemacht, weil das nicht in wenigen Worten zusammenfassbar ist. Das Graveyard Buch war in Graphic Novel unfassbar gelungen. Aber Neil Gaiman könnte auch das Telefonbuch in Romanvariante rausbringen und ich würde es lieben. Ich finde ihn großartig. Und mein Gaiman Schrein füllt sich mehr und mehr. Es sind mittlerweile zwei Regalbretter im überfüllten Status.

ERIK KRIEK “In the Pines” sind 7 Murderballads in Graphic Novel Variante. Ein unfassbar schönes Buch. Nicht nur schön illustriert, sondern auch die Murderballads, die quasi zum amerikanischen Literaturkanon gehören verständlich erklärt. Alle erinnern sich an Nick Caves Murderballads und dieses unsägliche Duett mit Kylie Minogue … aber die Murder Ballads sind noch düsterer und gruftiger als es Cave hätte besingen können. Krieks Graphic Novel Adaption ist ein literarisches Kleinod, was in meinem Graphic Novel Regal einen Ehrenplatz bekommen hat.

MIROSLAV PENKOV “Wenn Giraffen fliegen” … hätte eigentlich einen eigenen Blogeintrag bedurft, aber ich komme einfach nicht dazu. Die Welt scheint sich schneller zu drehen, als mir lieb ist. Penkov hat in dem Band Erzählungen / Kurzgeschichten versammelt, die an seine bulgarische Herkunft anknüpfen. Die Protagonisten sind putzig und überzeugend. Ich konnte lachen, weinen und es gibt Gründe, warum ich Erzählungen mag. Ich bin ein Liebhaber von Geschichten, die in wenigen Worten alles gesagt haben. Man muss Geschichten nicht plattwälzen. Pointierte, ironische Geschichten, die manchmal echt ans Herz gehen, wie Penkovs Geschichte über die Liebe an der Grenze von Bulgarien / Jugoslawien, wo einem echt das Herz zusammen geschnürt wird, weil es verdammt tragisch ist, sind unbezahlbar. Und ja, ich habe dieses Buch als Mängelexemplar ausgegraben. Aber ich bin auch irgendwie ein Trüffelschwein für zumeist gute Literatur geworden. Ich verlasse mich nicht mehr auf Feuilleton und Europaletten Literatur. Ich mach mir selbst eine Meinung. Penkov war eine echte positive Entdeckung für mich.

ALEXANDER F. SPRENG “Der Fluch” … ist ein hübsches kleines Schauermärchen in Lyrikform auf 52 Seiten verfasst. Herr Spreng ist der Kopf der Gothkapelle ASP. Die letzten Alben waren definitv für mich zu verkopft und zu textlastig, aber dieses Buch konnte überzeugen und hübsch anzusehen im schwarzen Leinen war es auch.

CHARLOTTE BRONTE “Jane Eyre” (wie bekomme ich die Pünktchen über das E?) … Muss ich zu diesem Klassiker eigentlich noch was sagen?! Nein, muss ich nicht.

MARTIN SUTER “Business Class” … ich habe bisher noch nie Martin Suter gelesen, dies war mein erstes Buch … ja, natürlich aus dem Mängelexemplarkistchen der Heimbuchhandlung “gehoben”. Ich war einen Tag lang höchst amüsiert. Herr Suter kann die Beraterkater mit all ihren Marotten vorzüglichst beschreiben. Tatsache ist, dass mein Lebensabschnittsgefährte auch ein Beraterkater ist. Er fliegt zwar nicht Business Class, aber er hat auch teilweise Marotten, die im Buch beschrieben werden. Ich habe mich beispielsweise über die Geriatrie Samsonites totgelacht. Mein Freund allerdings auch. Er hasst sie wie die Pest. Dieses Buch war ein echter kurzweiliger Spaß.

ILIJA TROJANOW “Meine Olympiade” … Ich bin kein Sportler, werde es auch nie sein. Ich kann mich am Leiden von Sportlern (und Möchtegernsportlern) echt ergötzen. Dieses Buch war deswegen geschaffen für mich. Trojanow ist außerdem auch noch so selbstkritisch und entlarvend ehrlich mit seinen Künsten, dass kein Auge trocken bleibt. Ich gebe zu, der Juni Lesemonat war ein Monat, wo ich “leichtere Kost” definitiv gebraucht habe. Dies war großartig. Es hat meine zwei Tage, die ich an dem Buch brauchte versüßt. Unschlagbar war das Kapitelchen über Kanadierfahren. Sich allein die Blöße zu geben 80 Disziplinen in 4 Jahren zu trainieren ist ein Parforceritt und dies dann auch noch schriftlich festzuhalten, dem Anerkennung dienen muss.

MARK TWAIN “Post aus Hawaii” … ich liebe Mark Twain. Er ist nicht nur der Autor von Tom Sawyer, sondern eben auch der Journalist. 1866 ist er für ursprünglich 4 Wochen nach Hawaii gereist, woraus allerdings dann 5 Monate wurden. Er hat regelmäßig Briefe an seine Zeitung nach Sacramento geschrieben und über quasi alles, was auf Hawaii interessant war, berichtet. Sei es die Sklaverei, Korruption im Königshaus, die Zuckerrohrmafiastrukturen, James Cooks Gedenken, Vulkane und vor allem Frauen. Ich glaub, Twain war ein alter Schwerenöter. Und er war selbstironisch und hat knallhart rechergiert und geradeaus berichtet. Manche mögen das zu der Zeit möglicherweise nicht gemocht haben, aber 150 Jahre später liest es sich echt goldig.

SANDOR MARAI “Die Schwester” … ich habe mich bereits mit “Die Glut” in Marais Schreibstil verliebt. “Die Schwester” war ebenso gut geschrieben. Es geht nichts über gute detaillierte Charakterstudien, Charaktere mit Profil und einer Story, die komplett erzählt ist. Wiederhole ich mich?! Egal. Ich kann das Buch empfehlen für laue Sommerabende.

Zu Miranda Julys Roman fehlen mir die Worte. Ich verstehe dieses Buch nicht. Ich verstehe auch den Hype darum nicht. Und Hilary Mantels Kurzgeschichten waren leider im Vergleich zu Penkovs Geschichten nicht die Wucht. Ja, ich sollte keine Vergleiche ziehen, tue es aber dennoch. Denn ich habe einfach zuviel ungelesene Bücher zu Hause liegen.

Ach ja, und dann habe ich noch das Comicheft “Grosse Freiheit” #1 gelesen. Das ist eine echte Kiezgeschichte, wo ich mit Garantie die weiteren Teile kaufen werde.

An und für sich ein schöner Lesemonat und ja, ich habe zuviel Neues gekauft … es waren glaub ich 12 Bücher im Monat, aber egal … solange ich mir diesen Luxus leisten kann, ist die einzige Krise in der ich lebe, diese, dass ich zu wenig Zeit habe, alles zu lesen.