IV. Glowing Ember Festival im Logo, Hamburg

Was macht man in solch aufgeregten Zeiten wie jetzt? Frau geht zu einem gepflegten Metalabend ins Logo und schaut sich 5 Kapellen an, die man vorher noch nie auf dem Zettel hatte. (Es wird auch vermutlich das vorerst letzte Festival für ne Weile für mich sein.) Das war zumindest der Plan von Mr T und mir gewesen. Die ursprüngliche Idee war anders für den Abend, aber die wäre mit Bands gewesen, die kein echtes Schlagzeug gehabt hätten und eigentlich wollten wir auch zum Konzert hin- und zurück laufen, was wir dann auch taten.

Das Glowing Ember Festival hatte 5 Bands auf der Bill, wobei “For reasons unknown” nicht auftraten, aufgrund von Krankheit.

CHAINREACTION

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In der Blurb der Facebookseite von Chain Reaction steht “Melodic Thrash Metal” … Ich habe keine Ahnung von den ganzen Untergenres im Metal. Ich weiß nur eins, dass ich Metal vor allem von Zeit zu Zeit mag, weil es nach vorn drückt, Bass und Schlagzeug großartig im besten Falle harmonieren. Doch da war schon das Problem beim Set der Jungs aus Hamburg. Der Schlagzeuger war an dem Abend krank und die Schlagzeugtracks waren von Band (also Halbplayback) gespielt. Dies tat aber der Performance wenig Abbruch. Auf der Bühne stand eine Band, wenn auch unvollständig. Meine Kurznotiz auf dem Handy sagte:

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“Sänger ohne Puste / ohne Schlagzeug / Bass geil / Gitarre gut”

Mit dem Sänger sprach ich nach dem Set und sprach noch mal über die Stimme. Er meinte, dass er noch genug Stimme gehabt hätte, aber die Mischung aus shouten, growlen, schreien und singen, tat meinen Stimmbändern stellvertretend ganz schön weh. Der Sänger versprach, an seiner Stimme weiter zu arbeiten. Das freut mich, denn in der Band steckt Potential. Sie waren sehr unterhaltsam. Die Songauswahl war stimmig. Und aus der Notsituation ohne Schlagzeuger auf der Bühne haben sie echt das Beste gemacht.

GUN CALLED BRITNEY

IMG_8483Die zweite Band war eine Zusammenwürflung von Musikern, die scheinbar alle einzeln auf der Bühne agierten. Wie sie selbst sagten, gab es sie seit einem Jahr. Sie wirkten allesamt sehr überambitioniert und irgendwie diesen Hardrock / Glammy touch Rock fand ich schon immer schrecklich. Ich mochte weder die Performance, noch die zu leicht entflammbaren Maiden, die vor der Bühne ganz extatisch schlechte Fotos machten … während des gesamten Sets der Band. Ich sag mal so, ein bisschen weniger Attitüde und ein bisschen mehr miteinander musizieren auf der Bühne als einzeln das Ding runterschrubben mit allen Clichés, die man bedienen kann, hätte dem Ganzen gut getan. Für die, die auf so etwas stehen, hätte da was für die Zukunft zum Gucken gewesen sein können. Für mich war es sicher das letzte Mal.

[SOON]

IMG_8578Soon standen schon seit Ewigkeiten auf dem Zettel von mir und endlich hatte ich die Gelegenheit die Jungs zu sehen. Ich wurde nicht enttäuscht. Mr T meinte, dass er die Performance der drei Herren betont lässig fand. Ja, drei Herren, die ordentlich Lärm mit Gitarre, Schlagzeug und Gesang machten. IMG_8606Mr T war so entzückt, dass er zweimal alles am Merch kaufte. Es gab einen schönen Rundumschlag aus 5 Alben mit betonter Aufmerksamkeit zum neuen Output “better days”, welches sehr schön ist. Ich mochte den entspannten Schlagzeuger. Ich mag es, Schlagzeugern beim Arbeiten zuzuschauen und bin immer einerseits fasziniert und andererseits neidvollen Blickes, wenn es so mühelos aussieht, was da hinter der Schießbude passiert. Hier war das genauso. Chapeaux und gerne mehr davon. Irgendwann an irgendeinem Ort dieser Welt. Bei den drei Jungs habe ich auch das Gefühl gehabt, dass sie eine Gang auf der Bühne sind. Das war nichts zusammen gewürfeltes. Sie wollen einfach nur Spielen. Die Stimme hielt fantastisch und der Sound im Logo stimmte.

EVE OF ALANA

IMG_8628Diese Band bestehend aus drei Musikern, wovon die Lady am Schlagzeug sitzt, hat mich umgehauen. Das präzise Schlagwerk der Dame hat mich gefesselt. In meinen Handynotizen habe ich vermerkt, dass die Band sehr oft Linkin Park gehört hat, aber dass sie deutlich härter klingen, was dem ganzen Genre gut tut. Auf deren Facebookseite stehen andere Einflüsse wie Deftones beispielsweise, aber das macht auch Sinn. Auf Dauer ist die Musik jedoch nichts für mich, ich mag es mehr dunkler, langsamer, doomiger, blackmetallischer, aber für einen Abend ist das toll. Das Lichtkonzept und die Kompaktheit der Songs waren überzeugend. Ich fand es auch großartig, dass sie eine Zugabe spielten, die die Schlagzeugerin aufgrund von “Unsicherheit” nicht spielen wollte. Eine Unsicherheit war nicht zu hören. Gar nicht. Aber eine Frage hätte ich noch: Warum hat der Bassist sich so verkleidet / geschminkt? Ich hätte das die Band nach der Show fragen sollen, habe dies aber verpasst. Mmmh, vielleicht beim nächsten Mal, denn das schrie irgendwie nach Wiederholung.

Was kann ich sonst noch sagen … auch wenn es in jetzigen Zeiten dank Sars-cov2 Pandemie (WHO hat Pandemie gesagt) es nicht empfehlenswert mehr ist auf Konzerte zu gehen, aber habt ein Auge und Ohr offen für lokale Bands und Künstler. Unterstützt sie, so weit ihr könnt. Allein durch das Kaufen von Kunst, Musik, Büchern und Weitersagen und Empfehlen werden Künstler unterstützt.

Weitere Infos zu den gesehenen Künstlern:

 

 

 

Montagsauslese 2/2020

Die letzte Woche war musiklastiger als die Vorige. Ich habe viel Metal gelauscht … zum Einen die Rereleases von Moonspell mit Anno Satanae und Sin Pecado. Zum Anderen die neue Sylvaine EP, die neue Then Comes Silence Single + I AM THE SHADOW Single, der Rotting Christ Backkatalog, den ich über Season of Mist bekommen konnte UND dann noch die zwei Erstlinge von Esben & the Witch, die mir noch fehlten. Und dann kam noch das Carepaket aus Jersey an von October Burns Black. Es ist alles großartige Musik und ich liebe alle erwähnten Bands und Künstler.

Highlight, aber definitiv war das Lauschen von Krysztof Urbanskis Einspielung der Schostakowitsch Sinfonie Nr 5 gewesen. Bei dieser Musik geht mir das Herz auf. Das ist Drama pur. Das ist – keine Ahnung – Symphonic Metal. Für mich ist es die perfekte Musik zur Entspannung, weil ich mich so sehr beim Lauschen auf alle Ebenen der Musik konzentrieren muss, dass ich Alltag, Arbeit, Schmerzen vergessen kann.

Gelesen habe ich auch ein paar Bücher:

Buch Nr 9: MICHEL FABER “Hundertneunundneunzig Stufen”Ich habe das Buch anno dazumal … ich glaub 2014 im Herbst in Whitby in der englischen Variante gekauft und angefangen zu lesen, aber es hatte mich damals gar nicht so richtig gepackt. Jetzt auf Deutsch flutschte es.
Ja, es hat Züge von moderner Schauerliteratur, aber andererseits auch wieder nicht.
Wir begegnen einer Archäologin, die Albträume seit ihrem Unfall in Bosnien hat (wo sie ihren damaligen Freund – einem Journalisten begleitete … zu Kriegszeiten, sie verlor in einem Unfall ein Bein und er wurde von Heckenschützen umgebracht …. irgendwie ist mir der Plotfakt zu platt – egal). In Whitby werden die Albträume aber anders als sie vorher waren. Um zu ihrer Arbeit zu kommen, der Grabungsstätte bei der Abbey St. Hilda, muss sie die 199 Stufen zum Berg hinauf und da lernt sie Magnus mit seinem Hund kennen. Magnus ist nur kurz in Whitby, er kümmert sich um den Nachlass seines Vaters und seine Abschlussarbeit für die Uni. Im Nachlass findet er eine Flasche mit einer Papierrolle … datiert auf 1788. Sian, so der Name der Protagonistin, hilft Magnus dies zu entschlüsseln… Es geht um Glauben, Umgang mit Toten/Gestorbenen, Trauer, Friedhofskultur, Respekt und Urängsten. Das Buch tat nicht weh, aber da ich in Whitby nicht nur einmal war, war es schon recht witzig gedanklich da langzulaufen UND NEIN, das indische Restaurant am Bahnhof ist nicht toll. Es ist gruselig. Schlechter Service und es gibt Mangolassi mit Eiswürfeln drin. Unter anderem.

Buch Nr 10: ANIKA DECKER “Wir von der anderen Seite” – Ich musste dieses Buch abbrechen. So leid es mir tat. Es war ein Geburtstagsgeschenk, aber meine Schwester hat gesagt, sie möchte nicht. dass sich meine Nägel aufrollen!
Der Humor ist gar nicht meiner und überhaupt … ich mag keine Krankenhaus / jemand wird gesund gepflegt (in dem Fall die Protagonistin) Story. Ich habe Feierabend.

Nich beendet, aber fleißig am Lesen ist immer noch mein Kurzgeschichtenband “Über den Feldern” mit Geschichten über den 1. Weltkrieg. Dazu gleich die Frage: Sollte ich mir 1917 im Kino anschauen? Ich bin ja kein Kinogänger. Außerdem lese ich ganz beherzt in der Biografie über Moonspell.

Es kommen in der kommenden Woche noch mehr neue Bücher hinzu und ich werde endlich wieder Live Musik mir anschauen. Am Donnerstag freu ich mich auf das THE FOREIGN RESORT Konzert (mit dem Support Golden Apes) und am Samstag gehe ich mit Mr T in die Staatsoper für das Hamburg Ballett und den “Bernstein Dances”. Wir beide haben schon so lange kein Ballett mehr gesehen. Also habe ich es Mr T zu Weihnachten geschenkt. Ich freue mich richtig darauf.

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Gekauft bzw. frisch in meiner Bibliothek habe ich:
Neu 5: MICHEL FABER “Hundertneunundneunzig Stufen” (für 1 Euro im modernen Antiquariat)
Neu 6: CRAIG DYER “The Devil in me & in all the rest” (für 10 Euro direkt bei The Underground Youth gekauft)
Neu 7: AL BERTO “Salz” Lyrik
Neu 8: AL BERTO  “Garten der Flammen” Lyrik
Neu 9: AL BERTO “Mondwechsel” Bertos einziger veröffentlichter Roman.
Nebenher erfuhr ich, dass Portugal in diesem Jahr Schwerpunktthema auf der Leipziger Buchmesse ist und ich wundere mich noch, warum so viele Portugiesen plötzlich übersetzt auf dem Deutschen Buchmarkt zu finden sind. Wenn Dein eigenes Interesse Dich mit einem Trend überholt.

 

Kein wirklicher Literaturrückblick 2019

Moin, ich habe dieses Jahr keinen wirklichen Literaturrückblick. Ich habe nicht wirklich “viel” gelesen Es waren bisher “nur” 80 Bücher. Das ist für meine Verhältnisse wenig, aber ich bin dank Bindehautentzündung und den Folgen echt zurück gefallen. Ich habe viele beeindruckende Klassiker gelesen.

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So etwas wie “The Last Journey” von Sir Robert Falcon Scott (und Spoiler Alert: Am Ende stirbt Robert. Das ist so tragisch und traurig). Aber über Scotts letzte Reise … die unvollendete zum Südpol hin und zurück ist einfach schon alles erzählt. Da muss ich nichts zum Buch sagen. Wenn man Tragik, Drama und Mitgefühl eines Captains lesen mag, sollte man zu dem Buch greifen. Wenn nicht, dann lasst es einfach bleiben.

Ich habe drei Bücher von Fernando Pessoa gelesen. Ich huldige diesen  Mann wie einen Gott. Ich kann dazu nichts objektives schreiben. Es ist mir völlig fremd dies zu tun. Ich liebe seine Schreibe. Ironisch, sarkastisch, metaphysisch und frustrierend schön. Es ist keine Kost für den Unterhaltungskunstleser. Dazu muss man echt bereit sein. Ich kann das immer.

Ein Highlight war definitiv “Eines Menschen Herz” von William Boyd. Man begleitet einen Mann im 20. Jahrhundert, der alle Scheißsituationen mitnimmt, die man mitnehmen kann als Brite. Es ist ein Jahrhundertroman. Dieses Buch ist der Knaller. Ein aufregender Protagonist. Ein begeisternder Schreibstil (Tagebuchform). Eine beeindruckende Storyline. Witz. Tragik. Alles drin, was ich von einem Buch verlange.

Dann las ich noch das beeindruckende Debut von Philipp Weiss “Am Weltenrand sitzen die Menschen und lachen”. Zu dem Buch fällt mir nichts weiter ein als EPIK in 5 Bänden. 5 verschiedene Schreibstile, 5 verschiedene Settings, 5 verschiedene Protagonisten, die 1 GANZES machen. Das als Debut auf den Markt zu schicken, ist sportlich und mutig und gebürt meiner Ehrerweisung.

Furchtbar fand ich Kristin Hannah “Liebe und Verderben”. Enttäuschend fand ich Michael Köhlmeier “Bruder und Schwester Lenobel”. Amüsant fand ich Friedrich Hebbel “Poesie der Idee”. Gruselig fand ich “Konzentrationslager Dokument F321”. Nachwirkend fand ich Naomi Alderman “Die Gabe” und Jennifer Clement “Gun Love”. Absolut bereichernd fand ich Charles Baudelaire “Le Spleen de Paris”. Bildungslücke schließend fand ich “End of Empire” von David P. Chandler. Lebenserleichternd fand ich “Wie man ein Buch liest” von Mortimer J. Adler. UND Zeit erfüllend fand ich “Der Spaß an der Sache” von David Foster Wallace. Am Allerschönsten fand ich Neil Gaiman “Snow, Glass, Apples”. Fragen aufwerfend war “Sabrina” von Nick Drnaso.

Also allgemein zusammen fassend … das Jahr war zwar nicht arg gefüllt, aber durchaus breit gefächert an Lektüre. Ich freu mich auf 2020.

Im Zeichen des Virus’ – #WGT2017 Rückblick – Teil 3

Der 3. Juni 2017 … Samstag begann für Mr T und mich mit ordentlichem Hangover. Mr T ließ das Frühstück ausfallen. Ich ging alleine los. Die Schmerzen waren weniger bzw. erträglicher. Ich freute mich auf einen Programmpunkt des Tages. Das waren Saigon Blue Rain. Meine Lieblingsfranzosen. Ich liebe die Musik und ich liebe die Menschen dahinter.

Mr T krabbelte pünktlich genug aus dem Bett und wir begaben uns zum Thüringer Hof, wo wir Spargel mit Kartoffeln aßen (zum Entgiften). Mr T hatte ebenso wie ich die Vermutung, dass es uns wegen der mangelnden Hygiene im Felsenkeller am Vortag nicht so dulle ging. Das ist natürlich schwerst ärgerlich gewesen. Im Thüringer Hof schmeckte es aber sehr gut.

16:40 Uhr sollte das Set von Saigon Blue Rain im Alten Landratsamt starten. Wir kamen eher, da ich unbedingt meine heimlichen Headliner des Festivals aus erster Reihe sehen wollte. Dies hat auch geklappt.

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Saigon Blue Rain @ Altes Landratsamt am 3. Juni 2017

Das Set war eine geschlagene Stunde lang. Man sah den dreien an, dass sie nach dem zweiten Song locker und entspannter wurden, weil sie bekannte Gesichter in der ersten Reihe fanden. Der gesamte “linke Block” vor der Bühne waren auf jeden Falle Menschen, die Saigon Blue Rain noch nicht zum ersten Mal gesehen hatten und die gezielt zum Konzert auftauchten. Eine ordentliche Fanbase zu haben als erste Band des Tages ist ein großartiges Juwel. Saigon Blue Rain haben es auch voll verdient. Sie waren großartig. der Klang stimmte (Danke an Daniel), Ophelias Stimme war der Hammer, Francks und Giles’ Spiel auf Gitarre und Bass waren wunderbar. Ich brauchte nichts Aufregendes an dem Samstagnachmittag. Ich war einfach nur hin und weg.

Nach dem Konzert gab es ein geselliges Stelldichein mit der Band und Freunden am Merchandise.

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Es machte mich voll glücklich, denn Saigon Blue Rain sind für mich echte Herzmenschen. Ich habe sie erstmalig beim Sacrosanct Festival 2015 in Reading, UK gesehen und mich bereits dort schon sofort unmissverständlich in die Musik verliebt. Bei der letzten Beauty of Gemina Tour waren sie Support und ich habe für das letzte Album ordentlich gepledged, damit ich zum einen das Album und ein Ticket für die Tour bekam. Allein diese wundervollen Menschen waren es wert zu dem Konzert zu gehen. Ich habe das schon öfter gemacht … zu einem Konzert zu gehen, nur um den Support zu sehen.

Nach Saigon Blue Rain spielten Klimt 1918 auf, die leider mit den ersten beiden Songs nicht direkt überzeugen konnten, deswegen liefen wir schnell im schönsten Regenguss zurück ins Hotel, um uns “frisch” zu machen, Merchandisetrophäen von Sylvaine, die wir noch sehen wollten, wegbrachten. Pünktlich zu Sylvaine waren wir zurück im Alten Landratsamt. Katherine konnte mit ihrem Gesang schwerstens überzeugen. Wir genossen es Franck nochmal sehen zu können und erfreuten uns am Liveschlagwerk.

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Sylvaine @ Altes Landratsamt am 3. Juni 2017

Es hat sich voll gelohnt … ich hatte nach Sylvaine Bock auf Metal und deswegen überzeugte ich Mr T mit kurzem Stopp im Hotel noch zu Amorphis in den Kohlrabizirkus zu ziehen. Ich hatte Amorphis anno dazumal bei einem meiner zwei Wackenbesuche erlebt … das war zu Zeiten, wo es damals noch Tagestickets gab. Amorphis sind “alte gesetzte ernste Männer”, die nur spielen wollen. Ihre Show war pures Entertainment, erdig, dreckiger, melodiöser, von Pathos getragener Metal. Schöhööööön.

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Amorphis @ Kohlrabizirkus am 3. Juni 2017

Mr T und ich haben die Show geliebt und nebenher haben wir noch Kumpel Arne aus Kiel getroffen, den wir auch immer nur zum WGT zu fassen bekommen und dann ist das Wiedersehen umso herzlicher. Ein schöner Abend, der dann noch mit einer der letzten Bratwürste am Grill vor dem Kohlrabizirkus endete. Wir waren die letzten, die aus der Venue rausgekehrt wurden.

Mr T war aber immer noch nicht fit und ich merkte es auch, dass dieser Tag uns sehr viel Kraft gekostet hatte. Das endete so, dass wir direkt ins Bett fielen und bis 11:30 Uhr am 4. Juni “durchschliefen”.

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Im Zeichen des Virus’ #WGT2017 Rückblick – Teil 2

Der Freitag 2. Juni 2017 begann mit dem losen Plan zum Heidnischen Dorf zu fahren und in der Agra Markthalle shoppen zu gehen. Ich bin aufgewacht mit epochalen Schmerzen in meinen Handgelenken beidseitig. Sie waren so stark, dass mir Mr T beim Anziehen helfen musste. Zum Frühstück aß ich auch kein Brötchen, weil ich dafür hätte das Messer benutzen müssen … was ich nicht konnte. Ich aß also Bircher Müsli und trank meinen Tee, schnabbulierte ein bisschen Rührei, damit ich ein bisschen in die Gänge kam. Funktionierte auch recht gut. Wir putzten uns ein wenig heraus und liefen zum Wilhelm-Leuschner Platz. Die nächste Schwarze Tram in Richtung Markleeberg war zudem mit unseren zwei Freunden aus Australien besetzt, die wir sofort fanden und uns deren Reise ins Heidnische Dorf anschlossen.

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Ich war sehr entzückt und positiv erfreut, dass die Marktstände im Heidnischen Dorf tatsächlich wieder schwärzer geworden sind im Angebot. Die Hippiesamtklamotten waren nicht mehr zu sehen. Das fand ich sehr gut. Nach einem Rundblick über das Gelände stellten wir uns die Bierbankgarnitur in den Schatten und es wurde ein sehr entspanntes Meet and Greet unter Freunden der UK Szene und uns getätigt. Es wurde geplauscht über die aktuellen Dinge des letzten Jahres, wo man sich nicht getroffen hat und das gut mit Getränken untersetzt … wie Rhabarber Federweißer. Ich find das Zeug ja eher semiprickelnd, aber meinen Aroniawein fand dafür bei den anderen Herzmenschen keinen Anklang. Komisch.

DSCN1773Wir waren bei dem gemütlichen Stelldichein gewesen, als Cuélebre aufspielten. Die waren so gut, dass ich mehrfach vom Platz aufsprang und ich es mir nicht nehmen ließ vor der Bühne etwas herum zu zappeln, sowie ein Album der Kapelle zu kaufen. Dies war tatsächlich nicht nervendes Trötenzeug. Die Band war kompakt auf der Bühne. Man sah und hörte es ihnen an, dass sie dies nicht erst seit gestern machten und dass da tatsächlich Könner am Werk waren. Das fand ich wirklich sehr erfreulich, denn die hatte ich zuvor noch nicht auf dem Zettel gehabt.

Danach drehten Mr T und ich zusammen mit unseren UK Freunden eine beschwingte Runde über die Shoppingmeile der Agra Halle und erwarben einen Zylinder für mich, einen Zweispitz, sowie vintage Knöpfe für den Herren, sowie drei Bücher für mich. Es waren übrigens die einzigen Bücher, die ich in Leipzig kaufte. Drei Märchenadaptionen. Einmal von Luci van Org “Schneewittchen und die Kunst des Tötens”, eine moderne Geschichte mit BDSM Figuren und schrägen Persönlichkeiten. Und dann kaufte ich noch zwei Alice im Wunderland Adaptionen, die ich in absehbarer Zeit hier auf dem Blog genauer vorstellen werde. Nach der erschöpfenden Einkaufsrunde, grübelten wir über den Veranstaltungsschlachtplan. Manch einer hatte schon Hunger und andere hatten Durst, viel Durst.

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Mr T und ich entschieden uns dann zügig zurück in die Stadt zu begeben. Ich wünschte unbedingt Aeon Sable, BFG und Whispers in the Shadow im Felsenkeller zu sehen und da dies so der einzige Veranstaltungsort für Oldschool am Freitag war, befürchteten wir, dass es da warm, voll und stickig werden würde. … War dann auch so. LEIDER.

Mr T und ich sahen nur noch die letzten drei vier Lieder von Aeon Sable, aber diese waren sehr gut. Im Felsenkeller trafen wir eine Menge an Menschen aus unserem Freundeskreis, die wir dann das gesamte restliche WGT nicht mehr antrafen (also ein Klassiker) und ich wollte wirklich durchhalten bis Whispers in the Shadow, aber mein Kreislauf hat nach der Hälfte des zugegebenermaßen genialen Sets von BFG gesagt, “Schluss jetzt, ich muss raus.” Mr T ging es auch nicht sehr gut, warum das erfuhr ich dann knapp drei Stunden später.

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Aeon Sable @ Felsenkeller 2.Juni 2017

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BFG @ Felsenkeller 2. Juni 2017

Wir flüchteten aus der Fieberbaracke Felsenkeller und fuhren zurück zum Hotel, wo wir uns frisch machten und der Empfehlung eines Freundes annahmen, der meinte, man müsse sich Sinistro anschauen. Die seien gut. Sinistro spielten an dem Freitag Abend als Rausschmeißer im Kohlrabizirkus und bevor wir komplett schlapp machten und uns gar nichts mehr einfiel und keiner mehr mit uns spielen wollten, fuhren wir zum Kohlrabizirkus für Sinistro aus Portugal. Feinster Doom mit einer bezaubernden Dame als Sängerin und erst nach dem Treffen fiel mir auf, dass Sinistro zusammen mit Pallbearer die kommende Paradise Lost Tour supporten werden … ich bin entzückt. SINISTRO waren für mich eine totale Entdeckung. Ich bin echt verliebt. Der komplette Backkatalog wurde am Abend des Konzertes gekauft. Umwerfendes schweres düsteres getragenes episches Metall, was mein Herz zum Schwingen bringt (und die Tränendrüsen auch.) Die Bühnenpräsenz war der absolute Hammer.

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SINISTRO @ Kohlrabizirkus 2. Juni 2017

Nach Sinistro waren wir eigentlich schon voll im Eimer, mein jugendlicher Leichtsinn überredete Mr T mit Zwischenstopp im Hotel noch zum Mitternachtsspecial von Amanda Palmer & Edward Ka-Spel in der Agra Halle, weit nach Mitternacht. Jedoch als wir an der Agra ankamen, war klar, dass Mr T es nicht bis in die Halle schaffen würde. Ihm war richtig elend. Er wusste nicht wovon. Aber nachdem er nur Galle wiederholt in die Büsche sich erbrach, trat er unverrichteter Dinge den Heimweg ohne mich an. Ich kämpfte mich in die Halle, besorgte mir einen großen Becher mit Wasser und machte zwei drei Belegfotos. Ich wollte aufgrund von großer Erschöpfung schon eher gehen, aber sagte mir. “Nein, du bleibst, weil ein paar von den Ladies, die sich auch zum WGT angekündigt hatten, heute unbedingt bei Amanda auftauchen wollten.” Ich hatte aber keinen Kontakt aufgrund fehlendem smarten Phone … deswegen musste ich warten bis das Konzert fertig war. Leider traf ich keine bekannte Lady mehr … nur einen ebenso enttäuschten UK Kumpel, der wie ich zum selben Schluss kam. Das Set war okay, aber in der Halle, zu dieser Uhrzeit komplett fehl am Platz. Schade.

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Amanda Palmer & Edward Ka-Spel @ Agra Halle 2.Juni 2017

Selbstredend, dass ich nach diesem ersten Tag keinen Elan mehr hatte, auf die Piste zu gehen zum Tanzen oder so. Ich fuhr mit Taxi zurück ins Hotel und schlich mich zu dem kaputten Kater, der schon tief und fest schlief als ich halb drei Uhr Morgens ins Bett fiel.

Der nächste Tag kam in schnellen Schritten und wir kamen da auch nur aus den Betten, weil wir unseren Headliner des Treffens auf dem Zettel hatten.

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Im Zeichen des Virus’ #WGT2017 – Rückblick – Teil 1

Moin moin,

ich bin zurück aus meinem Gotenurlaub in Leipzig. Es fand zum 26. Mal das Wave Gotik Treffen in Leipzig statt. Ich war dort zum … ich weiß nicht mehr wievielten Mal gewesen, aber definitiv zum 4. Mal zusammen mit Mr T als Partner. Es war wundervoll und eine Mischung aus virulent und alkohollastig.

Am Anreisetag Donnerstag dem 1. Juni 2017 wurde ich am Morgen bereits mit Kreislaufkollaps, Migräneattacke und Übelkeit geweckt. Ich war bis 11 Uhr nicht transportfähig, obwohl Mr T und ich bereits 11 Uhr auf der Autobahn sein wollten. Daraus wurde allerdings nichts. Ich half mir bereits auf nüchternem Magen Aspirin effekt hinein, sowie anderthalb Liter Wasser. Dann bewegte ich mich mit Mr Ts Begleitung zum Bäcker des Vertrauens, wo ich eine große Tasse Tee trank und ein halbes halbes Brötchen mit Kräuterquark. Nachdem mein Kreislauf wieder halbwegs in Ordnung war, begaben wir uns auf die Reise. Mr T vergaß bei all der Aufregung seinen Gehrock.

Unsere Reise führte uns quer durch den Harz, weil Mr T und ich auf 22km Stau auf der A2 auf einer einspurigen Strecke verzichten wollten. Dies war eine sehr weise Entscheidung. Mr T wurde entspannter, als ich anfing die geschnittenen Paprikascheiben aus der Tupperdose weg zu schnurpsen und die Notkekse dernieder zu reißen. Aber am entspanntesten wurde er erst, als der Wagen bereits geleert und geparkt war. Wir machten uns noch nicht mal die Mühe uns “frisch” zu machen, sondern fielen sofort gegen 16:30 Uhr in Auerbachs Keller ein.

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Es ist zur Tradition geworden Donnerstag nach Ankunft erst mal Futter zu fassen. Auerbachs Keller ist aber irgendwie nicht mehr das, was es für uns war. Es ist teurer geworden und es kommen vor allem immer mehr Lemminge in die Location, ein funktionierendes Restaurant, um Fotos zu machen, während dessen andere Menschen essen. Ich war sehr dankbar, dass wir am hinteren Ende des Restaurants plaziert wurden. Frei nach dem Motto “just keep them separated”. Aber diese Touristenlemminge, die sind zum Abgewöhnen. Ja, es mag sein, dass dieser Ort die Brutstätte für Goethes Faust gewesen ist, aber muss man dann ungefragt in ein Restaurant platzen und ungeniert mit Blitz Fotos machen? Ich bin echt entsetzt gewesen, mit welcher Selbstverständlichkeit dies gemacht wird. Das Essen war gut. Ich aß Spargel mit Leipziger Allerlei. Danach sind Mr T und ich so wie immer in Karstadt eingefallen und haben ein paar Motivstrumpfhosen gekauft und dann stolperte ich zufällig noch beim Tamaris Laden vorbei, wo ich innerhalb von 3 Minuten ein paar Schuhe kaufte. Dann brachten wir unsere Beute ins Hotel zurück und besorgten uns die Bändchen. Wir hatten recht viel Glück, denn als wir am Hauptbahnhof ankamen, war die Schlange recht kurz und wir hatten nach 10 Minuten unsere Bändchen. Nebenher trafen wir auch noch Maike und das war super, denn die restlichen Tage trafen wir uns kein einziges Mal mehr.

DSCN1760Unser Weg führte uns dann zu einem ersten Bier für Mr T und einen großen Becher Tee in die Moritzbastei zum intensiven Programmstudium.

Der gute Plan war wenigstens an einem Abend noch Tanzen zu gehen. Unser physiologischer Zustand allein ließ es nicht zu. Wir waren einfach platt. Und das schon vor dem Festival. Wir suchten uns pro Tag 2 Bands aus, die wir sehen wollten und danach sollte nur noch das passieren, was ging. Zu dem Zeitpunkt hatten uns schon unsere australischen Freunde wiederholt versucht zu erreichen. Mit denen trafen wir uns dann im Hotel an der Bar, wo wir versackten und alles erzählten, was im vergangenen Jahr so bei uns passiert ist. Denn leider treffen wir uns nur ein Mal im Jahr … und dies zum WGT.  Schöner hätte der Donnerstag nicht enden können.

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Und auf dem kleinen Regal war auch alles bereit für das Wochenende. Es gibt ja nichts zu Essen und zu Trinken im besten Haus am Platz.

 

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