Lamento … [warum ich nichts lese… oder “Doom & Gloom” ]

Zum Lesen braucht man Augenlicht und am besten welches, mit dem man fokussiert Buchstaben lesen kann. Ich kann das zeitweise, aber nicht über lange Strecken am Tag. Warum, weshalb, das weiß ich leider nicht. Ich habe seit meinem letzten Posting hier auf dem Blog nur zwei Bücher beendet zu lesen.

Das waren

Buch Nr 17: “Über den Feldern” Hrsg. Horst Lauinger (erschienen im Manesse Verlag)  – die Anthologie mit Kurzprosa über den ersten Weltkrieg von Literaten der ganzen Welt. Dies ist ein unfassbar gutes Buch. Es zeigt die Brutalität, Traurigkeit, Hoffnung, Überlebenswille, Liebe in Zeiten des Krieges. Es werden so viele Facetten des Krieges aufgezeigt, dass es einem beim Lesen teils recht schwindlich wird und die Tränen kommen manchmal echt ungeplant.

Buch Nr. 18: “Telex aus Kuba” von Rachel Kushner … endlich habe ich dieses Buch gelesen. Irgendwie schon fast ein moderner Klassiker, der sich um die kubanische Revolution um die Machtergreifung von Fidel Castro und Absetzung von Batista sich dreht. Das faszinierende an dem Buch sind die vielen Blickwinkel der Charaktere. Alle Seiten der Geschichte wurden beleuchtet und zugegeben … die amerikanischen Zuckerrohrplantagenbesitzer kommen dabei nicht gut weg. Ich habe nur mit dem Buch kämpfen müssen, da die Schrift echt arg klein (aktuell) für mich ist und ich wie oben schon geschrieben, mich nur sehr kurzzeitig auf Schrift konzentrieren kann.

Neu hinzu gekommen in meinen Bücherschrank sind

Neu Nr 12: Lyonel Feininger “The Kinder Kids” (geschenkt bekommen)
Neu Nr 13: Richard Flanagan “Tod auf dem Fluss” (ausgeliehen)
Neu Nr 14: Jin Yong “Legends of the Condor Heroes 1 – A hero born” (geschenkt bekommen)
Neu Nr 15: Jade Will (Hrsg) “New Baltic Poetry”
Neu Nr 16: Miguel Torga “Weinlese”
Neu Nr 17: Anton Tammsaare “The Misadventures of the new satan”
Neu Nr 18: Doris Kareva “Shape of time”
Neu Nr 19: Kai Aareleid “Burning Cities”

Was ich davon als erstes lesen sollte, könnt ihr mir gern in den Kommentaren schreiben. Ich glaub aber tendenziell, dass ich erstmal die Lyrikbände mir vornehme. Da kann ich eher mal beim Lesen Pausen einlegen. Als Roman lese ich derzeit aber noch weiter Sandemose “Ein Flüchtling kreuzt seine Spur” und bevor ich diesen Roman nicht ausgelesen habe, werde ich auch nichts Neues in epischer Länge starten. Das schaffe ich gerade nicht. Leider.

Musikalisch hatte ich auch zwischenzeitlich wieder Sachen live gesehen. Die habe ich dann auch wirklich gesehen (wenn auch verschwommen). Aber Musik im Blur ist manchmal ganz schön (in der ersten Reihe). Übrigens Bühnennebel hilft dabei nicht wirklich das Seherlebnis zu verbessern.

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Am 24. Januar sah ich auf der MS Stubnitz hier in Hamburg WISBORG im Vorprogramm von Eden weint im Grab. WISBORG waren zauberhaft, da sie jetzt mit nem echten (und vor allem guten) Schlagzeuger auf der Bühne stehen. Das macht die Songs authentischer, dynamischer und das gesamte Gefüge auf der Bühne ist wie ein steiler Rohdiamant, der noch schöner werden mag. Bitte aber nicht blank poliert. Es soll ruhig grantig, rauh, und kantig bleiben. Sehr schön fand ich, dass bei diesem Konzert tatsächlich mal das Equipment ganz blieb.

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Am 8. Februar gab es im Hafenklang A PROJECTION / WIRES & LIGHTS / ON THE FLOOR live zu erleben. Dieses Paket war sehr gelungen, wobei ich doch ganz stark bei On the Floor das Liveschlagwerk vermisste. Das Hafenklang wurde zu einem recht warmen Fleckchen Erde. Ich habe zeitweise nach Luft gesucht (und nur vor der Tür des Clubs gefunden). Dies hat aber dem Konzert keinen Abbruch getan. Es war richtig gut. Wires & Lights haben durchaus Livequalitäten. Hätte ich die Band zuerst live gesehen, dann hätte ich deren Konserve auch gekauft, aber ich kannte das Studiowerk bereits davor und fand es etwas lang und weilig. Live waren die Jungs super. A Projection sind immer wieder ein Augen- und Ohrenschmaus. Sehr putzig find ich den “exaltierten” Tanzstil des Sängers. Das hat was.

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Alcest beglückte ganz Hamburg (zumindest den ganzen Grünspan) am 11. Februar) zusammen mit Kaelan Mikla und Birds in Row. Ganz ehrlich, von mir aus hätten Neige und Kumpanen noch länger spielen können. Die Musik hat mich über den darauf folgenden Mittwoch getragen (am Donnerstag “fiel” ich dann am freien Arbeitstag körperlich zusammen). Alcest haben ihr neuestes Werk Spiritual Instinct live vorgestellt und dazwischen den ein oder anderen Hit hineingestreut. Ich fand das Publikum auch sehr interessant. Es waren keine Ausfälle dabei, aber so bunt (in schwarz) gemischt habe ich es selten bisher so friedlich erlebt. Kaelan Mikla sind 3 isländische Ladies, die sehr interessante Musik auf die Bühne stellen, aber für mich ist es auf Dauer echt anstrengend gewesen. Birds in Row werde ich nur in Erinnerung behalten als undefinierbaren Lärm, sorry, das ging gar nicht.

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Am 20. Februar bin ich zusammen mit Mr T nach Tallinn geflogen, um die 20th year anniversary show von Swallow the sun zu sehen. An einem Abend zwei Shows. Dabei wurde mit Kammerorchester das 2. Album der Songs of the North komplett gespielt und im zweiten Teil des Abends wurde es laut und schwer mit den most favourites der vergangenen 20 Jahre. Ich war und bin immer noch hin und weg von diesem Abend und ich freu mich schon jetzt auf die heute in Helsinki aufgenommene Show auf DVD. (Zumindest erzählte mir Juha nach dem Konzert, dass das Konzert im Tavastia mit 10 Kameras aufgenommen wird). Seufz.

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Alles in allem kann ich sagen, auch wenn ich wenig bis gar nicht gelesen habe, so waren die letzten Wochen keinesfalls ereignisarm. Ich schaue etwas verschwommen in die Zukunft und btw lass mich von diversen Virusinfektionen, die sich etwas epidemiös verbreiten nicht aus dem Konzept bringen. Panik ist hier nicht angebracht, denn ich kann mir dies nicht leisten. Ich bin immer Risikogruppe für alle Infektionen. Die erfolgreichsten und gesundesten dabei sind die der Literatur und der Musik mit Leidenschaft.

 

Montagsauslese 3/2020

In der letzten Woche habe ich definitiv mehr gelesen als in der Woche zuvor. Aber musikalisch war es trotz alledem für mich gewesen.

83105023_3266430236700566_601252772414750720_oIch war beim Konzert von THE FOREIGN RESORT im Goldenen Salon am Donnerstag. Das war großer Spaß. Es war mein Geburtstagsgeschenk von Freunden gewesen und es hat sich wirklich richtig gelohnt.  Ich freu mich jetzt schon auf das “Dark Skies over Witten” im März, bei denen ich die dänischen Jungs wieder sehen kann. Dieses Mal dann mit meiner besten Kumpeline Lyd.

Was ein Konzert von The Foreign Resort stets ausmacht?! Diese Jungs haben Bock auf der Bühne zu stehen. Sie machen Späße. Ihre Musik langweilt nicht. Zu keiner Sekunde UND ja, es ist halt feinster reudiges Gitarrengeschrammel mit wundervollem echten Schlagwerk.

Am Samstag war ich mit Mr T in der Staatsoper und habe eine Aufführung des Hamburg Balletts gesehen. Es standen die “Bernstein Dances” auf dem Plan.

Eine Hommage auf den Musiker Leonard Bernstein. Mit seiner Musik und eben Tanz. Es war ein sehr schöner bunter Abend. Und ich kam zur Erkenntnis, dass ich vielleicht doch noch mal irgendwann mir Candide komplett anschauen sollte. Und West Side Story ist sowieso toll. Ich fand die beiden Sänger großartig und der Fakt, dass Marc Bouchkov an der Violine war und Sascha Trusch tanzte, war noch viel besser.

Gelesen in der letzten Woche: Da war Musik drin. DIe Bücher steckten voll Poesie und in einer Menge der Bücher wurde sich mit dem Tod beschäftigt.

Nr 11: RICARDO S. AMORIM “Wolves who were men”: Dies ist die Moonspell Biografie. Sie ist unfassbar emotional und bewegend geschrieben. Irgendwie leidet man als Leser ganz schön mit den Musikern und den “Auf und Abs” in der Bandgeschichte mit. Einerseits kann es einem schon das Herz zerreißen, andererseits muss man lachen. Das schöne an der Bandbiografie ist, dass man dieses Buch auch lesen kann, ohne Fan der Band zu sein oder Spezialist im Metalgebiet zu sein. Denn es geht hier vor allem sehr um Menschliche Dinge. Und komische Dinge im Musikbusiness gibt es in jedem “Genre”. Ich kann das Buch nur empfehlen.

Nr 12: CRAIG DYER “The Devil in me & in all the rest”: Craig Dyer ist Sänger der Band “The Underground Youth”. Dieses Buch ist ein Band mit Poetry und Lyrics. Ich habe sie gemocht, aber das, was ich an Poetrie immer sehr mag bzw. mir wünsche, ist die Melodie der Worte oder richtige Emotionalität, die mich bewegt. Dies hat mit den meisten der Stücke nicht funktioniert. Ich weiß nicht warum dies so war. Dies wird aber die Liebe zur Musik von The Underground Youth nicht schmälern.

IMG_8134Nr 13: AL BERTO “Salsugem – Salz” & Nr 14: AL BERTO “Garten der Flammen”: Die zwei Bände sind gefüllt mit Gedichten von Al Berto (1948 – 1997), einem portugiesischem Autoren, Vertreter des Surrealismus. Die Geschichte befassen sich sehr mit seinen Gefühlen, dem Tod, der Liebe. Mit Salz konnte ich anfangs icht so viel anfangen. Ich war noch etwas von dem Übersetzungsstil (mit Kleinschreibung auf Deutsch) überfordert. “Garten der Flammen”dagegen, der Gedichtband, den Al Berto kurz vor seinem Tod geschrieben hat, hat mich schwer bewegt und mitgenommen. Die Zeilen sind sehr morbide, melancholisch, auf das Leben zurück schauend.

Nr 15: SUE BLACK “All that remains”: An diesem Buch habe ich mächtig geknabbert … und vor allem lange geknabbert. Es sind die Aufzeichnungen der Forensikerin Dame Sue Black. In dem Buch geht es sehr viel um Tod, in jeder Form, die man sich vorstellen kann. Es geht um den Umgang mit den Toten. Es geht um die Arbeit als Forensikerin im Kriegsgebiet (Kosovo). Es ist ein rundum menschliches Buch, denn der Tod gehört zum Leben dazu. Ich bin sehr froh, das Buch gelesen zu haben.

Nr 16: OLIVER SACKS “Alles an seinem Platz”: Dies ist das vermutlich letzte Buch, was im Namen von Oliver Sacks veröffentlicht wurde. Oliver Sacks ist 2015 verstorben und mit ihm ist ein sympathischer Neurologe gegangen. Sacks ist für seine Fallgeschichten berühmt geworden. In “Alles an seinem Platz” sind neben letzten Fallgeschichten auch Essays zu anderen Themen platziert. Sie sind allesamt sehr klug und gefüllt mit gefährlichem Halbwissen. Die Leseliste für mich wurde sehr viel länger nach dieser Lektüre. Ich habe das Buch letzte Woche gekauft, weil ich an keinem Oliver Sacks ungesehen vorbei laufen kann. Ich bin ein Sacksjünger.

Gekauft oder geschenkt bekommen habe ich:
Neu Nr 10: AKSEL SANDEMOSE “Ein Flüchtling kreuzt seine Spur” (mein letztes Geburtstagsgeschenk). Das Buch wollte ich schon letztes Jahr selbst kaufen und habe es dann irgendwie aus dem Blickfeld verloren. Um so glücklicher bin ich, dieses Buch jetzt geschenkt bekommen zu haben.

Neu Nr 11: OLIVER SACKS “Alles an seinem Platz”

Ein Blick zurück … musikalisch [2019]

MEIST ROTIERTE ALBEN 2019

1 SWALLOW THE SUN “When a shadow is forced into the light”
Dieses Album hat mir nicht nur die Schuhe ausgezogen und mich instantly zum Heulen gebracht. Nein, dieses Album beschäftigt mich nach wie vor mit jedem neuen Hören wieder und wieder. So etwas Vielschichtiges und Vollkommenes in einem Guss habe ich tatsächlich seit Jahren nicht mehr gehört. Auch live überzeugt mich das neue Werk meiner Lieblingsfinnen sehr. Doomiger, erdig, luftig, fluffig, melodisch und getragener geht nicht mehr in Vollendung. Manche mögen sagen, dass das Mädchenmusik ist, aber das ist mir egal. Ich habe bei Konzerten sehr viele Männer gesehen, die beim Hören und Performen der Musik sehr emotional wurden. Selbst das Mitschleppen der Altpunkfreunde aus UK damals in Hamburg war imposant. Zitat: “Growling ist zwar nicht so unser Ding, abr das passt. Ich müsste eigentlich auch Swallow the Sun zu den Konzerthighlights mit auflisten, ABER es gab so viele Highlights. Das Highlight 2020 wird eh Swallow the Sun sein, deswegen spare ich mir die Erwähnung der drei besuchten STS Konzerte (Hamburg, Flensburg und Hannover), die alle großes Kino waren und die mich zum Weinen brachten. So schön waren die. ” Lieblingslied des Albums “Stone Wings”

2 SOMETIME THE WOLF. “From here and earth”
Diese Briten habe ich 2018 beim Goth City Festival in Leeds live gesehen und habe damals umgehend die EP Forsaken gekauft. Die Liveperformance hatte mich damals umgehauen. Sometime the Wolf. klingen wie die Abgesandten aus den 80ern, nur mit einer Portion Frische. Wer auf altgediegenen Gotenrock steht, der mit einer Prise Patros gut klar kommt, ist hier bestens bedient. Großartig produziert. Voller Hymnen. Genau das Richtige für mich, die es gern etwas fetter, breitgetretener und epischer mag, als überhaupt erlaubt sei. Lieblingslied des Albums “Ashes”

3. ALCEST “Spiritual Instinct”
Die Lieblingsfranzosen sind wieder härter geworden. Sehr zu meiner Freude. Es geht nichts über blackmetallische gazige Melodeien, die Neige mit engelsgleichem Blick und teils klar, teils schreiend growlender Stimme uns dahin schmettert. Das kann ich vollkommen gut haben. Kodama war sehr catchy gewesen, aber ich liebe es auch durchaus beim Hören von Musikwerken mehr gefordert zu werden. Dies wird mit Spiritual Instinct erfüllt. Lieblingslied des Albums “L’île des morts”

4. AEONIAN SORROW “Into The Eternity A Moment We Are”
Diese Band war der überzeugendste Support in diesem Jahr bei einem Konzert gewesen. Doom-Goth-Metal, der primstens mit einer Lady an den Vocals ist, die singt wie eine Göttin und nicht dieses obernervige hochfrequentige Zeugs, was keiner mehr hören mag. Die Lady singt in Alt und Aeonian Sorrow haben die Gelassenheit und die Fähigkeit die Langsamkeit im Metal zur Vollendung zu zelebrieren. Dazu die düsteren Growls … das ist soooo schön. Dazu sind sie allesamt super sympathische Menschen. P.S.: Das Album ist 2018 schon rausgekommen, aber da ich die Band erst 2019 kennenlernte und die meisten Songs auf dem Set vom aktuellsten Album kamen, zählt dies als ein 2019 Album. Song des Albums: “Thanatos Kyrie”

5. THE FOREIGN RESORT “Outnumbered”
Diese Dänen machen mächtig Spaß. Nüchtern betrachtet, ebenso wie angetüdert. Dies postpunkgothrockige Dreiergespann drückt mächtig nach vorn und ist live eine Wucht. Es klingt manchmal echt reudig, aber auf ganz harmonische Weise. Mikkels Gesang muss man mögen, aber das “Leiden” in der Stimme passt wie Faust aufs Auge bei den Songs. Anspieltipp: “Outnumbered”


DIE IMPOSANTESTEN KONZERTE 2019

1 MOONSPELL in Viana do Castelo
Ja, irgendwie Wiederholungstäterin. Dieser Besuch in Portugal war aufgrund schwerster Sehnsucht nach Portugal und Moonspell und NU:N (die wir zum Gelage ein Tag vor dem Konzert trafen) indiziert. Das Konzert fand im am  6. Juli 2019 in der Mehrzweckhalle in Viana do Castelo statt. Die Tickets hatten wir am Vorverkaufsstarttag online gekauft. Praktischerweise war die Seite nur in Portugiesisch lesbar. Aber irgendwie hat alles funktioniert. Praktischerweise haben wir auch das Hotel in Laufweite gebucht. Das Konzert war sehr putzig. Einlass war um 21:30 Uhr. Es spielten nur Moonspell auf. Es gab kein Bier in der Halle. IMG_5067

Aber ich hatte damit weniger Probleme als Mr T. Das Konzertpublikum war einerseits deutlich jünger als im Rest Europa und andererseits hatte es starken Anflug von Familienhappening. Wenn man sagt, dass der Prophet im eigenen Lande nichts taugt, aber in Viana do Castelo hat das schon funktioniert und das Set war ein 1755 + Gassenhauer Set. Ich mag die Portugalkonzerte von Moonspell sehr. Ich habe immer das Gefühl, dass die Jungs “zu Hause” anders auf der Bühne stehen. Ich mag diese sehr entspannten Leute im Publikum. Ich kann mich zwar wahrscheinlich nie an späte Einlasszeiten gewöhnen, aber nun ja, da muss man durch. Für Moonspell mach ich fast alles … Ganz nebenbei die Herbst/Winter Headliner Tour der Jungs war episch.

2 THEN COMES SILENCE & TRUE MOON in Hamburg (August 2019)
Then Comes Silence und True Moon spielten bereits einen Tag vor dem Konzert im Molotow auf einer privaten Party in Hamburg, die sensationell war, aber der Abend im Molotow war großartig. IMG_5475Zum Einen kannte ich dann schon True Moon und zum Anderen hatte ich aufgrund der Privatparty schon die passende V Null für den Abend. Die Stimmung war bestens. Die Besucher tiefenentspannt (weil sie alle auf das Mera Luna verzichteten, was an diesem Wochenende stattfand) und die Bands waren eingespielt. Der Sound im Molotow war sensationell. Das Portemonnaie saß locker, sodass TRUE MOON nicht viel Merch zurück nach Schweden wieder einpacken mussten. Besonders schön fand ich das Duett “Ritual” mit Alex und Karolina. Ebenso bemerkenswert war das TCS Konzert in Hannover am 29.11. zusammen mit The Foreign Resort und di: unru.

62442616_2818832374793690_7330648239487582208_o3 OCTOBER BURNS BLACK – WGT in Leipzig
Dieses Konzert hat sich durch technische Höchstschwierigkeiten in kuscheliger Atmosphäre mit Stuntgitarristen (altem Freund) ausgezeichnet. Es war ein Riesenhallo von jeder Seite im Täubchenthal und auch schon zuvor, denn Mr T und ich hatten sich bereit erklärt die Lady vom Stuntgitarristen unfallfrei zum Hotel zu eskortieren, vor dem Konzert und wir trafen uns allesamt noch am Hotel. Man versuchte einzuordnen warum diese Menschen uns kennen und inwiefern wie lange wir im inner circle vom Gitarristen und auch Schlagzeuger und auch anderen Bands, die ebenso im Hotel waren herumkreuchten. Es war wirklich sehr putzig, diese Situation. October Burns Black überzeugten auf voller Spur, auch ohne Monitorsound. Ich war auch sehr sehr glücklich dem Schlagzeuger des Vertrauens die obligatorischen Schoka-Kola Packungen zu überreichen. Weil ja alle wissen: “No Schoka Kola – no show”. Das WGT an sich war nach dem Konzert weniger konzertlastig, da wir kaum Bands sahen, sondern zu einem echten Socializing Hardcoretrip ausartete bei interessanten Außentemperaturen. Bemerkenswert und wunderschön noch zu erwähnen wären die Liveperformances von Human Tetris und The Foreign Resort am letzten Abend.

4 LA CENERENTOLA – im Alleetheater Hamburg
Ich muss diese Operninszenierung erwähnen, weil sie das beste gegen den Strich gebürstetste Opernerlebnis des Jahres war. Inklusive Mr Ts Bühnendebut. Die Aschenputtelstory wurde in die Location einer Raucherkneipe und eines Yoga – Fitness – Guru – Tempels verlegt. Die Stiefschwestern waren echte “bitches” mit Tics. Der Vater von Cenerentola leidete an Narkolepsie und der Prinz war der “Yogaprinz”. Schräger kann man das Ganze nicht inszenieren. Mr T wurde kurz vor dem Finale auf die Bühne gezerrt und wurde von einer der Stiefschwestern inspiziert, ob er als Ersatz für den nicht erlangten Yogaprinz herhalten könne. Das war schon recht lustig. Mr T hat super mitgespielt. Zitat: Hauptsache ich muss nicht mitsingen. Abgesehen von der tollen Inszenierung muss ich es stets wiederholen. Die Sänger der Kammeroper haben alle ein echtes Goldkehlchen. Für Opernneulinge sind die auf das Wesentliche zurecht gestutzten Opern echte Einstiegssachen. Auch sehr toll war die konzertante Aufführung des Barbier von Sevilla in der Kammeroper mit der Hochschule für Musik HH & Lübeck mit Sängern, die mühelos die italienische Partitur runtersangen.

5 MINICAVE Festival in Münster
IMG_6003Es war mein erstes Minicave und Mr T und ich hatten es schon irgendwie auf der Watchlist gehabt, aber dieses Jahr hatten wir es uns tatsächlich auf den Zettel geschrieben, da das Sacrosanct in Reading, UK nicht mehr ist. Es fehlte also der passende Ersatz.

Zwei Tage gab es ordentlich Musik auf die Ohren. Mr T und ich haben nur 1 Band “geschwänzt”, weil da das Interesse Null war und 1 Band haben wir in der Performance unterdurchschnittlich gefunden, aber das ist unsere EIGENE Meinung. Wir haben jedenfalls beschlossen nach dem Minicave nie wieder Traitrs live anzuschauen. Die Scheiben sind toll, aber live ist es für uns eine Zumutung. WAS ALLERDINGS richtig toll war, waren für uns die Neuentdeckungen Ben Bloodygrave, Varsovie, Stockhausen. Ganz großes Kino, tolle Liveperformance, richtig tolle Menschen. Date at Midnight waren so toll, wie ich sie in Erinnerung hatte (das erste Mal live beim Sacrosanct vor mehreren Jahren gesehen).

IMG_6202The Foreign Resort waren sehr lustig, was auch irgendwie eine stets zutreffende Beschreibung ihrer Livekunst ist. Das schreit jedenfalls sehr nach mehr. MINICAVE 2020 ist fest im Tourplan bei uns verankert und vorgemerkt.
Desweiteren war ich auch noch bei der Goth Rock Trinity in Hamburg auf der MS Stubnitz mit Age of Heaven, Still Patient? und WISBORG was sehr schön war, jedoch viel zu schlecht besucht. UND wir waren in Leeds zum zweiten Mal beim Goth City Fest. Ein Festival. Ein großes Fest mit The Last Cry, Auger, Red Sun Revival. Ich hatte jedenfalls derbe viel Spaß, auch wenn ich da krank anreiste.

Musik bestimmte meine letzten Monate [Rückblick]

Es gab Gründe für das erfolgreiche Nichtsposten im Blog. Ich fühl mich dabei auch ganz schrecklich dabei. Zum Einen hat mich die 6 Wochen lange dauernde fiese Sommergrippe länger beschäftigt als ich wollte und zum Anderen habe ich gedacht, dass ich mit dem vertraglichem Runtergehen in der Stundenanzahl ich etwas weniger arbeiten würde. Hat alles nicht geklappt. Zum Lesen kam ich auch kaum, weil der musikalische Overflow enorm war. ABER fangen wir ganz von vorn an.

AUGUST

38624535_2358516860825246_3542128763884011520_oAnfang August war ich beim Nachholtermin DER TOTEN HOSEN in Bremen gewesen. Und alles für Kumpel Bill (aus Edinburgh). Es war ein äußerst solides bier-und Bommerlunderseliges Konzert, aber ich habe gemerkt, dass solche Massenveranstaltungen nichts für mich sind. Deshalb wird man mich in naher Zukunft auch nicht mehr auf solchen Großveranstaltungen sehen. Weder “Einzelkonzert” noch Festival solchen Ausmaßes. Für mich ist das purer emotionaler Stress. DIE TOTEN HOSEN haben die Bürgerweide ordentlich gerockt, aber Punk war das nicht mehr. Sorry, die Hosen sind gediegener Mainstream mit links liberaler Message. Ach ja, noch eine Erkenntnis: Das letzte Mal hatte ich die Hosen live vor 22 Jahren gesehen. Sie und ich sind reifer geworden.

39894607_2389070094436589_8798837351691321344_oDanach sah ich noch zwei Veranstaltungen im Hafenklang. Zum einen die japanische Doom-Deathmetal Kapelle COFFINS, die mir gefallen haben und zum anderen der bezaubernde Abend mit HORROR VACUI aus Italien und CAVITY/SEARCH aus Hamburg, die mich beide musikalisch recht umgehauen haben. Denn ihre Musik geht im wahrsten Sinne vorwärts. Und schüchternes Mitwippen war das nicht möglich. Das ging ins Bein.

SEPTEMBER

40784126_2404620199548245_4955848211781648384_oIm September stattete ich am 1. Wochenende dem letzten Großen Ö den Besuch ab. Das Große Ö (Mittelalterliches Phantasie Spectaculum) war für Mr T und mich ein sehr einseitiges Vergnügen. Wir hockten nur vor den beiden Bühnen, wo sich nicht “tot” getrampelt wurde und wo man sich gepflegt unterhalten konnte UND wo nicht Black Ballermann zelebriert wurde. Wir beehrten mehrmals am Wochenende die Spanier CUÉLEBRE und die Weißrussen IRDORATH. Diese Bands machten Folkcrossover feinster Güte. Das hat Spaß gemacht den Bands zuzuschauen. Man nahm ihnen den Spaß an der Musik voll ab. Und dann ist es mir auch völlig egal welche Musik das ist. Überzeugungstäter gewinnen bei mir immer.

Dann hatte ich noch die Saisoneröffnung im Alleetheater, weil ich ja multimorbid interessiert bin. Es gab Rigoletto zur Eröffnung, mit ordentlich Mord- und Totschlag. Schön. Besonders schön find ich dies in dem kuscheligen kleinen Ambiente in Altona mit göttlichen Stimmen. Ich fand diese Inszenierung so toll, dass ich sie gleich zwei Mal sah.

Die Inszenierung war sehr scharf und doppeldeutig. Rigoletto, der seine Tochter als Püppchen behandelt und die sich von seinen Fesseln befreien möchte. Und wegen seines Verhaltens auch noch drauf geht. Schönes Theater.

DSCN2349Dann gab es im September auch noch das Ship of Doom auf der MS Stubnitz. Da waren insgesamt drei Bands beteiligt. Wovon mir nachhaltig SATORI JUNK im Ohr und in Erinnerung bleiben. Was diese Jungs da auf die Bühne gezaubert haben, war gewaltig, schwer, komplex und sehr schön und Doom war auch drin. Es war ein perfekter Soundtrack für meine damalige Gefühlswelt.

Dann kam da das alljährliche mittlerweile für mich 4. Sacrosanct Festival in Reading, UK. Für mich ist es mittlerweile ein sicherer Ort, wo ich viele bekannte Gesichter umärmeln kann, wo ich in angenehmer Runde auch Musik entdecken kann und es nicht schlimm ist, wenn man mal was nicht mag. (Passiert mir auch auf dem Festival). Längerfristig bleiben KADEADKAS, ARTICA und BURNING GATES im Kopf.

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OKTOBER

Ich sah am 8.Oktober zum zweiten Mal im Hafenklang ACID KING (USA) mit Vorband CHILD (AUS) und hatte nach dem Konzert einen echten Metallernacken … steif wie Titan vom Headbangen. Man war das geil. Und ja, ich kann das immer wieder haben. ACID KING sind großartig. Was diese Lady da gesanglich auf die Bühne setzt ist der Hammer. (Nein, hier gibt es keine Fotos. Manchmal lass ich die Kamera auch einfach mal zu Hause.)

43723140_2452927348050863_2910842062557413376_oAm 11. Oktober gab es drei Bands an einem Abend. SHE PLEASURES HERSELF (Portugal), TRAITRS (Kanada) und THEN COMES SILENCE (Schweden). Alle drei spielten ebenfalls im Hafenklang und ach Herrje … war das schön! Mr T war überbucht mit FISH (Ex Marillion) in der Fabrik. Er kam später noch hinzu, als Then Comes Silence ihr Set gerade anfingen.  She pleasures Herself konnten mich live leider überhaupt nicht überzeugen. 43951866_2452927738050824_577226931519356928_oIch verstehe deren Maskerade nicht. Das ist mir zuviel des Guten. Traitrs waren dafür umso bezaubernder. Ich musste gleich den kompletten Backkatalog kaufen. Manchmal erinnert es an The Cure, manchmal an The Smiths und irgendwie dann doch sehr modern im hier und jetzt und das Ganze dann auch noch zu zweit.

43750614_2452928318050766_1959974193424498688_oBei Then Comes Silence ging die Post ab. Die Jungs habe ich in diesem Jahr ja bereits zum dritten Mal live erleben können. Und immerwieder bin ich fasziniert von deren “Musikerersatzbank”, denn ich habe schon zwei mal erlebt, dass ein Originalmitglied der Band nicht aufspielen konnte und durch einen bandfremden, aber nicht unbekannten Musiker ersetzt wurde. Und alles flutschte, als hätte es nie etwas anderes vorher gegeben. Toll.

44522827_2465520896791508_5728383214808989696_oDanach ging es für ein Wochenende nach Leeds zum 3. Goth City Fest. Mr T und ich fuhren zum zweitägigen Mainevent des anderthalb Wochen dauernden alternativ gotischen Spektakels mit Lesungen, Gettogethers, Clubabenden etc. pp. Das Mainevent fand in den Wharf Chambers statt und war betitelt als “Season of the Witch”. Ich habe versucht dies mit meinem Outfit und meiner Aufgekratztheit zu spiegeln. 😉 Mr T und ich haben ehrlich gesagt erst die Tickets zum Festival gebucht, als SAIGON BLUE RAIN (FR) auf dem Line Up auftauchten. Wir machten aber mit unserem Erscheinen nicht nur den Franzosen große Freude, sondern auch dem Promoter und Veranstalter Joel Heyes. Die Stimmung in Leeds war laut Mr Ts Aussage so herzlich, wie früher beim WGW (wo er eine Woche später allein hinflog). Wir entdeckten schöne neue Sachen. SOMETIME. THE WOLF bleiben dabei wahrscheinlich am längsten hängen. ISOLATION DIVISION waren auch ganz toll und wurden ebenso gekauft. Leeds war für mich wie Urlaub. Nur liebe Leute um mich herum. Dazu noch den besten Comicladen der Welt (in dem ich innerhalb von 10 Minuten sehr couragiert 100 Pfund verbraten haben). Nur dieses Hotel war eine absolute Katastrophe. Es hatte einen Vorteil … man konnte sich bei den Umbaupausen auf das Hotelzimmer verziehen und dort sich frisch machen. Aber insgesamt war dies überteuert.

Das nächste Festival, was dann kam, fand in Hamburg im Hafenklang statt. Das war das New Dark Age Festival mit 4 Bands: SILENT EM, ASH CODE, ESCAPE WITH ROMEO und IN2THESOUND. Ich habe bewusst nur die ersten drei Bands gesehen. Für In2thesound war es mir zu spät und ich musste am nächsten Morgen zum Frühdienst auf Arbeit. Deswegen nur ein paar Worte zu den ersten drei Sachen. SILENT EM ist ein Einmannprojekt, was überzeugen konnte, aber wofür ich nicht freiwillig ein Album kaufen würde, weil ich Elektroniksachen mir lieber Live als auf Konsole anhöre. Ash Code habe ich endlich live gesehen, nachdem ich sie in Leipzig habe “sausen” lassen, weil die Location schlicht und ergreifend zu voll fand. Sie waren sehr sehr gut. Ich habe ihre Show genossen. Escape with Romeo haben das Hafenklang ordentlich gerockt und konnten begeistern. Für mich ist diese Band eine echte Konzertband und ich bin ganz traurig, dass es ihre letzte Tour ist. Naja, reife Männer halt.

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NOVEMBER

45875616_2496574753686122_4631478816865255424_oIm November bin ich dann für ein Wochenende nach Bochum gefahren, um mir die Solar Lodge Convention anzuschauen, wo LA SCALTRA, YOUR LIFE ON HOLD, AEON SABLE und MERCIFUL NUNS aufspielten. Es war noch mal Gelegenheit Aeon Sable anzuschauen vor dem Konzert in Hamburg, welches Mr T und ich organisiert hatten (1.12.2018) und ganz nebenbei endlich mal wieder Lydia zu treffen. 46093271_2496578163685781_2078043269593300992_oBeides war eine richtige Entscheidung. Ich habe die Shows von Your life on hold und Aeon Sable sehr gemocht. La Scaltra waren mir zu ruhig für diesen Abend (auf Scheibe find ich sie unverschämt gut) und zugegebener Maßen mochte ich noch nie Merciful Nuns. Für diesen Mädelsabend war es eine schöne Sache, die sehr nach Wiederholung schreit.

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Außerdem gönnte ich mir noch im November Richard Wagners Götterdämmerung in der Staatsoper, bei der sämtliche emotionale Dämme bei mir gebrochen wurden. Ich hätte nicht geglaubt, dass mich so eine Stimme, wie die von Lise Lindstrom, mich so umhauen könnten.

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Der DEZEMBER begann mit einem Paukenschlag, auf den Mr T und ich ein ganzes Jahr lang hingearbeitet haben, also promotionmäßig. Unsere Nerven lagen blank, aber wir wurden belohnt mit einem wunderschönen Konzertabend im Logo. Es kamen 84 zahlende Gäste. Man sah zu 99% strahlende Gesichter. Und über diesen Abend müssen andere Menschen berichten, denn sonst klingt das zuviel wie Selbstbeweihräucherung. Dabei haben doch die Künstler gearbeitet. Sprich AEON SABLE, NU:N und SONIC BLACK HOLES. Wir haben nur für den Rahmen gesorgt. So und nur wisst ihr alle bescheid, was so los war in den letzten Wochen. Kulturarm war es jedenfalls nicht.

Devi under the spell – meine innige Beziehung zu Moonspell

Das dies jemals so ausarten würde, damit konnte ja keiner rechnen, als “Extinct” erschien und mich unmissverständlich umwarf. “Extinct” war 2015 das Album, welches ich am meisten neben Paradise Losts “The Plague within” hörte. Es war das richtige Album zur richtigen Zeit.

IMG_713520 Jahre zuvor hatte ich schon eine innige Hörbeziehung zu Moonspell aus Portugal. Meine damalige Brieffreundin Curry war nicht nur verliebt in mich (was sich nach anderthalb Jahren als emotionaler Fallstrick herausstellte), nein, sie war auch überzeugter Moonspell Fan. Die damals noch liebevoll zusammengefriemelten Kassetten wurden mit dem ein oder anderen Song der lusitanischen Katern gefüllt. Mit Beendigung der Beziehung und mit exzessivem Genuss von deutschsingenden Folkmetallern verlor ich Moonspell aus dem Blick, wobei ich das zu unrecht unterbewertete “Butterfly Effect” Album sehr mochte.

2015 spielten Moonspell im Frühjahr in Hamburg. Ich besaß ein Ticket und ich habe mich nach dem Frühdienst nur mal kurz hingelegt, um fit für das Konzert zu sein, aber leider hatte ich es sprichwörtlich verschlafen.

Zum WGT standen sie auch auf dem Line Up. Das passte, da wollte ich sie keinesfalls verpassen. Nur leider hatten wir (Mr T und ich) im Überschwang der Gefühle in dem Jahr für 3 Abende Karten für die Oper gekauft, um Wagner zu glotzen. Am Moonspell Abend stand “Das Liebesverbot” auf dem Plan. Bevor wir in die Stadt am Vormittag gingen, sah ich bereits in der Lobby einen Teil der Jungs (Aires und Pedro) mit der Kiste Merchandise sitzen und ich bekam leichte Gebärmutterzuckungen. Zitat Mr T: “Finger weg, die sind vergeben.” Schock schwere Not, Moonspell waren im selben Hotel wie wir untergebracht. Das musste ich erstmal verdauen. (Vermutlich in dem Jahr bei Spargel und Kartoffeln in Auerbachs Keller). “Das Liebesverbot” von Wagner ist ein Frühwerk. Es ist eine der Opern, die Wagner nie in Bayreuth bei seinen Festspielen aufgeführt haben wollte. Nach dem ersten Akt wusste ich auch warum. Bei der Overtüre gab es ein Percussionsgewitter, so mit Kastagnietten, Cymbeln, Triangeln und Co. Das Motiv klang auch äußerst vielversprechend und ich bin davon ausgegangen, dass genau das passieren würde, wie in allen anderen Wagner Opern, die ich vorher gesehen hatte, dass das Motiv ausgewälzt würde bis zum Geht nicht mehr. Nein, dies passierte nicht. Die Rhythmusfraktion mit interessanten Instrumenten packte komplett ihr Instrumentarium nach der Overtüre ein und verschwand aus dem Orchestergraben und war daraufhin nicht mehr gesehen. In der Pause, sagte ich dann zu Mr T und unserer Freundin Isabella: “Sorry, das tue ich mir nicht mehr weiter an. Ich fahre jetzt zu Moonspell und ich will sowieso auch noch Fields of the Nephilim sehen.” Ich habe es echt getan … ein Sakrileg. Ich verschwand nach dem 1. Akt aus der Oper. Das war aber die richtige Entscheidung.

Ich kam mit Taxi zum Kohlrabizirkus genau zu dem Zeitpunkt, wo die Menschen aus der Halle rausgespült wurden und ich locker flockig in die Halle konnte. Ich suchte mir ein Plätzchen neben dem Mischer (und im Nachhinein hätte ich auch liebend gern die Show von vorn gesehen, aber ich wollte, dass mich Mr T später noch finden kann). Moonspell waren großartig. Die Jungs sind absolute Entertainmenthasen. Du siehst, dass sie Bock haben und was ich besonders schön fand, war ihre Überzeugungsleistung Extinct ist ein geiles Album, deswegen spielen wir auch die meisten Songs vom Album und nicht so eine Retrospektive Festival Gassenhauer Songauswahl. Das machen nicht viele Künstler. Ich fand das äußerst sympathisch. Ganz davon abgesehen, dass Extinct zahlreiche Gassenhauer auf Lager hat. Am Mischer war auch der Sound großartig. Ich habe alles gesehen und genossen.

Nach Moonspell leerte sich die Halle wieder und ich bekam einen fast panischen Anruf von Mr T, weil er Gerüchte hörte, dass keiner mehr in die Halle könne, weil sie überfüllt sei. Dies stimmte aber nicht. Ich sagte, wo ich stehe und Mr T sollte Geduld haben, bis es reinging. Wir fanden uns nach 10 Minuten warten und genossen Fields of the Nephilim vom Mischer aus (wo lustigerweise ein paar Moonspell Jungs Belegfotos machten und zum Hören auch vorbei kamen). Es hatte sich voll gelohnt. Und später noch im Hotel konnten Mr T und ich den Jungs noch persönlich sagen, wie wir das neue Album und respektive ich die Show fanden. Das tat gut.

IMG_9010Als kurze Zeit später bekannt wurde, dass die drei Alben Wolfheart, Irreligious und Extinct an einem Abend auf die Bühne exklusiv gebracht werden sollten, war ich Feuer und Flamme. Mr T kaufte Tickets für die Show in Guimarães und wir flogen für 3 Übernachtungen nach Portugal, um diesem Ereignis Zeuge werden zu können. Das war Anfang Dezember 2016. Ich erinnere mich, dass wir zum Nationalfeiertag in Porto landeten. Und die Vitalität der Stadt uns schwerst imponierte. Wir verliebten uns bei diesem kleinen Ausflug nach Portugal sofort in Land und Menschen. Und wir wurden Wiederholungstäter, denn nicht einmal ein Jahr später waren wir wieder in Portugal. Dieses Mal in Lissabon bei den Premierenabenden des Albums 1755 in Lissabon. Es war ein absoluter Traum. Lissabon ist so eine schöne Stadt und die Konzerte waren Zucker für meine Seele. Danach war ich wie im Rausch und habe mir auf der Festlandeuropatour noch 4 weitere Shows angeschaut. Inklusive dem kuscheligen schneeverwehten Auftritt in Flensburg. Danach fing ich sofort an einen Portugiesischlehrer für mich zu finden. Leider bisher vergebens.

22730345_1953888071288129_9096548485053960958_nDie Show der drei Alben Wolfheart, Irreligious und Extinct in Guimarães war quasi die Generalprobe für die Lissabon Show im Februar 2017. Ich war erstaunt, wie gut der Sound in der Multifunktionshalle war. Ich kann mich erinnern, dass wir beiden mit Tribünenplätzen ausgestattet diesen Abend komplett feierten. Ich poste, tanzte, sang so sehr mit, dass ich mich bei den Platznachbarn dafür tatsächlich entschuldigte. Mr T versorgte mich regelmäßig mit lokal üblicher Flüssigkeit. Man kannte ihn nach dem dritten Mal Anstehen am Stand. Bei dem Konzertabend  entstand auch dieses Bild, welches für ein Tourposter für Spanien herhielt. Das bin ich. Unverkennbar meine Silouette. Ich hatte innerlich gehofft, dass eine DVD dazu entstehen würde und war umso erfreuter, als ich über die Lissabon Show erfuhr, zu der Mr T und ich dann nicht auch noch hinfuhren. Irgendwann müssen wir beide tatsächlich doch noch arbeiten. Aber wir beide sind solch Menschen, die sich die “Lisboa under the spell” Box vorbestellten, um sie am Erscheinungstag sehen (und hören) zu können.

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Dieses Werk enthält neben der kompletten Show mit allen drei Alben und einem sehr liebevollen Dokumentarteil der Band vorneweg (quasi als Making Of) , noch das ganze zusätzlich als Blue Ray Disc und alle drei Alben live auf CD. In diesem Werk steckt echt eine ganze Menge Liebe. Liebe für die Musik, Liebe für das eigen geschaffene Werk und Liebe zum Detail.

Die Dramaturgie einer Moonspell Live Show ist schon in real was echt Großes und vollkommen frei von Pathos … 😉 … aber die Regie und die Bildauswahl beim Konzertmitschnitt ist sehr gelungen. Man merkt, dass die Menschen, die das Konzert hinterher bildmäßig geschnitten haben, wussten wie man erstens mit Moonspells Musik umgeht und zweitens kannten sie die Songs. Anders kann man nicht erklären, dass passgenau Basssolis, Entertainment am Keyboard oder Totalen auf Fernando zielgenau passten. Was leider nicht passte (zumindest auf der DVD), hatten Mr T und ich das Gefühl, war die Mischung des Tones. Auf den CDs war und ist es deutlich besser gemischt. Ein Liebhaber der Musik und der Jungs kann dies aber gern verschmerzen. Ich kann leider nicht für die Mischung auf der Blue Ray sprechen, weil ich keinen Blue Ray Player besitze.

Was ich ganz putzig finde ist, dass Fernando bei dem Konzert ja ganz schön viel labert. Abgesehen davon, dass ich Portugiesen auch beim Telefonbuch vorlesen gern zuhören würde, hab ich echt das Gefühl, dass ihm und der Band dieses Konzert echt am Herzen lag. Das sieht man und das hört man. Diese Menschen stehen dafür, was sie auf der Bühne machen. Weniger Quasseln hätte es auch getan, aber das wäre dann nicht mehr so herzlich und authentisch gewesen. In Guimaraes hat er nämlich nicht so viel geredet. In Lissabon musste das wohl sein.

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Obrigada Jungs, ich mag Euch.

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“Lisboa under the Spell” ist am 17.08.2018 erschienen.

Alte Musik – entdeckt und zelebriert vom Concentus Musicus

Unter dem letztjährigen Gabentisch gab es von meiner Mama dieses Buch. Ich habe Nikolaus Harnoncourt nur als Dirigenten kennenlernen können (das Makel der späten Geburt). Von dem Concentus Musicus hatte ich schon gehört, aber mich ehrlicher weise eher nicht näher drum beschäftigt. Dafür hat mir dieses Buch jetzt den geordneten Zugang dazu geschaffen.

Das Concentus Musicus ist ein Musikensemble, welches 1953 von Nikolaus Harnoncourt ins Leben gerufen wurde und welches sich vordergründig auf das Spielen von Alter Musik auf Originalinstrumenten sich spezialisiert hat.

“Originalinstrumente sind Instrumente im Zustand der Zeit ihrer Erbauung”

(Seite 39)

Alte Musik ist ein weiter Begriff und möglicherweise nicht allen klar, was sich dahinter verbirgt. Angefangen hat das Concentus Musicus mit vor allem deutscher und englischer Musik um 1600.  Alte Musik umfasst die Musik des Mittelalters, der Renaissance und des Barocks bis za 1750. dazu gehören unter anderem die Werke Johann Sebastian Bachs, Claudio Monteverdis, Henry Purcell … um die bekanntesten zu nennen.

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Nikolaus Harnoncourts Interesse an der Aufführung von Alter Musik auf Originalinstrumenten wird in diesem Buch chronologisch mit Hilfe seiner Aufzeichnungen / Erinnerungen aufgezeigt. Er hat in Wien das Cellostudium genossen und wurde auch dem Spiel auf der Gambe früh hingeführt durch Mitstreiter, Mentoren und dem Interesse für Instrumentenbau -geschichte und vor allem dem originalem Klang.

Ich habe zwar 10 Jahre Musikunterricht an einer Musikschule genossen und ich habe durchaus auch einen Zugang zum Hören von barocker, mittelalterlicher und auch Renaissance Musik, aber ich bin kein Experte. Ich habe keinen blassen Schimmer vom Instrumentenbau und unterschiedlicher Bauweise, Spielweise, aber ich mag es, wenn es Menschen gibt, die mit Leidenschaft diese Instrumente egal ob alt, neu, teuer, billig zum Schwingen bringen können. Mein dilettantisches Spiel auf dem Klavier und mein nicht existierendes absolutes Gehör können trotz alledem erkennen, ob ein Ensemble miteinander musiziert und es Resonanz erzeugt oder ob es denn eben nicht dies tut.

Es war mir ein Vergnügen, dieses Buch zu lesen und Nikolaus Harnoncourts Reise beim Entstehen des Ensembles zu begleiten. Die Aufzeichnungen enden mit dem Tag, wo Harnoncourts aufhörte Cello / Gambe öffentlich zu spielen. Das zwischenzeitliche Namedropping in den Erinnerungen war für mich teils etwas zuviel des Guten, aber da liest frau halt schnell drüber und dann geht es weiter im Text.

Die Erinnerungen sind ohne Blatt vorm Mund und ohne Zensor geschrieben worden und das macht es so sympathisch und für den Laien sehr zugänglich, vor allem auch dann, wenn man von Instrumenten, dem Klang und dem E-Musikerleben keine Ahnung hat. Nähkästchengeschichten mit einem Schuss an Ironie mag ich gern lesen.

“Wir spielen im schlechtesten und sterilsten, aber garantiert lärmfreien Studio Wiens, am Rosenhügel.”

(Seite 48)

Zu den Hauptwerken bzw. Zentralwerken, die das Concentus Musicus spielt, gehören sicher die Brandenburgischen Konzerte von Johann Sebastian Bach. Ich kann mich erinnern, dass ich diese ganz oft als Kind hörte von Schallplatte. Ich kann mich noch an viele Melodien erinnern, aber habe jetzt nach dem Lesen des Buches noch viel mehr Lust dies ganz bewusst zu hören. (Deswegen war ich auch schon im Plattenladen des Vertrauens und habe mir die Brandenburgischen Konzerte vom Concentus Musicus eingespielt bestellt.)

Das schönste am Buch waren die Essays auf den letzten zirka 50 Seiten. In denen erkennt man in Harnoncourts Worten die berühmt berüchtigte Wiener Schmäh. Es war mir ein Fest zu lesen, wie Harnoncourts sogenannte Musikkritiker bloßstellt.

“Große, geniale Kunst entzieht sich also per se der Beurteilung, hat aber die unabweisbare und prinzipiell falsche >Rezension<, die via Medien eine große Öffentlichkeit erreicht zu ertragen.”

(Seite 174)

Meine 10 Cents: Dieses Buch ist zum Einen ein Band voller Erinnerungen Harnoncourts (zusammengetragen von seiner Frau Alice) zur Entstehung des Concentus Musicus und zum Anderen noch viel mehr, Instrumentenkunde, Musikgeschichte, Anekdoten von vor, auf und hinter der Bühne und vor allem eine Liebesgeschichte für die Alte Musik mit Originalinstrumenten. Freunde der Alten Musik und Kenner von einem bisschen Musikgeschichte, sowie Liebhabern von Harnoncourts Arbeit ist dieses Buch sicher ein guter Gefährte.

Erschienen ist dies im Residenz Verlag, hat 208 Seiten und ist am 12.09.2017 erschienen. Soeben ist die zweite Auflage erschienen.

A Divorce before Marriage [DVD Review]

Es ist Herbst, die Blätter fallen, ab und an zeigt sich die Sonne noch mal ganz entzückend, zwischendurch pustet der Wind einen vollkommen weg, die Gelenke schmerzen, die Dame will mehr Tee trinken als im Rest des Jahres … dann wird es Zeit sich schöne miserable Moritaten sich anzuhören … Zeit für meine liebsten Postrocker, die aus dem Moor heraus geklettert sind (aus Leeds, Yorkshire) … Ich meine I LIKE TRAINS.

Seit einem Jahr liegt die DVD zum Dokumentarfilm A Divorce before Marriage hier herum und ich habe immer noch nicht über dieses filmische Kleinod gesprochen, welches ich über Kickstarter mit Kröten unterstützt habe, damit es überhaupt entstehen konnte.

Können wir erst mal über I LIKE TRAINS sprechen oder gleich über den Film? Oder wie oder was? Ich weiß gar nicht, wie ich anfangen soll.

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Vielleicht mit Sound … hört doch einfach erst mal rein, wie I LIKE TRAINS klingen.

vom offiziellen Youtube channel von ILIKETRAINS ... live in Brüssel

Diese Männer waren mal vor ungefähr 10 Jahren das “The next big thing” … und hatten einen Plattenvertrag, mit dem sie groß rauskommen sollten, auf großen Bühnen, viel umher fahren, ordentlich musikpromomäßig gepampered … aber leider war nach einem Album Schluss mit der Plattenfirma und “the next big thing” musste allein auf den Füßen stehen in Zeiten, wo die Musikindustrie sich nicht gerade auf wage Sachen verließ und es ihr auch ordentlich schlecht ging.

I LIKE TRAINS haben die kurze Zeit der größeren Hallen und der über den Teich hüpfen Phase genossen und haben dann mit unendlicher Hingabe und Liebe zu frustrierend schöner Musik mit historisch gefütterten Moritaten die kleinen Bühnen durch emsiges Bespielen erobert. Ich habe das Gefühl gehabt (ab dem Kennenlernen bei deren ersten Wave Gotik Treffen Auftritt), dass sie mein Herz im Sturm eroberten und sich dort wie guter Honig festklebten. I LIKE TRAINS tut meinem Herzen gut. Es ist Honig für meine Seele. Ich kann der Musik ständig zu hören. Ich hatte vor I LIKE TRAINS eine Band, der ich intensiv hinter her gefahren bin, um Konzerte zu sehen … das waren in den Endteenagerjahren Subway to Sally … mit dem Ü 30 Alter habe ich mit dem Quatsch wieder begonnen und habe innerhalb weniger Jahre dann I LIKE TRAINS in kleinen Clubs nicht nur in Deutschland, sondern auch in Hauruckaktionen in Belgien und UK gesehen. Das ging alles trotz Vollzeitjob im Schichtdienst in der Pflege. Wenn jemand wissen will, wofür all meine 2 Tage Wunschfrei pro Monat herkamen … egal bei welchem Job … die meisten waren für I LIKE TRAINS Konzerte. Die meisten dieser Konzerte besuchte ich davon in der Zeit, wo der Dokumentarfilm “A Divorce before Marriage” gedreht wurde. Er beschreibt die Zeit, in der I LIKE TRAINS zwischen der Veröffentlichung von “He who saw the Deep” und dem 10 Jahre Konzert im Jazz Cafe London 12 Februar 2014, bei dem ich auch war zusammen mit Mr T (Spoiler, man kann mich in der ersten Reihe stehen sehen).

Ich gebe es zu, ich habe zu diversen Konzerten von I LIKE TRAINS verschiedene Menschen hingeschleppt, die sonst nie hingegangen wären. Rückmeldung war stets, dass sie es auch mochten. Manche etwas mehr, manche weniger, aber keiner fand es doof. Das ist doch schon mal gut. Mr T fand es so toll, dass er ALLES sofort haben wollte und sich unsere (frische Verliebtheit macht alles möglich) Musikgeschmäcker immer mehr näherten. Ich hab ihm mehr alternative Klangteppiche untergeschoben und er mir oldschool Kamellen, wofür ich ihm natürlich dankbar bin.

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In dem Film geht es über I LIKE TRAINS Musiker und deren Beziehung zu deren Musik. Was ihnen wichtig ist … und wie sie Musik leben. An und für sich könnte man meinen, mmmh, sie sind nie so groß geworden, dass sie von Musik allein leben können (Gott sei Dank, denn so ist ihre Musik von Herzen unverfälscht und so “miserabel” gut, wie sie gemeint ist). Man begleitet die Jungs bei ihren Rollen, die sie in ihrem Leben finden nach verlorenem Plattendeal, dem Willen gute Musik zu machen, dem Wunsch gute Väter zu sein, dem Muss Geld zu verdienen und all dies alles unter einen Hut zu bringen. Es geht um die aktuelle Musikindustrie und es geht auch viel einfach nur um das “einfache” Leben.

Der Film fühlt sich zusammen mit dem Soundtrack (der von I LIKE TRAINS passender Weise auch geschrieben ist) an wie eine 73 minütige Moritat. Ben Lankester und Matt Hopkins haben eindeutig und klar den Ton der Musiker getroffen. Das fängt bei den ausgewählten Bildern an, der (Klang)farbe in der die Bilder getaucht sind. So sind Nachtbilder meistens orangelastig (durch die Lampen) und die Reisebilder im Tourbus zumeist im leichten Blauschimmerfilter, Aufnahmen in Yorkshire sind meist im grauen Nebel ähnlichem Licht. Das faszinierende an sich find ich jedoch, dass die klaren Knallfarben immer wieder zwischendurch aufblitzen … bei den “glücklichen” Selbstfindungsmomenten der Protagonisten. Da will man als Zuschauer einfach daran teilhaben. Oder wie das in meinem Falle das dann meist ist … ich bekam und bekomme dann stets Pipi (ICF – Instant Cry Formula) in die Augen.

Dieser Dokumentarfilm ist zum Heulen schön und genau das Richtige zum Schauen im Herbst. Und ja, ich habe Sehnsucht I LIKE TRAINS live sehen zu können und neue Songs zu hören. Es geht doch nicht ohne. Auch wenn sich bei den Herren das normale Leben dazwischen drängt. Ich habe eine Postpostrockdepression ohne I LIKE TRAINS.

Mehr Informationen zu I LIKE TRAINS – hier.

Mehr Informationen zum Film A DIVORCE BEFORE MARRIAGE – hier.

Das Livefoto ist von mir aufgenommen in Leipzig 2016 beim WGT