Mittelklassenblues [Nino Sable]

Liebe Mitmenschen, wenn ich über dieses in Eigenregie veröffentlichte Buch von Nino Sable schreibe, dann bin ich befangen. Ich bin befangen, weil ich zusammen mit Mr T Ninos Kapelle Aeon Sable voriges Jahr nach Hamburg eingeladen hatte, hier aufzuspielen. Es war damals ein kuscheliger Abend im Traditionsrockschuppen Logo und möglicherweise waren für Nino weniger Menschen beim Konzert als erhofft, aber beim Lesen von “Mittelklassenblues” stellte ich mit großer Genugtuung fest, dass das Konzert in Hamburg damals am 1.12.2018 sehr gut besucht war und die Musiker ordentlich betüdert wurden. Nein, das ist keine Selbstbeweihräucherung. Das ist eine Tatsache und da wird mir Nino sicher recht geben.

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Mittelklassenblues ist eine Sammlung an 20 Episoden aus dem Musikerleben von Nino (mit Vorwort), die die Höhen und Tiefen des nicht etablierten Musikerlebens ausmachen. Es ist einerseits sehr lustig, aber andererseits schon mit Demut gespicktes großes Mitleiden. Man spürt beim Lesen, dass Nino einfach nur Spielen mag. Einfach nur seine Musik an den Mann die Frau weitergeben mag. Nicht mehr und nicht weniger. Dafür muss man heutzutage oft genug leiden auf vielschichtige Art und Weise. Das Schöne daran ist, wenn Musiker ihre Passion und ihre Überzeugung auf die Bühne stellen, dann haben sie mich alle. Dann bin ich stets der beste Kunde und der beste “Influencer” für alle anderen Menschen. Dann schaffe ich es, andere von der Musik zu überzeugen und neue Leute für die Musik zu begeistern. Es geht mir nie ums Genre. Es geht mir immer und stets um Leidenschaft, dem Dahinterstehen zum produzierten Werk.

Ninos Episoden aus dem Musikerleben lesen sich sehr fluffig. Es ist sicher, das kann ich als Vielleserin behaupten, nicht die komplizierteste Schreibe der Welt, aber die Episoden sind sehr unterhaltsam. Ohne nochmal die Geschichten zu lesen, erinnere ich mich grob, dass es sehr oft bei den Stories um Gras und Alkohol ging. Eine Frage hätte ich da: Warum hat Aeon Sable damals in der Vorverhandlung für Hamburg gesagt, dass sie ne “nüchterne” Band sind? Der Rachenputzer aus dem Logo wäre nie geschehen, wenn die klare Ansage gekommen wäre, wir brauchen nen Rotwein nach dem Gig. Ich befürchte, diesen Fehler werden Aeon Sable nicht noch einmal machen.

Ich bin nur wenige Monate älter als Nino und ich bin auch eher aus der Metalschiene in die Gothrockecke gekommen (und mittlerweile auch schon wieder mehr zurück zum Metal). Die Musikzeitungepisode fand ich richtig knorke und hat laute Lacher impliziert. Bezüglich des Labelwechsels kann ich ehrlich gesagt nur betroffen den Kopf schütteln, zu den Merciful Nuns halte ich freundlicherweise meinen Mund. Meine Freundin Lydia hat immernoch den besten Kommentar zu der Band geäußert, den ich Zeit meines Lebens nicht mehr vergessen werde (und den ich freundlicherweise hier nicht äußern werde), die Episoden über schlecht besuchte Konzerte, komische Locations, um Gage geprellte Auftritte, lassen mich kurz zusammenfassen: “Woanders ist auch Scheiße!”.

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Solange ich es selbst nicht mit Haut und Haar erleben muss, ist es recht nett zu lesen, aber man hat als Voyeur nur eins im Kopf: “Weitermachen. Die Welt braucht Musiker, die sich nicht gleich umwedeln lassen; die für das, wofür sie eine Vision haben, stehen; die sich nicht in eine Schublade reinschubsen lassen wollen; die auch die Tiefen des Business (und Musik ist Business, egal wie Underground es ist oder nicht) durchleiden können.” Ich werde Nino Sables Werk weiterhin auf der Watchlist haben und ganz ehrlich Aeon Sables Werke sind runde, schmissige Werke (es fehlt mir nur irgendwie das analoge Schlagwerk – nörgel).

Mittelklassenblues ist in einer ersten Auflage von 100 Stück erschienen und kann evtl. noch direkt bei Nino Sable bestellt werden. Nino ist Sänger von Aeon Sable und Melanculia. https://www.facebook.com/nino.sable

Mehr Infos zu Aeon Sable: https://www.aeonsable.de/
Mehr Infos zu Melanculia: http://www.melanculia.de/

[Video von Hamburg 1.12.2018 im Logo “Visions” aufgenommen von Oliver Krapp]