Die Anstalt der besseren Mädchen [Julia Zange]

Ich habe mich im Februar diesen Jahres sehr viel damit beschäftigt neuen Frauen in der Literatur eine Chance zu geben. Also für mich neue Frauen in der Literatur. Dabei bin ich wiederholt auf Werke in Bücherläden gestoßen, die Debütromane waren. Wie auch “Die Anstalt der besseren Mädchen”. Ein zugegebenermaßen recht schmales Buch und dies war auch der Kaufgrund (abgesehen von dem “Befreien” aus der Mängelexemplarkiste).

DSCN2222

In diesem Buch geht es um die zwanzigjährige Loretta, die noch etwas lebensfremd ist. Sie ist etwas zu künstlerisch traumwandlerisch für dieses Leben, in dem sie herumspringt. Ihr Freund ist das Gegenteil. Malte ist Assistenzarzt. Sein Leben ist strukturiert durch die Arbeit und eher vernünftig. Als Loretta schwanger wird und kurze Zeit später (also nach 9 Monaten) mit dem Kind da steht, merkt sie, wie sie vom Leben überfordert ist und dies nicht das ist, was sie sich wünscht und sie “flieht” vor Maltes Vernunft und dem Ernst des Lebens. Das Kind kommt mit. Dabei endet ihre Hals über Kopf Flucht in einem Mädchen-Camp und Loretta kann sich entscheiden, ob sie so durchgeknallt enden möchte wie die Mädchen dort (die zu allem Überfluss auch noch Teil einer Realitybetroffenheitsserie sind) oder ob sie dem Kind und sich selbst doch noch eine Zukunft geben mag. Vor allem dann als Malte Loretta in dem Camp aufspürt.

Meine 10 Cents: Ja, was ist besser für Loretta? Wahrscheinlich, so kann man vermuten in den ersten Buchseiten, das Weite vor Malte zu suchen. Sie passen einfach nicht zusammen. Denkt man. Zumindest war Loretta am Anfang der Geschichte noch nicht so weit. Die Geburt des Kindes verändert nicht nur die Gesamtsituation, sondern sie setzt auch eine Entwicklung von Loretta in Gang. Dabei leidet man ein ganzes Stück mit Maltes Charakter. Man leidet auch mit dem Kleinkind. Die Flucht in das Camp hat Loretta zudem in der Rolle der Mutter, der überforderten Mutter, so geprägt, dass sie weiß, was sie nicht möchte. Sie möchte zum Einen nicht eingeengt sein in Strukturen, aber sie möchte auch nicht larifari für ihr Kind da sein. Die sprachlichen Mittel, die Julia Zange dafür benutzt sind mehr als ausreichend. Ich konnte und wollte den Charakteren folgen, auch wenn ich sie naiv, unbeholfen und ein bisschen gaga fand. Ich war entzückt, dass Frau Zange es schafft die Geschichte in wenige Seiten hineinzupressen, aber trotz alledem alles zu erzählen, was es zu erzählen gab. Ohne einen Spoiler zu sagen, aber für Loretta und Malte, sowie Kind gibt es eine gemeinsame Zukunft, auch wenn sie schwierig ist. Dabei ist dies Buch keinesfalls kitschig, sondern eher brutal emotional. Ein gelungenes Debüt.

P.S. Spoiler: Die Anstalt der besseren Mädchen ist natürlich nur im Auge des eingeschränkt blickenden Betrachters gefüllt mit “besseren” Mädchen.

Advertisements