Ein Manga aus Fukushima [Reaktor 1F]

Was habt ihr am 11.März 2011 gemacht, als die Tsunamikatastrophe mit dem nachher einhergehendem Fukushima Störfall geschah? Ich kann mich genau daran erinnern. Ich bin aus dem Hostelzimmer des Cambodian Red Cross in Svay Rieng, Kambodscha aufgestanden und hatte mich in die Lobby des Hostels begeben, wo am Morgen der Fernseher des Kambodschanischen Fernsehsenders mit Livebildern aus Japan gesendet wurde. Alle Angestellten des Hostels, sowie auch alle Besucher des Hostels starrten auf den Bildschirm und versuchten zu verstehen, was da gerade geschah.

Ich kann mich genau daran erinnern, wie warm es in Svay Rieng damals war. Ich kann mich auch noch daran erinnern, dass ich als ich die Rauchwolken von Fukushima Daiichi erstmalig sah, wusste, dass da richtig Scheiße passiert war. Egal, was uns danach die japanische Regierung, Atombehörde zu erzählen gewillt war.

Ich wollte mehr über Fukushima und dem zerborstenen Reaktor 1F erfahren und deshalb war ich umso erfreuter, als ich 2016 Teil 1 des Mangas “Reaktor 1F – Ein Bericht aus Fukushima” von Kazuto Tatsuta im Buchladen entdeckte.

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Im Teil 1 geht es darum, wie Kazuto Tatsuta, seines Zeichens Mangazeichner zu Rechergezwecken nach Fukushima reiste und dort sich inkognito als Aufräumer hoch arbeitet, um irgendwann in der Ruine des Reaktors 1F arbeiten zu können. Er hat seine Erlebnisse auf dem Weg dahin in Mangaform festgehalten. Das schwierige an der Arbeit als Mangazeichner und Aufräumer in Fukushima bestand daran, keine Firmengeheimnisse zu verraten, jedoch genug Details und Wahrheiten aufzuschreiben, wie es möglich war ohne aufzufliegen.

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Der Autor beschreibt seinen ganzen Weg und seine Gefühle aus seiner eigenen Sicht.

Teil 2 beschäftigt sich mit der Arbeit direkt im Reaktor 1F Fukushima Daiichi. Sowie über Tatsutas WG-Leben. Es wird über einzelne Charaktere / Mitarbeiter gesprochen und Tatsutas Zusammenarbeiten mit denen. Ebenso erfährt man über die Arbeitsbedingungen und technische Details, was / wie bei den Aufräumarbeiten getan werden musste. Ich habe diese technischen Zeichnungen dabei sehr gemocht.

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Im Teil 3 der Mangaserie wird über Kazuto Tatsutas Doppelleben als Mangazeichner und freiwilliger Aufräumarbeiter in Fukushima. Als Teil 3 gezeichnet wurde, war Teil 1 in Japan schon herausgebracht und hat für Furore gesorgt. Tatsuta möchte unbedingt zurück nach Fukushima. Muss allerdings auch das Buch promoten, nebenher noch an Teil 3 arbeiten und muss aufpassen, dass er als inkognito Aufräumer nicht auffliegt, denn die Mangaserie wurde nicht von allen Seiten gemocht.

Meine 10 Cents: Ich war von der Mangaserie begeistert. Zum Einen wird erzählt von den Aufräumarbeiten in Fukushima, wovon nichts in der Presse sonst preis gegeben wird. Zum Anderen wird wird das Gefühlsleben des Zeichners preisgegeben. Sein Doppelleben wird sehr eindrücklich im Mangastil aufgezeigt. In Teil 2 war ich kurzzeitig davon genervt, aber diese Serie ist als dreiteiliges Werk tatsächlich ein wichtiges Dokumentar-Graphic-Novel Werk mit absoluter Daseinsberechtigung.

Herausgegeben von Carlsen Manga! Teil 1 + Teil 2 (2016) und Teil 3 (2017)

 

 

 

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