Ein Magazinleseversuch mit dem Lesebuch der “flow”

Moin moin,

IMG_7458ich bin von Haus aus eher kein Magazinleser. Ich kann mich jedoch derzeit auf wenige Sachen konzentrieren und lese deswegen zwischendurch zum locker werden auch mal kurze Dinge. Essays, Gedichte und eben auch Magazine. Ganz beliebt sind die ausrangierten Kursbücher meiner Schwester, aber letztens habe ich mir die Bücherspezialausgabe der flow gekauft, in der es wahrscheinlich aufgrund der Buchmesse (Saisonwarenmäßig) um Bücher geht. Diese werde ich für Euch auseinander nehmen. Es ist die flow #4 und sie kostet knapp 13 Euro und hat eine Menge gimmicks mit an Bord … aber dazu zu späterem Zeitpunkt.

Der erste längere Beitrag dreht sich um das Thema “Wie Lesen unser Leben bereichert.” Mich macht es vordergründig arm. Es kommen definitiv zu viele Bücher auf den Markt, die mich interessieren, die ich aber gar nicht alle käuflich erwerben kann, weil ich gar nicht die Zeit dafür habe, sie zu lesen. Lesen ist für mich neben Musik definitiv, um auf das eigentlich  Thema zurück zu kommen, eine Bereicherung im Sinne von Wissenserwerb, Entspannung, Ablenkungsmanöver, Prokrastination. Ich kann gar nicht einen Tag verbringen ohne zu lesen. Das geht einfach nicht. Ich brauche ein Buch (und Musik) genauso sehr wie Luft zum Atmen. Und wenn es nur dafür ist, dass ich mich richtig aufregen möchte oder mal echt weinen möchte oder lachen. Nach einer Stunde lesen fühle ich mich deutlich ausgeglichener als nach einer Stunde spazieren gehen beispielsweise. Ich bewege mich auf Arbeit immer so viel, da ist Lesen zusammen geknautscht, physiologisch nicht korrekt, deutlich entspannender als alles andere. Dazu der richtige Soundtrack (zumeist romantische Sinfonien von Bruckner, Mahler oder Nielsen) und dann passt das schon. Lesen fördert meine Glücksgefühle. Ich lese nicht, um einen Wertbewerb zu gewinnen, wer die meisten Bücher liest, sondern vor allem um festzustellen (anderen Menschen/Protagonisten) geht es auch nicht besser als Dir selbst. Zum aus dem Alltagstrott hinaus zu finden, benötige ich auch keine Fantasy, Horror oder Science Fiction Stories. Mir reicht der alltäglich sozialkritische Gegenwartsliteraturwahnsinn. Da gibt es soviel schöne Bücher.

Mein Leben als Leser … da gibt es diesen Fragebogen in der “flow”.

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Welche drei Bücher würdest Du spontan als Deine Lieblinge bezeichnen? Überlege nicht lange, sondern schreib einfach drei Titel  auf, die Dir sehr gefallen haben.

  1. Neil Gaiman “American Gods”
  2. David Foster Wallace “Unendlicher Spaß”
  3. Michael Köhlmeier “Abendland”

Was hat Dir an den Büchern gefallen? Was hat dich berührt? Gibt es Gemeinsamkeiten, also etwas, das du an allen drei Favoriten magst?

Die Bücher haben mir alle gefallen, weil sie alle drei als Gemeinsamkeit komplexe Figuren haben, die sich in den Büchern entwickeln.
American Gods, diese Geschichte, die demnächst auch als Serie zu sehen ist, beschäftigt sich mit der Frage: “Was passiert mit all den Göttern, die mit den Einwanderen aus der Alten Welt in die Neue Welt gekommen sind … wie verhalten die sich? Schließlich sind doch alle Götter, Erfindungen der Menschheit.” Ja, das sind sie. Gaiman verbindet diese allumfassende Frage mit einem Roadtrip durch Amerika, mit Mythologie, Fantasy, Gegenwartszauber und -kritik. Es ist eine komplexe Geschichte, für gern komplex denkende Menschen.
Unendlicher Spaß ist nicht minder komplex. Es gibt mehrere Handlungsstränge, die alles in allem eine riesengroße Kapitalismuskritik sind mit sehr vielen kaputten Charakteren. Das Buch ist wahnsinnig lang und dank Fußnoten kein leichtes literarisches Kaliber, aber es hat mir Spaß gemacht es zu lesen. Und auch dies ist eine komplexe Geschichte, für gern komplex denkende Menschen.
Abendland hingegen ist quasi fast leichte Literatur. Es ist ein Rückblick auf das vergangene Jahrhundert. Es ist Carl Jacob Candoris’ Lebensbeichte. Der Mann ist 95 Jahre alt, Mathematiker, Jazzfan und Dandy. Er erzählt dem Schriftsteller Sebastian Lukasser, der der Sohn des Gitarristen Georg Lukasser ist, der mit Candoris in den Jazzkellern Wiens jammte, seine Lebensgeschichte. Dabei finden die beiden Gemeinsamkeiten und Lukasser reflektiert auch über sein Leben, was nicht unter einem guten Stern steht. Es ist faszinierend für mich an dem Buch gewesen, dass Köhlmeier die Lebensgeschichte so poetisch und keineswegs langweilig erzählen konnte. Eine scheinbar einfache Geschichte, die in den tiefen der Geschichte auch komplex ist und für mich Butter für meine Seele ist.

Huck Finn. Pippi Langstrumpf. Hanni und Nanni. Welche Romanfiguren hast Du als Kind gern gehabt? Und warum?

Ich habe Lütt Matten geliebt. Lütt Matten ist der Held aus Benno Pludras Kinderbuch “Lütt Matten und die weiße Muschel”. Ich habe dieses Buch immer noch in meinem Besitz und werde es mit Sicherheit nicht hergeben. Lütt Matten hat einfach solch ehrenwerte Charakterzüge, die man einem Kind einfach nur wünschen mag. Außerdem mochte ich sehr Momo, aus gleichnamigen Werk von Michael Ende. Der Kampf gegen die Zeiträuber (den grauen Herren) ist eine großartige zeitlose Geschichte. Ich verschenke dieses Buch auch sehr gern. Momo ist eine starke Dame. Von der man sich auch im erwachsenen Alter auch noch so einiges abschauen kann.

Gibt es Bücher, mit denen Du Dich “gequält” hast? Von denen Du dachtest, man muss sie lesen? Welche waren es? Wie wäre es, wenn Du sie für immer beiseitelegst?

Ja, es gibt Bücher bei denen ich mich gequält habe. Bestes Beispiel Theodor Fontane “Effi Briest”. Das Buch ist weder temporeich, noch sympathisch geschrieben. Effi ist für mich eine doofe Figur. Ich habe bis heute nicht begriffen, warum man diesen Plot auf eine solche Länge hinziehen musste, aber egal. Fontane habe ich nach dem Durchquälen von Effi auch nie mehr in die Hand genommen. Ich musste Effi in der Schule lesen, was ich nicht tat! Ich habe mich nach dem Abitur hingesetzt und hatte geglaubt, schließe mal endlich Deine Bildungslücke. Aber nein, darauf hätte ich für meinen Teil verzichten können. Ich dachte auch, ich muss Hermann Hesse lesen (und lieben). Ich hab es mit 3 Werken von ihm versucht und ich habe alle drei abgebrochen. (Siddharta, Narziß und Goldmund, Steppenwolf). Hesse ist nichts für mich. Sein Schreibstil geht mir gepflegt auf die Ketten. Und ja, ich besitze in meiner Bibliothek kein Buch von Hermann Hesse.

Faszinierende Lesezeichen ist der nächste Artikel in der Zeitung, aber ich bin weder von Lesezeichen fasziniert, noch sammel ich sie, noch benutze ich sie. Ich bin der typische postits, Lesebändchen (wenn vorhanden) Leser. Ich kaufe keinesfalls Lesezeichen. Das ist für mich rausgeworfenes Geld. Es gibt als Beilage für diese flow auch 10 Lesezeichen, die ich aber nicht herauslösen werde.

Mit dem Traum vom eigenen Buch geht es in dem Magazin weiter. Es sind interessante Aspekte im Artikel beschrieben und ja auch ich habe Ideen im Kopf herumschwingen und suche nur noch das passende Zeitmanagement, um mich hinzusetzen, um die Idee umzusetzen. Gesammelt wird jedenfalls schon kräftig in meinem Schreibennotizbuch. Der Artikel hat mich jedenfalls davon überzeugt, da weiterzumachen, wo ich gerade daran bastel.

Beim nächsten Artikel dreht es sich um Emanzipation und Literatur … nicht nur um Autorinnen, sondern auch um die lesenden Frauen. Der Artikel gefiel mir außerordentlich. Ich gebe ja ehrlich zu, dass ich tatsächlich erst viel zu lesen im Alter von ungefähr 16 begonnen habe. Lesen ist für mich persönlich auch aufgrund meiner rampunierten Augen ein anstrengendes Vergnügen.

IMG_7460Meine liebsten Bücher

… weiß ich noch nicht, ob ich die in dieses Heftchen reinschreiben werde. Die Bücher, die allerdings mein Leben nachhaltig beeinflusst haben, habe ich bereits auf dem Blog einmal vorgestellt. Und ja genauso wie Juli Zeh, ist da bei mir auch der Unendliche Spaß dabei.

Von den Bloggerempfehlungen habe ich mir auch tatsächlich zwei drei Bücher auf die Watchlist gesetzt. Das meiste kannte oder will ich nicht kennenlernen. Ich entdecke gern selbst. Ich kaufe intuitiv und verzichte selbst am meisten auf Empfehlungen. Ja, so ignorant bin ich.

Zum Thema Inspirierende Frauenautorinnen werde ich einen Extra Blogbeitrag basteln. Denn das sprengt den Rahmen.

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Lesen mal ganz anders
werde ich in einem hübschen Liveversuch bei meinem nächsten Buch austesten und dann zu diesem Blogbeitrag zurück verlinken. Ich mache mir schon beim Lesen die ein oder andere Notiz und markiere mir Textstellen, die ich gut fand, aber ich betreibe dieses Spielchen nicht bis zum Exzess. Deswegen werde ich es nur an einem Buch austeten und davon hier berichten.

Handlettering  ist gerade eine Plage. Oder sehe ich das falsch? Schon allein, weil das voll trendy ist, sperre ich mich dagegen. Und ja, ich liebe diese Stifte, aber ich benutze sie nicht für das Handlettering. Ich schreibe und dekoriere so, wie ich es schon immer getan habe. Da kommt mir kein (in meinen Augen heftig kitschiger) Trend dazwischen.

Besondere Orte für Bücher … da kenne ich neben den genannten und gezeigten auch noch ein paar. An vorderster Stelle ist da für mich OK Comics in Leeds. Dies ist ein richtig schöner Hort an guten Comics und Graphic Novels. Die Buchhandlung Felix Jud in Hamburg ist auch wunderschön und lädt ein zum Verweilen.

Die Ode an das Vorlesen spricht mir aus dem Herzen. Ich lese meinem Freund und Lebenspartner öfter mal vor. Es sind dann nicht ganze Bücher, aber gerne doch besondere Abschnitte von Büchern. Er bügelt, wir hören gemeinsam Musik und nebenher sitze ich auf der Couch und lese ihm vor. Das zugegebenermaßen etwas provokante “Haus der Löcher” von Nicholson Baker habe ich fast komplett vorgelesen. Auszüge aus “Der Bleiche König” von David Foster Wallace ebenso, sowie erst kürzlich viele Seiten aus Henry David Thoreaus “Kap Cod”. Es ist schön, wenn der Partner, der keine Nerven und keine Zeit zum Lesen hat, trotzalledem etwas von der Literatur mit bekommt und seine Gedanken mit mir teilen kann.

Bücher horten oder weggeben … ich bin definitiv ein Zwitter. Ich gebe Bücher weg, weil ich nicht unendlich viel Platz habe, aber ich horte sie auch, denn die schönen und die mich berührenden Werke, kann ich nicht einfach abgeben. Da bricht mir das Herz. Ich habe zur Zeit wieder viele Bücher zu Hause stehen, die ein neues Zuhause suchen. Ich würde dafür eine Paketkiste schnüren und diese mit Belletristik, Sachbüchern, Bilderbüchern füllen und sie an den ersten, der sich dafür interessiert versenden. Was dann darin genau ist, sag ich nicht, denn ich schnüre gern Bücherkisten intuitiv. Bei ernsthaftem Interesse, schreibt mir einen Kommentar.

Und zum Schluss des Magazins gibt es noch etwas zum Basteln. Das ist ganz nett, aber für mich nicht nötig. Das Papier, für “Buchhüllen” werde ich als Geschenkpapier benutzen. Und dann geht das schon klar.

Ich denke dieser Versuch mit der flow zum Thema Bücher war ganz nett, aber Freundinnen werden wir nicht. Ich bleib bei meinem Kursbuch. Da habe ich mehr davon und lese lieber gleich Bücher. Lang und ausgiebig.

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