Zweimal KRACHT es … Faserland & 1979

Man hätte dies auch übertiteln können mit “Literatur nicht für den Kindergeburtstag”.

Christian Kracht ist nicht jedermanns und jederfraus Sache. Er provoziert nicht nur mit seiner Sprache, seinen Themen in seiner Literatur, sondern er provoziert auch den Beginn eines Denkprozesses. Pfui – wie progressiv. Denken? Heute? — Ja! Bitte! Mehr davon!

Von Kracht las ich bisher schon “Die Toten”, sowie “Imperium”. Von beiden Büchern war ich sehr angetan. In diesem Monat habe ich mich dann an seine Frühwerke gewagt namens “Faserland” und “1979” und ich bin entzückt.

Christian Kracht wurde 1966 in Saanen in der Schweiz geboren. Herzlichen Glückwunsch für den Geburtstag zwischen den Jahren am 29.12. Ich kann es aus eigener Erfahrung sagen, dass ich manches Mal lieber mitten im Jahr Geburtstag hätte, als kurz nach Weihnachten, aber das ist ein anderes Thema. Kracht hat nach seiner schulischen Laufbahn in den USA angefangen Filmwissenschaften zu studieren und begann kurz darauf viel zu reisen und zu schreiben.

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“Faserland” war sein Debütroman. Er erschien 1995. Ich kaufte mir dies letztens zusammen mit “1979” – meinem Geburtsjahr, welches politisch nicht an Ereignissen geizte. Warum ich die Werke kaufte? Weil ich Bock darauf hatte. Weil ich mich derzeit in einer Phase befinde, wo ich mächtig auf Krawall gebürstet bin.

FASERLAND ist ein sogenannter Bildungsroman. Ich kenne mich mit den literarischen Fachbegriffen nicht so aus und mir ist das ziemlich egal. Für mich war dieser Roman eine Roadstory. Wir begleiten den Protagonisten von der nördlichsten Fischbude Deutschlands auf Sylt nach Zürich. Mal mit Bahn, mal mit Flugzeug, mal mit Vollrausch, mal nüchtern, aber stets sehr bissig, lakonisch und zynisch die Welt und seine Gegenspieler betrachtend.

Den Protagonisten muss man dabei nicht mögen, weil er gedanklich und auch offensichtlich den Rest der Welt in Phrasen zerfasert. Er überzieht nicht selten sein Gegenüber mit Beleidigungen, sowie Hohn und Spott.

Der Protagonist ist auf der Suche nach seiner Bestimmung im Leben und dafür geht er auch  gern den schwierigen Weg von Sylt nach Zürich.

Mich hat der Roman umgehauen, weil er sprachlich ohne Umwege den Protagonisten zu einem für mich unsympathischen Vollidioten machte. Der Kerl hat richtig einen am Laufen, machnmal schmunzelte ich auch über seine Kommentare und ich merkte, dass in mir selbst auch ein bisschen was vom Fiesen steckt. Im richtigen Leben wäre mir dieser Mensch aber auf Dauer zu anstrengend.

Kracht packt die Geschichte seines Helden auf schlanke 166 Seiten, die es wert sind gelesen zu werden.

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1979 spielt im Iran und zu späterer Zeit auch im Tibet. Dieses Buch ist im Grunde genommen auch Reiseliteratur und rin Roadtrip, jedoch alles andere als schön und einladend. Jeder Leser möchte danach nicht in den Iran fahren und auch nicht nach Tibet. Das ist mit dem Lesen dieses Buches bis auf alle Ewigkeiten verwirkt. Ein junger Innenarchitekt und sein Freund Christian, der krank ist, fahren am Vorabend der iranischen Revolution nach Teheran als Mitglieder einer internationalen Partyszene. Dort gibt es interessante Drogenexzesse, langsam sich aufbauende Panzersperren und Proteste. Christian stirbt in einem sehr  Sein Freund stirbt in einem echt abgerockten Krankenhaus und dann verpasst es auch noch sein Freund (der Ich-Erzähler) früh genug aus Teheran abzuhauen und ist gefangen in Iran, wo Ausländer Ausreiseverbot haben. Dann wird er auch noch verhaftet und mit Beschleunigungsgeld gelangt er ins besetzte Tibet. Und dann gelangt er auch noch in chinesische Haft.  Alles ist sehr surreal und krass für den Ich – Erzähler, sowie den Leser. Schöne Reiseliteratur ist das keinesfalls und es ist zudem auch noch ein kleiner harter überhöht, aber passender Einblick in das Iran und das China, was man sich auch nicht vorstellen mag. Das ist auch der Fakt, den ich an dem Buch mochte, es ist ein Roman und nichts Authentisches. Kracht schockte auch hier und das fesselte mich. Der Reise des Ich-Erzählers mochte ich mehr folgen als bei Faserland.

Beide Bücher machten mehr Lust auf mehr Kracht.

Diese Bücher wurden analog und lokal in der Heymann Bücherei Eppendorf gekauft.

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2 thoughts on “Zweimal KRACHT es … Faserland & 1979

  1. Danke für die Rezension! Ich kannte nur die bei beiden “Frühwerke” von Kracht – das Spätwerk nicht. Wie ist das?

    Faserland fand ich am Ende etwas unfertig, die Entwicklung des Protagonisten macht irgendwie keinen Fortschritt. Und 1979 ist eine Art Negativ-Utopie, nur in der Vergangenheit, natürlich total übertrieben. Der letzte Satz – zynischer geht’s kaum.

    • Also “Imperium” ist großartig und “Die Toten” … da habe ich ein bissl länger beim Lesen gekaut. Das ist nicht so flockig locker stringent geschrieben.

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