Henry David Thoreau – Kap Cod [Buchempfehlung]

Anlass des Buchkaufs: Ich liebe autobiografische Romane, Prosa, Lyrik … es darf nur kein Betroffenheitsgefasel sein. Reiseliteratur ist großartig. Kap Cod war mir bisher unbekannt gewesen. Ich kannte von Henry David Thoreau nur “Walden”, sowie “Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat” … beide Werke sind unglaublich empfehlenswert. Kap Cod sprang mich beim letzten ausgedehnten Frustkauf an. Ich mag Thoreau sehr zu lesen, weil er eben nicht platt erzählt, sondern man stets zum Denken, Mitdenken und Handeln im Geiste beim Lesen gezwungen wird. Dies kombiniert mit Reiselektüre ist für mich ein absoluter Segen.

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Über das Buch: Kap Cod wurde erst nach dem Tod von Thoreau veröffentlicht. Es sind Schriften über seine 4 Spaziergänge über Kap Cod vor den Toren von Boston in Neuengland.

“In der Nähe dieses Kaps gingen wir bei einer Tiefe von fünfzehn Fäden vor Anker und legten uns einen reichlichen Vorrat an Kabeljau zu, weswegen wir seinen Namen änderten und es Kap Cod nannten” (Gabriel Archer – englischer Forschungsreisender)

Es ist eine Halbinsel von 1033 Quadratkilometer Größe und sie sah zu Zeiten von Thoreau deutlich anders aus, als zu Zeiten, wo Ilija Trojanow, der als Vorwort ein Essay über Kap Cod schrieb, gesehen hat.

“Der Unterschied zwischen Sommer und Winter ist auf Cape Cod noch ausgeprägter als anderswo. Zwischen Ende Juni und Anfang September sind die Parkplätze des Paradieses schon um zehn Uhr in der Früh belegt, die Strände gemäß einer prägnanten soziokulturellen Ordnung besetzt, manche den Männern vorbehalten, andere den Frauen.” (Ilija Trojanow)

Thoreau tätigte seine Besuche auf Kap Cod 1849, 1850, 1854 und 1857. Zwei Mal mit Begleitung und zwei Mal allein. Die meiste Zeit jedoch zu Fuß. Thoreau hat in 10 Kapiteln das Herz und die Seele der Halbinsel beschrieben. Er hat über die ersten Forschungsreisenden, Austernfischer, die raue See, den Menschen, der Stille an der Küste und dem Rauschen der Wellen geschrieben. Er hat Vergleiche, Verbindungen und Beschreibungen der Landschaften und der Eigenheiten mit viel poetischer Sprache auf 320 Seiten angesammelt.

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Meine 10 Cents: Ich liebe Reiseliteratur. Es gibt nichts Entspannenderes für mich als dies.  Ich kann Poesie in Reiseprosa genießen. Thoreau macht Spaß. Das sind Sätze für den Kopf und die Seele.

“Aber ich wünschte jene Meeresküste zu sehen, wo die Werke der Menschen zu Wracks werden; ich wollte beim wahren Haus des Atlantik absteigen, wo der Ozean Gastwirt zu Lande und zur See ist und ohne Anleger an Land geht; wo das zerbröckelnde Land der einzig Kranke ist, oder allenfalls bloß trockenes Land; und mehr ist dazu nicht zu sagen.” (Henry David Thoreau)

Ich fand die Fußnoten zu jedem Kapitel des Übersetzers nicht störend im Gegenteil. Es erweiterte meinen geistigen Horizont das ein und andere Mal. Die Querverweise zur griechischen Mythologie und zur Bibel durch Thoreau selbst im Text waren auch mehr als interessant und es hatte zur Folge, dass ich umso mehr Lust habe bei Dantes Commedia weiter zu lesen oder mir doch noch mal Homers Ilias und vor allem Ovids Metamorphosen in die Hand zu nehmen. Wie man von einer Kabeljauhalbinsel zu griechischer Mythologie abschweifen kann, geht sehr gut, aber muss man selbst lesen. Thoreaus Abhandlungen machen Sinn und sind schön zu lesen.

Mein Lieblingszitat des Buches ist dieses:

“Die ununterbrochen ans Land brausenden Wellen sind zu weit herumgekommen und zu unbezähmbar, um uns vertraut zu sein. Wenn wir den endlosen Strand entlangschleichen, zwischen den großen Quallen und der Gischt, dann kommt uns in den Sinn, dass auch wir das Erzeugnis des Seeschlamms sind.” (Henry David Thoreau)

Das Buch ist im Residenz Verlag 2014 erschienen. 2014 ist auch dieses Buch erstmalig eben dort ins Deutsche übersetzt worden. Die Übersetzung ist von Klaus Bonn. ISBN 9783702726259 … Ich empfehle dieses Buch aus ganzem Herzen. Gekauft habe ich das Buch analog beim Heymann Stammhaus in Hamburg Eppendorf.

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