Ohrfeige – [Buchempfehlung]

Das Buch schrie mich an. Es wollte gelesen werden. Ich habe es in Pinneberg bei einem netten Spaziergang im Sonnenschein im Bücherwurm zwischen der Arbeit einst gekauft … das muss wohl schon im Frühjahr gewesen sein.

DSCN0627.JPGÜber das Buch: Karim Menzy ist irakischer Flüchtling und er will sich rächen an der Sachbearbeiterin in der Ausländerbehörde Frau Schulz. Er geht eines Tages bevor er sie das letzte Mal in seinem Leben sehen möchte, in die Behörde und erzählt ihr all dies, was sie nie hören wollte und nie hören werden wird. Er erzählt Frau Schulz seine wirkliche Geschichte.

Über den Autoren: Abbas Khider ist 1973 im Irak geboren worden (in Bagdad). Im Alter von 19 Jahren wurde er bereits verhaftet aufgrund seiner politischen Engagements. Nach der Entlassung aus dem Gefängnis, floh er und hielt sich als illegaler Flüchtling in verschiedenen Ländern auf. Seit 2000 lebt er in Deutschland. Er hat Philosophie und Literatur in München und Potsdam studiert und mittlerweile den ein oder anderen Literaturpreis gewonnen und Roman geschrieben. Der falsche Inder (2008); Die Orangen des Präsidenten (2011); Brief in die Auberginenrepublik (2013). Khider lebt zur Zeit in Berlin.

Meine 10 Cents: Was ich schon immer mal einer Sachbearbeiterin alles sagen wollte … so könnte man dieses Buch übertiteln. Nur, dass das traurige oder an die Nieren gehende in dem Buch die pure Realität des Karim Menzys ist, wie es ihm als Flüchtling, Asylant geht, der versucht seine Würde zu behalten, der alles Mögliche über sich ergehen lässt, um sich in dem Land nach besten Wissen und Gewissen zu integrieren und für sich selbst sorgen zu können. Allein er kann es nicht, aufgrund von stupider Behördenstruktur. Die fiktive Figur Karim Menzy zeigt auf faszinierend aufrichtig und tragische Weise wie sehr korrumpierbar, wie sehr unsozial und teilweise stark unlogisch das ganze Asylpolitiksystem in Deutschland ist. Es macht den Leser zum Mitwisser, Mittäter, dass man die Ausgrenzung von Flüchtlingen hinnimmt. Jede “Willkommenskultur”, die es teilweise in zarten Blüten vor Monaten mal gegeben hat, wird durch dieses Buch sowieso torpediert. Es erzählt die Geschichte von irakischen Flüchtlingen rund um das Datum 11.9.2001 … Erschreckend direkt und brutal ehrlich wird in Rückblenden Menzys Geschichte erzählt, was dann tatsächlich mit der Sachbearbeiterin in der Ausländerbehörde passiert, der die Geschichte in unschöner Pose vorgetragen wird, muss man selbst lesen. Der Kern der Story ist Menzys Fluchtgeschichte und Oddyssee zur Anerkennung seines Asylbegehrens. Ich kann das Buch wärmstens empfehlen. Es passt zum Wetter. Düster, gewittrig, zwischendurch sonnige Zeilen …

erschienen ist das Buch im Carl Hanser Verlag, ISBN: 978 – 3 -446 – 25054 -3 (2016)

P.S.: Ich bin froh, dass meinem Papa so eine Oddyssee durch Asylheime, Auffanglager, Schlepperbanden erspart blieb. Seine Geschichte ist tragisch genug gewesen.

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