Miranda, Charlotte, Hilary und mindestens drei Mal Neil [Lesemonat]

Moin moin,

mein Lesemonat war ordentlich vollgepackt. Und ich bin echt äußerst verspätet mit dem Rückblick, aber die Arbeit und das anschließende emotionale Loch haben  mich am Bloggen gehindert.

14 Bücher habe ich gelesen. Alles was auf dem Foto zu sehen ist. Knapp 3800 Seiten … und nur zwei Enttäuschungen. Zum Einen der Erzählband “Die Ermordung Margaret Thatchers” von Hilary Mantel, sowie Miranda Julys “Erster Fieser Typ”. Die beiden Bücher waren keineswegs total schlecht, aber eben nichts, was ich unbedingt noch mal lesen muss oder auch weiter empfehlen würde. Das ist eigentlich schon vernichtend.

Deswegen in Kurzfassung:

NEIL GAIMAN: 3 Bücher waren es in diesem Monat … “The View from the cheap seats” und die Graphic Novel Adaption vom “Graveyard Book”. Zu “The View from the cheap seats” habe ich bereits einen eigenen Blogeintrag gemacht, weil das nicht in wenigen Worten zusammenfassbar ist. Das Graveyard Buch war in Graphic Novel unfassbar gelungen. Aber Neil Gaiman könnte auch das Telefonbuch in Romanvariante rausbringen und ich würde es lieben. Ich finde ihn großartig. Und mein Gaiman Schrein füllt sich mehr und mehr. Es sind mittlerweile zwei Regalbretter im überfüllten Status.

ERIK KRIEK “In the Pines” sind 7 Murderballads in Graphic Novel Variante. Ein unfassbar schönes Buch. Nicht nur schön illustriert, sondern auch die Murderballads, die quasi zum amerikanischen Literaturkanon gehören verständlich erklärt. Alle erinnern sich an Nick Caves Murderballads und dieses unsägliche Duett mit Kylie Minogue … aber die Murder Ballads sind noch düsterer und gruftiger als es Cave hätte besingen können. Krieks Graphic Novel Adaption ist ein literarisches Kleinod, was in meinem Graphic Novel Regal einen Ehrenplatz bekommen hat.

MIROSLAV PENKOV “Wenn Giraffen fliegen” … hätte eigentlich einen eigenen Blogeintrag bedurft, aber ich komme einfach nicht dazu. Die Welt scheint sich schneller zu drehen, als mir lieb ist. Penkov hat in dem Band Erzählungen / Kurzgeschichten versammelt, die an seine bulgarische Herkunft anknüpfen. Die Protagonisten sind putzig und überzeugend. Ich konnte lachen, weinen und es gibt Gründe, warum ich Erzählungen mag. Ich bin ein Liebhaber von Geschichten, die in wenigen Worten alles gesagt haben. Man muss Geschichten nicht plattwälzen. Pointierte, ironische Geschichten, die manchmal echt ans Herz gehen, wie Penkovs Geschichte über die Liebe an der Grenze von Bulgarien / Jugoslawien, wo einem echt das Herz zusammen geschnürt wird, weil es verdammt tragisch ist, sind unbezahlbar. Und ja, ich habe dieses Buch als Mängelexemplar ausgegraben. Aber ich bin auch irgendwie ein Trüffelschwein für zumeist gute Literatur geworden. Ich verlasse mich nicht mehr auf Feuilleton und Europaletten Literatur. Ich mach mir selbst eine Meinung. Penkov war eine echte positive Entdeckung für mich.

ALEXANDER F. SPRENG “Der Fluch” … ist ein hübsches kleines Schauermärchen in Lyrikform auf 52 Seiten verfasst. Herr Spreng ist der Kopf der Gothkapelle ASP. Die letzten Alben waren definitv für mich zu verkopft und zu textlastig, aber dieses Buch konnte überzeugen und hübsch anzusehen im schwarzen Leinen war es auch.

CHARLOTTE BRONTE “Jane Eyre” (wie bekomme ich die Pünktchen über das E?) … Muss ich zu diesem Klassiker eigentlich noch was sagen?! Nein, muss ich nicht.

MARTIN SUTER “Business Class” … ich habe bisher noch nie Martin Suter gelesen, dies war mein erstes Buch … ja, natürlich aus dem Mängelexemplarkistchen der Heimbuchhandlung “gehoben”. Ich war einen Tag lang höchst amüsiert. Herr Suter kann die Beraterkater mit all ihren Marotten vorzüglichst beschreiben. Tatsache ist, dass mein Lebensabschnittsgefährte auch ein Beraterkater ist. Er fliegt zwar nicht Business Class, aber er hat auch teilweise Marotten, die im Buch beschrieben werden. Ich habe mich beispielsweise über die Geriatrie Samsonites totgelacht. Mein Freund allerdings auch. Er hasst sie wie die Pest. Dieses Buch war ein echter kurzweiliger Spaß.

ILIJA TROJANOW “Meine Olympiade” … Ich bin kein Sportler, werde es auch nie sein. Ich kann mich am Leiden von Sportlern (und Möchtegernsportlern) echt ergötzen. Dieses Buch war deswegen geschaffen für mich. Trojanow ist außerdem auch noch so selbstkritisch und entlarvend ehrlich mit seinen Künsten, dass kein Auge trocken bleibt. Ich gebe zu, der Juni Lesemonat war ein Monat, wo ich “leichtere Kost” definitiv gebraucht habe. Dies war großartig. Es hat meine zwei Tage, die ich an dem Buch brauchte versüßt. Unschlagbar war das Kapitelchen über Kanadierfahren. Sich allein die Blöße zu geben 80 Disziplinen in 4 Jahren zu trainieren ist ein Parforceritt und dies dann auch noch schriftlich festzuhalten, dem Anerkennung dienen muss.

MARK TWAIN “Post aus Hawaii” … ich liebe Mark Twain. Er ist nicht nur der Autor von Tom Sawyer, sondern eben auch der Journalist. 1866 ist er für ursprünglich 4 Wochen nach Hawaii gereist, woraus allerdings dann 5 Monate wurden. Er hat regelmäßig Briefe an seine Zeitung nach Sacramento geschrieben und über quasi alles, was auf Hawaii interessant war, berichtet. Sei es die Sklaverei, Korruption im Königshaus, die Zuckerrohrmafiastrukturen, James Cooks Gedenken, Vulkane und vor allem Frauen. Ich glaub, Twain war ein alter Schwerenöter. Und er war selbstironisch und hat knallhart rechergiert und geradeaus berichtet. Manche mögen das zu der Zeit möglicherweise nicht gemocht haben, aber 150 Jahre später liest es sich echt goldig.

SANDOR MARAI “Die Schwester” … ich habe mich bereits mit “Die Glut” in Marais Schreibstil verliebt. “Die Schwester” war ebenso gut geschrieben. Es geht nichts über gute detaillierte Charakterstudien, Charaktere mit Profil und einer Story, die komplett erzählt ist. Wiederhole ich mich?! Egal. Ich kann das Buch empfehlen für laue Sommerabende.

Zu Miranda Julys Roman fehlen mir die Worte. Ich verstehe dieses Buch nicht. Ich verstehe auch den Hype darum nicht. Und Hilary Mantels Kurzgeschichten waren leider im Vergleich zu Penkovs Geschichten nicht die Wucht. Ja, ich sollte keine Vergleiche ziehen, tue es aber dennoch. Denn ich habe einfach zuviel ungelesene Bücher zu Hause liegen.

Ach ja, und dann habe ich noch das Comicheft “Grosse Freiheit” #1 gelesen. Das ist eine echte Kiezgeschichte, wo ich mit Garantie die weiteren Teile kaufen werde.

An und für sich ein schöner Lesemonat und ja, ich habe zuviel Neues gekauft … es waren glaub ich 12 Bücher im Monat, aber egal … solange ich mir diesen Luxus leisten kann, ist die einzige Krise in der ich lebe, diese, dass ich zu wenig Zeit habe, alles zu lesen.

 

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s