Professor Hieronimus [Buchempfehlung]

Ich bin ein Fan des Guggolz Verlags geworden. Dazu reichten mir bisher nur zwei Bücher, die ich aus dem Katalog des Verlages bisher gelesen (NEIN – durchgeatmet) habe. Das war zum Einen “Vater und Sohn unterwegs” und zum Anderen das erst in diesem Jahr erstmalig ins Deutsche übersetzte “Professor Hieronimus”, der Autorin Amalie Skram.

Über das Buch: »Professor Hieronimus« erzählt die Geschichte der Malerin Else Kant, die sich nach einem Zusammenbruch in die psychiatrische Klinik von Professor Hieronimus begibt, um wieder zu Kräften zu kommen. Dort jedoch darf sie plötzlich keine eigenen Entscheidungen mehr treffen, muss sich den Regeln und dem Alltag in der Klinik fügen. Und auch die Entscheidung, wann sie wieder in ihr früheres Leben zurückkehren kann, liegt plötzlich nicht mehr in ihrer Hand. Else ist jedoch fest entschlossen, um ihre Selbstbestimmtheit zu kämpfen und ihre Würde zu bewahren. Dafür gibt sie fast alles auf, was ihr lieb erschien. (Inhaltsangabe vom Guggolz Verlag – weil ich es nicht besser hätte zusammen fassen können)

Über die Autorin: Amalie Skram ist eine der ersten bekannten Autorinnen Skandinaviens. Sie wurde 1846 in Norwegen geboren und verstarb 1905 in Dänemark. Auf ihrem Grabstein, den man leider nicht mehr findet, soll wohl gestanden haben, dass sie dänische Autorin war. Amalie Skram ist eine Frau gewesen, die von Anfang an, für Selbstbestimmung und Emanzipation, sowie eigenständiges Denken, Leben und Agieren stand. So hat sie mehrmals geheiratet, um der Liebe wegen. So hat sie auch sich selbst einmal in eine psychiatrische Anstalt begeben. So hat sie definitiv nicht nur glückliche Tage gehabt. Stets auf Identitätssuche und der Stellung der modernen Frau. Für ihre Zeit war sie definitiv eine Frau, die moderner war, als es manche Frauen heute zu sein scheinen. Ihre Erfahrungen und Erlebnisse im Leben hat sie in mehreren Romanen autobiografisch verarbeitet. “Professor Hieronimus” gehört mit zu einem ihrer letzten Werke.

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Autorin: Amalie Skram
Titel: Professor Hieronimus
Übersetzung: Christel Hildebrandt
erschienen am: März 2016
beim Guggolz Verlag
461 Seiten, Hardcover
ISBN: 978-3-945370-07-0

käuflich von meiner Ma bei der Leipziger Buchmesse analog erworben

Meine 10 Cents: Amalie Skram eine Autorin, die sich mit selbstbestimmenden feministischen Zügen durch ihre Zeit gekämpft hat. Sie starb 1905 und ihr Roman Professsor Hieronimus ist in dieser Ausgabe bestehend aus zwei Bänden in einem Professor Hieronimus ist Teil 1 und St.Jorgen ist Teil 2. In dem Buch wird der Weg von Else Kant erzählt, ein Alter Ego von Frau Skram, die Künstlerin ist und die sich aufgrund von Schlafstörungen und Wahnvorstellungen in eine psychiatrische Anstalt freiwillig begibt. Unter der Ägide von Professor Hieronimus, der nach außen hin als Gott in Weiß auftritt und als liebenswürdig und vom Fache dargestellt wird, lernt Else Kant ihn als Psychiater kennen, der Tyrann ist. und der keinesfalls auf die Wünsche und Bedürfnisse der Patienten eingeht. Sie stattdessen mit Chloral abschießt. Dies war gängiges Medikament im 19. Jahrhundert. Es ist jedoch hoch toxisch und im 19.Jahrhundert gab es noch keine Antidepressiva und auch keine ordentlichen Präparate bei Schlafstörungen.


Der Aufenthalt bei Prof. Hieronimus wird für Else Kant ein Martyrium und es werden die Lebensgeister mehr als geweckt. Sie merkt und begreift, dass sie keinesfalls verrückt ist und sie zum Verrücktsein gemacht wird. Es liegt schließlich stets im Auge des Betrachters, ob man verrückt ist oder nicht. Else Kant kämpft sich über den Umweg St. Jorgen – eine weitere psychiatrische Einrichtung – für Frau Kant ein “weiteres Gefängnis” und für die anderen eine Kuranstalt – in die Freiheit.


Das Buch ist eine Mahnung für Selbstbestimmung und Würde in der Behandlung in psychiatrischen Einrichtungen. Es ist ein Wunsch nach mehr Freiheit in der Ärztewahl. (Das gibt es ja mittlerweile, auch wenn man teilweise monatelang auf Termine warten muss.) Es ist ein groß und fettgeschriebener Wunsch nach mehr Empathie und die Kunst des Zuhörens durch die Ärzteschaft. Dazu fehlt es jedoch auch noch heute bei manchen Göttern in Weiß.


Es ist ebenso ein Beispiel dafür, dass in psychiatrischen Einrichtungen nicht immer alle Patienten gerechtfertigt sich dort befinden.
Das Buch ist auch wenn es mehr als 120 Jahre alt ist, sehr modern und liest sich ungemein gut. Amalie Skram schreibt direkt, schnörkellos und schmeißt mit ihren Worten direkt das Salz in die seelischen Wunden der Protagonistin und ihrer Mitleidenden in den Anstalten. Dieses Buch muss unbedingt gelesen werden.

Es ist ein prosaisches Fest.

 

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One thought on “Professor Hieronimus [Buchempfehlung]

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