Die Pfaueninsel [Buchempfehlung]

pfaueninsel

THOMAS HETTCHE „Pfaueninsel“

erschienen im Kiepenheuer & Witsch am 21.08.2014, 352 Seiten,

Shortlist des Deutschen Buchpreises 2014
Der Klappentext sagt:
Es mutet an wie ein modernes Märchen, denn es beginnt mit einer Königin, die einen Zwerg trifft und sich fürchterlich erschrickt. Kaum acht Wochen nach dieser Begegnung auf der Pfaueninsel, am 19. Juli 1810, ist die junge Königin Luise tot – und der kleinwüchsige Christian und seine Schwester Marie leben fortan weiter mit dem entsetzten Ausruf der Königin: »Monster!« Damit ist die Dimension dieser Geschichte eröffnet. Am Beispiel von Marie, die zwischen den Befreiungskriegen und der Restauration, zwischen Palmenhaus und Menagerie, Gartenkunst und philosophischen Gesprächen aufwächst und der königlichen Familie bei deren Besuchen zur Hand geht, erzählt Thomas Hettche von der Zurichtung der Natur, der Würde des Menschen, dem Wesen der Zeit und der Empfindsamkeit der Seele und des Leibes.
Dabei geht es um die Gestaltung dieses preußischen Arkadiens durch den Gartenkünstler Lenné und um all das, was es bevölkerte: Palmen, Kängurus und Löwen, Hofgärtner, Prinzen, Südseeinsulaner, Riesen, Zwerge und Mohren – und es geht um die Liebe in ihren mannigfaltigen Erscheinungsformen.

Meine 10 Cents: Ich lese sehr gern  ziemlich Anspruchsvolles, Verkopftes Kompliziertes. Dieses Buch jedoch war jedoch eine vollkommene Neuentdeckung im Lesegeschmack. Ich kann auch Bücher lesen, die vor lauter Schönheit strotzen, wo der Lesefluss zu keiner Zeit unterbrochen wird und bei dem ich mich köstlich unterhalten lassen habe. Dieses Buch ist eine kleine Perle in meinem Bücherschrank im Jahr 2014 geworden. Genauso, wie die Pfaueninsel es selbst eine Perle der Havellandschaft vor den Toren von Berlin im 19. Jahrhundert war.

Die Havelinsel Pfaueninsel, auf dem Marie, als Kind auf die Insel hingebracht, lebt. Sie ist damals mit ihrem ebenfalls kleinwüchsigen Bruder Christian abgeschoben und im Haus der Hofgärtnerfamilie aufgenommen worden. Im Buch begegnet einem der latente Rassismus des 19. Jahrhunderts, der Romantikhype in der gehobenen Gesellschaft, der Sucht nach Sensationen, Entdeckungen, dem Schönen, sowie der Wille das Fremde in das Hier und Jetzt hinein zu implementieren (durch Tiersammlungen, Gärten, zur Schaustellung von “fremden Menschen”). Und bei all dem ist Marie inmitten drin. Der Zeitgeist des 19. Jahrhunderts wird auf die Insel, die für Marie Gefängnis und Glück gleichzeitig ist, gebracht. Marie verliert im Lauf des Buches alles, was man verlieren kann und am Ende geht sie doch mit gehobenem Haupt von der Insel als die Frau, die alles “überlebt” hat. Großartiges Buch, gut regergiert und mit einem sehr schönen Schreibstil. Dieses Buch ist zu recht in der engeren Auswahl für den Deutschen Buchpreis 2014 gewesen.

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