Liebe Simone Young …

Liebe Simone Young,

vielleicht sollte ich diesen Brief auf Englisch schreiben, aber als ich am 31.12.2014 Sie in der Laieszhalle in Hamburg gesehen habe beim Salutkonzert, da war Ihr Deutsch so dufte, dass ich das dann mit meinem schlechten Englisch lieber belasse.

Ich muss diese Worte hier schreiben, weil ich einfach nicht weiß, wie mein Leben als Musikkonsumentin weitergehen soll, wenn Sie nicht mehr den Taktstock regulär in Hamburg zum Tanzen bringen.

Früher, bevor ich nach Hamburg gezogen bin, was mittlerweile schon knappe 6 Jahre her ist, bin ich zu musikalischen Ereignissen gegangen, weil mir der Komponist in den Kram passte oder ich das Musikwerk Bombe fand. Heute schaue ich nur noch zusammen mit meinem Freund, der diese Leidenschaft ebenso teilt, auf meine frei verfügbaren Tage bzw. Abende (Schichtdienst in Vollzeit sei dank), wann Sie wieder arbeiten. Mit der kommenden Saison geht mir das jetzt ab. Was soll ich bloß machen?!

Unser musikalischer Horizont war vorher schon groß. Aber dank meines Freundes, gehe ich mittlerweile auch zur Oper und er sitzt öfter in einem Sinfoniekonzert als er sich das vorher hat erträumen lassen.

Ich habe jetzt noch feuchte Augen, wenn ich an den 1. März 2015 denke, wo mein Freund und ich, wieder einmal Bruckner hören durften und dieses Mal auch nicht allein als schräges Pärchen, sondern wir hatten als Überzeugungstäter Freunden zu Weihnachten zwei Karten ebenso für die Veranstaltung geschenkt. Es ist einfach zu traurig, wenn man viel zu wenig neues, frisches Publikum bei solch großartiger Musik zu sehen bekommt. Bruckner, Mahler und Co. sind mit ihrer Intensität und ihrem Pegel, den Sie zugegebener Maßen den Philharmonikern untergeschoben haben, so unglaublich modern. Es rumst an allen Ecken und die Hinterhalte in den Sinfonien sind großartig. Das Gruftieherz schlägt einfach zehnmal höher, bei oben benannten Künstlern. Es ist köstlich gewesen Sie dabei zu beobachten, wie Sie beim Dirigieren mit jedem Takt lockerer wurden. Es ist für uns jedes Mal ein unglaublicher Genuss gewesen, Sie zu sehen, wie das Dirigieren nicht nur Arbeit bei Ihnen war, sondern Erfüllung, Spaß und Überzeugungstat. Ich habe schon einiges gesehen, aber ich kann diese Attribute nicht auf alle Kollegen ihrer Zunft überschieben.

Der Vormittag am Sonntag des 1. März 2015 mit meinen Freunden war übrigens super gewesen. Den beiden Neulingen hat es unglaublich gut gefallen. Der junge Mann erkannte in Bruckners 5. Sinfonie im letzten Satz “verzögerte Orgasmen” und die Dame meinte Riffs von White Stripes “Seven nation Army” gehört zu haben. Es konnte jedenfalls auf allen Kanalen begeistert werden. Nach dem Konzert wurden wir zudem von einem älteren Paar angesprochen, die uns direkt fragten, wie denn das funktionieren würde “Gothic und Klassik” … Unsere Erklärung war schlüssig: “Der Goth mag Pathos, Schwere und bei den meisten Klassikwerken sind zudem noch am Ende alle tot.” Besser geht es doch nicht. Wir fielen zu viert auf, auf positive Weise.

Zudem war ich sehr sehr glücklich zum Schluss der Saison noch bei Simon Boccanegra dabei gewesen zu sein. Zweimal wohlbemerkt. Ich habe eine ganze Weile gebraucht, bis ich Opern ohne Vorbehalte schauen konnte. Das gelingt mir erst seit dem ich den Hamburger Lear (auch zwei Mal gesehen) gesehen habe und mein Freund mir unmissverständlich immer wieder Opernabende beschert, die unvergesslich sind. Der letzte Simon Boccanegra war ebenso einer. Ich wollte nicht, dass er zu Ende geht. Ich war gerührt. Ich habe am Ende sogar Tränen in den Augen gehabt.

Frau Young ich werde Sie in Hamburg vermissen. Ich bin dankbar, für den Wind, den Sie nach Hamburg gebracht haben. Das ist mein Danke an Sie.

Im Übrigen ich habe von Ihnen dirigiert 14 verschiedene Opern gesehen und 8 Philhamoniekonzerte und das eine Salutkonzert. Alle Abende / Morgenstunden waren unverschämt gut und werden sich in mein Langzeitgedächtnis einbrennen.

Danke und bezaubern Sie bald wieder Hamburg,

herzlichst Devi

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